erfolgreiche Verweigerung; Grund: Veganismus

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erfolgreiche Verweigerung; Grund: Veganismus

Beitragvon Felix. am 9. Jan 2009 22:23

Hallo ihr Lieben,

Papa Staat wollte, dass ich zur Bundeswehr gehe. Ohne mich, also klarer Fall: Verweigerung. Garnichts machen ist ja leider doch etwas kontraproduktiv, deswegen schön brav verweigern und Zivi ableisten.
Das mit dem Verweigern hat auch schonmal wunderbar gekalappt und das will ich euch nicht vorenthalten. Ich habe mich dabei bewusst ausschlieslich auf den Veganismus berufen und nur damit argumentiert. Überraschenderweise hat das auch geklappt, ganz grob gesagt: Veganer müssen in Deutschland nicht zur Bundeswehr!

Bei meiner Musterung hab ich nen netten Wisch bekommen (etwas älter, man achte auf das Datum) auf den ich mich dann auch bezogen habe, er liegt als Dabei bei.

Ich kümmer mich jetzt um ne Stelle für Anderen Dienst im Ausland, um dort als Entwicklungshelfer zu arbeiten.

Hoffe es hilft euch weiter,
liebe Grüße,
Felix

Verweigerungsschreiben:

Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer

Sehr geehrte Damen und Herren,

bei meiner Musterung am 15.10.08 im Kreiswehrersatzamt bekam ich das „Merkblatt für Wehrpflichtige mit besonderen Kostformen“, welches im September 1990 veröffentlicht wurde.

Damit wurde ich informiert, dass „gemäß § 18 Soldatengesetz [...] der Soldat auf dienstliche Anordnung zur Teilnahme an der Gemeinschaftsverpflegung verpflichtet“ sei. Weiter wird behauptet „eine bedarfsdeckende Versorgung [...] im Rahmen der militärischen Gemeinschaftsverpflegung [sei] nur unter Einbeziehung von Fleisch und Fleischwaren sowie Milch und Milchprodukten sicherzustellen“. Weitergehende Regelungen seien aus ernährungsmedizinischen Gründen nicht möglich.

Um den Übergang zur normalen Truppenverpflegung zu erleichtern wird mir eine sechswöchige Schonkost angeboten. Diese Veränderung meiner Lebensweise hin zum Konsum von tierischer Nahrung ist mir aus ethischen Gründen nicht möglich.

Ich wurde mit dem Gedanken der Aufklärung erzogen, ich bin davon überzeugt, dass Herrschaft falsch ist und man sich und sein Handeln hinterfragen sollte.

Tiere beziehe ich in meine Moral mit ein. Ich gestehe ihnen das Interesse und das damit verbundene Recht auf Leidensfreiheit zu.
Durch meine Lebensweise als Veganer (kein Konsum von tierischen Produkten, wie Fleisch, Ei, Milch, Leder und Wolle) beteilige ich mich bewusst nicht an dem Leid, dem Tod und der Ausbeutung von Tieren.
Diese antispeziesistische Haltung ist der nächste logische Schritt der Aufklärung nach der Beseitigung von Ausgrenzung aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Religion.

Fleisch, Fleischwaren, Gelatine und Leder sind Produkte, die direkt aus dem Körper des Tieres stammen. Um sie zu gewinnen ist die Tötung des Tieres notwendig.
Für Milch, Ei und andere indirekte Tierprodukte ist dies scheinbar nicht nötig. Doch ist es gängige Praxis 50% der Küken, die zur Eiproduktion gezüchtet worden, zu töten, da sie männlich sind und somit keine Eier legen können. So wird auch eine Milchkuh geschlachtet, sobald sie nicht mehr profitabel genug ist.
Zusätzlich leiden diese Tiere üblicherweise während der Haltung. Das Wohlbefinden eines Tieres hat nichts damit zu tun, wie profitabel es ist. Tiere werden nicht artgerecht gehalten. Gerade in der Massentierhaltung mangelt es den meisten Tieren an Platz. Sie können ihr Sozialverhalten nicht angemessen ausleben und ihre körperliche Gesundheit leidet unter der leistungsorientierten Zucht und entsprechendem Umgang.

Ausdrucksvermögen, Schwäche, Intelligenz oder jeder weitere Unterschied zwischen Menschen und leidensfähigen nichtmenschlichen Tieren kann keine moralische Begründung zum Quälen oder Töten dieser liefern.
Tradition, Wirtschaftlichkeit und Rechtslage sind niedere Legitimationsversuche für dieses Handeln.

Tiere sind bewusste, leidensfähige und soziale Lebewesen. Aus Freiheit meines Glaubens und unter freier Entfaltung meiner Persönlichkeit gestehe ich Tieren Leidensfreiheit zu und fordere hiermit das Recht auf dieses Zugeständnis.

Da die Bundeswehr keine ethisch korrekte Nahrung bereitstellen will und die Nutzung von ausschließlich tierleidsfreien Produkten nicht sichergestellt ist, sehe ich mich außer Stande Wehrdienst an der Waffe auszuführen.

Ich beantrage hiermit die Bewilligung Zivildienst leisten zu dürfen.



Mit freundlichen Grüßen,


Felix.






Anlagen
Lebenslauf
Kopie des Merkblattes
Zuletzt geändert von Felix. am 27. Apr 2009 17:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon illith am 10. Jan 2009 00:27

ah, interessant! das passt ja zu diesem thread hier.

wie das wohl bei praktizierenden moslems oder juden läuft....?

bisschen paradox bei deinem text find ich ja, dass du von deinen ethisch-moralischen wertvorstellungen bezüglich ledivermeidung et al erzählst, als grund für deine verweigerung dann aber allein anführst, dass du nicht mitessen könntest (wenn ich ncihts überlesen hab) :D aber gut, wenns funktioniert hat, passts ja.^^

bliebe noch die frage, wie bzw. ob das dann auch nachgeprüft würde zb durch befragung von bekannten oder so?! da könnt ja sonst jeder kommen! :P
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Beitragvon pünktchen.av am 10. Jan 2009 08:35

bisschen paradox ist gut:

Da die Bundeswehr keine ethisch korrekte Nahrung bereitstellen will und die Nutzung von ausschließlich tierleidsfreien Produkten nicht sichergestellt ist, sehe ich mich außer Stande Wehrdienst an der Waffe auszuführen.


menschen erschiessen fändest du hingegen moralisch einwandfrei?

dass du mit der bescheuerten verweigerung durchgekommen bist zeigt nur, dass die inzwischen jeden scheiß akzeptieren, weil sie die leute beim bund eh nicht gebrauchen können.


lustig ist aber auch das merkblatt zur ernährung: sechs wochen schonkost zur umstellung auf omnivore ernährung? :laugh:
Sein Pferdestall war abgebrannt, als Konfuzius von der Audienz heimkehrte.
Er fragte: "Sind Menschen verletzt?"
Nach den Pferden fragte er nicht.

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Beitragvon SxEric am 10. Jan 2009 09:42

pünktchen.av hat geschrieben:bisschen paradox ist gut:

Da die Bundeswehr keine ethisch korrekte Nahrung bereitstellen will und die Nutzung von ausschließlich tierleidsfreien Produkten nicht sichergestellt ist, sehe ich mich außer Stande Wehrdienst an der Waffe auszuführen.


menschen erschiessen fändest du hingegen moralisch einwandfrei?

dass du mit der bescheuerten verweigerung durchgekommen bist zeigt nur, dass die inzwischen jeden scheiß akzeptieren, weil sie die leute beim bund eh nicht gebrauchen können.


lustig ist aber auch das merkblatt zur ernährung: sechs wochen schonkost zur umstellung auf omnivore ernährung? :laugh:


son merkblatt hatte ich damals auch mitbekommen..
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Beitragvon Akayi am 10. Jan 2009 10:11

zuersteinmal ist es schön für dich, dass du mit deiner verweigerung durchgekommen bist. obwohl es durchaus auch veweigerungen gibt, die abgelehnt werden müsste man in diesem fall tatsächlich prüfen ob das ausschlaggebende argument dein veganismus war. abgesehen von diesem praktischen grund ähnelt deine verweigerung vom aufbau und von den angeführten argumenten her doch doch der einer - ich will es mal so formulieren - klassisch ethischen aber nicht religiös begründeten verweigerung. daher mag es im endeffekt so gewesen sein, dass dieser inhaltliche part akzeptiert wurde, und dass man bei deinem dargestellten weltbild davon ausgeht, dass du auch keine menschen erschießen möchtest weshalb die angesprochene paradoxie deiner verweigerung auch großzügig überlesen wurde.

ich meine übrigens, dass juden, zumindest in ihrer mehrheit, keinen wehrdienst leisten müssen. ansonsten scheint es so zu laufen, dass man als - muslim zum beispiel - auf das schweinefleisch verzichtet, oder ein alternatives menue durchsetzt.
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Beitragvon pünktchen.av am 10. Jan 2009 11:24

wieso sollten juden keinen wehrdienst leisten müssen?
Sein Pferdestall war abgebrannt, als Konfuzius von der Audienz heimkehrte.
Er fragte: "Sind Menschen verletzt?"
Nach den Pferden fragte er nicht.

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Beitragvon Akayi am 10. Jan 2009 11:34

als angehörige von opfern des holocausts sind sie meines wissens nach von der wehrpflicht befreit. da nicht alle juden angehörige von opfern des holocausts sind und ich nicht weiß, wie die genauen regelungen lauten, habe ich die aussage entsprechend eingeschränkt.
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Beitragvon Felix. am 10. Jan 2009 11:53

pünktchen.av hat geschrieben:bisschen paradox ist gut:

Da die Bundeswehr keine ethisch korrekte Nahrung bereitstellen will und die Nutzung von ausschließlich tierleidsfreien Produkten nicht sichergestellt ist, sehe ich mich außer Stande Wehrdienst an der Waffe auszuführen.


menschen erschiessen fändest du hingegen moralisch einwandfrei?


wieso paradox? du implizierst ganz ungerechtfertigt, dass das irgend eine aussage bezüglich des mordens an menschen macht.. wenn ich dazu nichts schreibe, habe ich dazu auch nichts gesagt. es gibt mehr gründe nicht zum bund zu gehen ausser veganismus und die intention sich mit gewalt durchzusetzen, ich muss für eine verweigerung nicht alle nennen. ich hab mich nur auf veganismus bezogen, das allein reichte für mich aus, also warum noch romane schreiben?
außerdem kann man durchaus zum bund gehen und keine menschen töten. wenn es für jemanden der einfachste weg ist, bitte. was ist daran verwerflich? ob man abdrückt bleibt eigene sache. man kann immernoch verweigern, wenn es zu einem einsatz kommt.
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Beitragvon Akayi am 10. Jan 2009 12:07

soldaten sind mörder, dieser große satz bewahrheitet sich immer wieder. nach deiner erläuterung sehe ich mich gezwungen, die glückwünsche zu deiner verweigerung wieder zurückzunehmen. menschen wie du, die ansichten dieser art haben, sollten zur verfassungsgemäßen pflichterfüllung gezwungen werden und sich nicht in dieser art herausreden dürfen.
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Beitragvon pünktchen.av am 10. Jan 2009 16:57

Akayi hat geschrieben:als angehörige von opfern des holocausts sind sie meines wissens nach von der wehrpflicht befreit. da nicht alle juden angehörige von opfern des holocausts sind und ich nicht weiß, wie die genauen regelungen lauten, habe ich die aussage entsprechend eingeschränkt.


gefunden:

Jüdische Wehrpflichtige sowie Roma und Sinti, deren nächste Angehörige (Großeltern, Eltern, ältere Geschwister) aus rassistischen Gründen nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt waren, werden auf Antrag nach § 12 Abs. 4 Satz 1 in Verbindung mit § 12 Abs. 6 Satz 2 WPflG (Zurückstellung wegen unzumutbarer Härte über die Einberufungsaltersgrenze) bis auf weiteres vom Wehrdienst zurückgestellt. (Verfügung vom 22.3.1989 - WE 2 - Az 24-05-04)


so langsam müssten die ersten eingezogen werden, deren großeltern zu jung sind. und laut diesem artikel gibt es etwa 200 jüdische soldaten bei der bw.

und die zigeuner werden mal wieder diskriminiert:

Wehrpflichtige, die jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung sind, müssen nachweisen, daß ihre Angehörigen im Machtbereich des Nationalsozialismus gelebt haben. Die Verfolgung der nächsten Angehörigen wird dann ohne weitere Prüfung unterstellt.

Roma und Sinti müssen aber zusätzlich nachweisen, daß nächste Angehörige eine Entschädigung der Bundesregierung wegen nationalsozialistischer Verfolgung erhalten haben.

http://www.zentralstelle-kdv.de/z.php?ID=255#E02

erst nichts zahlen und dann die nachkommen dafür zum bund ziehen. arschlöcher.
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Nach den Pferden fragte er nicht.

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