Hallo ihr Lieben,
Papa Staat wollte, dass ich zur Bundeswehr gehe. Ohne mich, also klarer Fall: Verweigerung. Garnichts machen ist ja leider doch etwas kontraproduktiv, deswegen schön brav verweigern und Zivi ableisten.
Das mit dem Verweigern hat auch schonmal wunderbar gekalappt und das will ich euch nicht vorenthalten. Ich habe mich dabei bewusst ausschlieslich auf den Veganismus berufen und nur damit argumentiert. Überraschenderweise hat das auch geklappt, ganz grob gesagt: Veganer müssen in Deutschland nicht zur Bundeswehr!
Bei meiner Musterung hab ich nen netten Wisch bekommen (etwas älter, man achte auf das Datum) auf den ich mich dann auch bezogen habe, er liegt als Dabei bei.
Ich kümmer mich jetzt um ne Stelle für Anderen Dienst im Ausland, um dort als Entwicklungshelfer zu arbeiten.
Hoffe es hilft euch weiter,
liebe Grüße,
Felix
Verweigerungsschreiben:
Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer
Sehr geehrte Damen und Herren,
bei meiner Musterung am 15.10.08 im Kreiswehrersatzamt bekam ich das „Merkblatt für Wehrpflichtige mit besonderen Kostformen“, welches im September 1990 veröffentlicht wurde.
Damit wurde ich informiert, dass „gemäß § 18 Soldatengesetz [...] der Soldat auf dienstliche Anordnung zur Teilnahme an der Gemeinschaftsverpflegung verpflichtet“ sei. Weiter wird behauptet „eine bedarfsdeckende Versorgung [...] im Rahmen der militärischen Gemeinschaftsverpflegung [sei] nur unter Einbeziehung von Fleisch und Fleischwaren sowie Milch und Milchprodukten sicherzustellen“. Weitergehende Regelungen seien aus ernährungsmedizinischen Gründen nicht möglich.
Um den Übergang zur normalen Truppenverpflegung zu erleichtern wird mir eine sechswöchige Schonkost angeboten. Diese Veränderung meiner Lebensweise hin zum Konsum von tierischer Nahrung ist mir aus ethischen Gründen nicht möglich.
Ich wurde mit dem Gedanken der Aufklärung erzogen, ich bin davon überzeugt, dass Herrschaft falsch ist und man sich und sein Handeln hinterfragen sollte.
Tiere beziehe ich in meine Moral mit ein. Ich gestehe ihnen das Interesse und das damit verbundene Recht auf Leidensfreiheit zu.
Durch meine Lebensweise als Veganer (kein Konsum von tierischen Produkten, wie Fleisch, Ei, Milch, Leder und Wolle) beteilige ich mich bewusst nicht an dem Leid, dem Tod und der Ausbeutung von Tieren.
Diese antispeziesistische Haltung ist der nächste logische Schritt der Aufklärung nach der Beseitigung von Ausgrenzung aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Religion.
Fleisch, Fleischwaren, Gelatine und Leder sind Produkte, die direkt aus dem Körper des Tieres stammen. Um sie zu gewinnen ist die Tötung des Tieres notwendig.
Für Milch, Ei und andere indirekte Tierprodukte ist dies scheinbar nicht nötig. Doch ist es gängige Praxis 50% der Küken, die zur Eiproduktion gezüchtet worden, zu töten, da sie männlich sind und somit keine Eier legen können. So wird auch eine Milchkuh geschlachtet, sobald sie nicht mehr profitabel genug ist.
Zusätzlich leiden diese Tiere üblicherweise während der Haltung. Das Wohlbefinden eines Tieres hat nichts damit zu tun, wie profitabel es ist. Tiere werden nicht artgerecht gehalten. Gerade in der Massentierhaltung mangelt es den meisten Tieren an Platz. Sie können ihr Sozialverhalten nicht angemessen ausleben und ihre körperliche Gesundheit leidet unter der leistungsorientierten Zucht und entsprechendem Umgang.
Ausdrucksvermögen, Schwäche, Intelligenz oder jeder weitere Unterschied zwischen Menschen und leidensfähigen nichtmenschlichen Tieren kann keine moralische Begründung zum Quälen oder Töten dieser liefern.
Tradition, Wirtschaftlichkeit und Rechtslage sind niedere Legitimationsversuche für dieses Handeln.
Tiere sind bewusste, leidensfähige und soziale Lebewesen. Aus Freiheit meines Glaubens und unter freier Entfaltung meiner Persönlichkeit gestehe ich Tieren Leidensfreiheit zu und fordere hiermit das Recht auf dieses Zugeständnis.
Da die Bundeswehr keine ethisch korrekte Nahrung bereitstellen will und die Nutzung von ausschließlich tierleidsfreien Produkten nicht sichergestellt ist, sehe ich mich außer Stande Wehrdienst an der Waffe auszuführen.
Ich beantrage hiermit die Bewilligung Zivildienst leisten zu dürfen.
Mit freundlichen Grüßen,
Felix.
Anlagen
Lebenslauf
Kopie des Merkblattes
