Wolle - wieso unvegan?

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Wolle - wieso unvegan?

Beitragvon Slopsi am 18. Jun 2015 12:06

Ich trage keine tierischen Produkte, resp. habe ich auch noch nie. Leder ist mir zu teuer und Wolle zu kratzig. ;)

Aber ich habe dazu eine Frage.

ich bin ziemlich auf dem Land aufgewachsen und wir hatten Schafe. Tolle Tiere, übrigens. Die Schafe waren ein bisschen das "Hobby" meines Vaters. Ein- oder zweimal pro Jahr mussten wir sie scheren. Ich habe ihm jeweils geholfen und die Tiere beruhigt. Was wir mit der Wolle gemacht haben, weiss ich nicht mehr. Aber es war sicher kein finanzieller Grund, wieso wir sie geschert haben.

Ich verstehe nun nicht ganz, was daran "unvegan" ist. Ihr kennt sicher das Bild des Schafs aus Neuseeland, dass sich verlaufen hat und irgendwann dann komplett "eingewollt" gefunden wurde.
Sind die Schafe nicht froh, wenn wir sie vom zu langen Fell befreien? Wir schneiden unsere Haare ja auch.

Was habe ich nicht verstanden? Danke für eure Hilfe.
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Beitragvon schwarz am 18. Jun 2015 12:07

Weil die Tiere dafür gezüchtet und gehalten werden. Das nennt man Tierausbeutung.
Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur eine fehlt.
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Beitragvon Silke81 am 18. Jun 2015 12:22

In der industriellen Produktion ist auch beim Scheren der Umgang mit den Tieren eine einzige Quälerei.
Es gab da mal ein Video, ich glaube von PETA, heimlich aufgenommen in Neuseeland (wohl einem der größten Produzenten für Wolle). Das ist einfach widerlich, wie da mit den Tieren umgegangen wird.
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Beitragvon Slopsi am 18. Jun 2015 12:24

Ja, eigentlich logisch, dass es nicht so romantisch abläuft, wie auf dem heimischen Hof.

Das macht für mich Sinn. Danke.
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Beitragvon Vampy am 18. Jun 2015 12:27

ich bin eigentlich kein fan von vagedes texten, aber der hier erklärts ganz gut:

wolle

warum keine wolle? auf den ersten blick sieht es so aus, als ob wolle ein harmloses produkt ist, weil dafür theoretisch kein schaf leiden muss. aber wenn man einmal genauer hinsieht, wird man feststellen, dass die wollindustrie ebenso wenig harmlos ist wie die eier- und milchindustrie. obwohl tiere wie “legehennen”, “milchkühe” und “wollschafe” (im gegensatz zu den meisten ihrer kinder) nicht direkt geschlachtet werden, leben sie ein in der regel leidvolles leben bis zu ihrem unvermeidbarem ende, der schlachtung.

wolle stammt von schafen, ziegen und manchmal von kaninchen. sie kann wolle, mohair oder kaschmir heißen. leider wird über diese industrie nicht so häufig geschrieben oder diskutiert wie über andere. viele menschen wissen nicht, dass die globale “schafzucht”-industrie misshandlung, schmerz und leiden für die tiere bedeutet. sie werden sehr häufig unmenschlich behandelt und sind zahlreichen qualen und brutalitäten ausgesetzt. den lämmern werden ohne betäubung die ohren gelocht, die schwänze kupiert und die männlichen lämmer werden in den ersten wochen ihres lebens ohne betäubung kastriert.

jedes jahr sterben hunderte lämmer bereits vor ihrer achten lebenswoche weil sie ausgesetzt werden oder verhungern. viele ältere schafe sterben durch krankheit, fehlende schutzhütten oder vernachlässigung.

jahrzehnte hat man den verbrauchern weismachen wollen, dass das scheren eines schafes ein menschlicher akt sei, um die tiere von ihrer woll-last zu befreien. das ist ein mythos. den schafen wächst gerade genug wolle, um sie zu bedecken, zu wärmen und zu schützen. nur durch den eingriff des menschen ist das wollwachstum durch ständiges scheren beschleunigt. in jedem frühling, nach der geburt der lämmer werden sie geschoren, noch bevor sie auf natürliche weise ihre winterwolle verlieren können. der zeitpunkt wird genau abgepasst, denn wenn zu spät geschoren wird, verliert die industrie wolle. schon in der hektik sterben viele schafe, weil sie zu früh geschoren werden. üblicherweise werden die scherer nach volumen und nicht nach stunden bezahlt, was noch weniger rücksicht auf das wohlbefinden der schafe zulässt.

in australien betreibt man das sogenannte “mulesing”, eine prozedur bei der man die schafe in die rückenlage zwingt, ihre beine zwischen metallstäbe klemmt und ihnen ohne jegliche schmerzmittel riesige streifen fleisch im bereich der hinterbeine und des schwanzes absäbelt. dies soll der einnistung von fliegeneiern vorbeugen. ironischerweise werden gerade diese entblößten und blutigen wunden von fliegen attackiert, die durch ihre larven zu infektionen unter der haut führen, noch bevor diese abheilen können.

vegan lebende menschen tragen und nutzen deshalb keine schafswolle. in den vergangenen jahren sind hochwertige vegane alternativen entwickelt worden. es gibt mittlerweile hanfwolle in allen farben, die sogar weicher und kuscheliger als schafswolle ist und überzeugend wärmt. je mehr menschen auf tierwolle verzichten, um so verbreiteter wird das angebot an alternativen.

http://www.vegane-gesellschaft.org/vegan-im-alltag
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Beitragvon Gruftmoggele am 18. Jun 2015 12:32

Zudem gibt es vom Verbraucher hoch angesehene Wollsorten wie z.B. Merinowollen, für welche die Schafe hungern müssen, damit die Wolle sehr fein wächst.
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Beitragvon Slopsi am 18. Jun 2015 13:28

Ich hab definitiv verstanden.
Zum Heulen.
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Beitragvon xvegaminax am 20. Aug 2015 10:16

Die Steigerung von Wolle ist Angora. Wer starke Nerven hat, kann mal googeln, wie das gewonnen wird :(
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Beitragvon ichigo_komori91 am 20. Aug 2015 18:48

Ich habe 3 Jahre lang in einer Kurzwaren- und Wollabteilung meine Ausbildung gemacht und habe dadurch sämtliche Wollarten kennen gelernt und mich auch über deren Gewinnung bzw. Herstellung informiert. Was da alles bei raus gekommen ist, ist alles andere als schön... und vor allem sind es nicht nur Merino und Angora sondern auch noch Alpakawolle und sogar welche aus Kamelhaar, was auch nicht immer schonend gewonnen wird.

Bei letzterem sage ich das, da es beim Kamel zum glück noch weit verbreitet ist, dass nur der Abwurf verarbeitet wird, sprich das "Winterfell", welches die Tiere von Natur aus verlieren wird eingesammelt und weiter verarbeitet.
Ich hänge dann mal wieder ne Runde tot übern Zaun! (~ ̄□ ̄) ~
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Beitragvon entrecote am 6. Jun 2017 13:56

Es ist immer wieder erstaunlich, wozu Menschen fähig sind. Und als Verbraucher hat man keine Ahnung, weil einem selbst sowas in seinen kühnsten Träumen nicht einfallen würde.
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