Instinktives Essen

Ernährung, Lebenswandel, Supplemente
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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 6. Jul 2019 18:20

"Hochprozentige" Schokolade mit 85+% Kakaoanteil würde ich wirklich als gesund bezeichnen. Oder noch besser: Kakaopulver.

Ob ein einzelnes Lebensmittel nun gesund ist oder nicht, mag von Person zu Person unterschiedlich sein. Aber auch je nachdem, was sonst noch so gegessen wird: Vielleicht liefert es ja gerade den Nährstoff, der ansonsten fehlen würde?
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Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 6. Jul 2019 18:40

Es gibt ja oft die Behauptung, dass Zucker ungesund ist. Aber so richtig gibt es da auch keine Beweise. Sicher, Sacharosse hat nur Energie ohne Mikronährstoffe, aber ungesund?
Ausser die Karieswirkung, findet man nichts. Softdrink stehen im Verdacht.
Das Konsensuspapier von Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG), Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. (DDG), Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) kann nur Aussagen, dass zuviel Zucker, zuviel Energie liefert und dadurch indirekt krank machen kann, durch Adipositas.
Aber das geht auch bei Vollkornbrot und Müsli.

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Vampy
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Beitrag von Vampy » 6. Jul 2019 20:21

in kleinen mengen mag sie gesund sein - aber da reden wir von 1-2 rippen. und die überlegung ist ja nicht "ess ich jetzt ein vollkornmüsli oder 2 rippen schoki"
Für die einen die Signatur - für die anderen der sinnloseste Satz der Welt.

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Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 7. Jul 2019 01:03

Wir drehen uns im Kreis, solange du nicht definierst was du mit gesund meinst.
Es gibt keine Interventionsstudie die zeigt, das Menschen krank werden, wenn sie täglich eine Tafel Schokolade essen. Noch nicht mal Beobachtungsstudien....zumindest kenne ich sie nicht. Für Softdrinks gibt es sie.
Wer sein Energiebedarf nicht überschreitet, kann sicher locker ne Tafel essen und er kann gesund sein. Klar, wenn man nur Schokolade isst, kommen mittelfristig zuwenig Makro und Mikronährstoffe rum und dann kann der Mensch krank werden, dass bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass ne Tafel Schokolade am Tag ungesund wäre.

Die Einteilung von Lebensmitteln in gesund und ungesund ist unter streng wissenschaftlichen Kriterien schwer bis unmöglich.

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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 7. Jul 2019 07:29

Mag sein, dass eine allgemeine wissenschaftliche Definition von "gesund" im Bezug auf Nahrungsmittel keinen Sinn macht.

Ich denke trotzdem, dass eine subjektive Einteilung in gesunde und ungesunde Nahrungsmittel für die Einzelperson hilfreich ist, und zwar als Heuristik/Faustregel bei konkreten Ernährungsentscheidungen. Einige Beispiele:

Jemand, der mit Übergewicht kämpft und gerne abnehmen möchte, wird sehr energiereiche/kaloriendichte Nahrungsmittel eher meiden, insbesondere wenn diese auch noch wenig sättigend sind.

Jemand, der untergewichtig ist und gerne zunehmen möchte, macht es genau andersrum.

Jemand, der Eisenmangel hat, bemüht sich zu allen Mahlzeiten etwas Vitamin C-reiches (z. B. Obst) zu essen, um die Aufnahme von pflanzlich gebundenem Eisen zu verbessern.

Jemand mit Fruktoseunverträglichkeit vermeidet Obst während der Karenzphase einer Eliminationsdiät komplett, um seinen Fruktoseverzehr vorübergehend zu minimieren.

Man sieht: Was als gesund oder ungesund zu betrachten ist, ist allgemein nicht zu entscheiden. Dennoch profitiert jede dieser vier Personen von einer individuellen Einteilung von Lebensmitteln in diese Kategorien.

Wenn wir weiter über "gesunde Lebensmittel" diskutieren wollen, sollten wir diese zwei Ebenen klar trennen.
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Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 7. Jul 2019 08:34

Gut, jetzt bist du auf der individuellen Ebene.
Aber es gibt ja die Einteilung wie z. B. Greger sie mit seinen täglichen 12 vorgibt.
Finde ich hochproblematisch, wenn sich jemand ein Reizdarm anzüchtet, nur weil irgendein Experte eine Pyramide , Plate, Sonstwas rausgegeben hat.
Und wie vegane Gemeinde noch lauthals mitbrüllt, die Furzerei wird besser, wenn sich der Darm dran gewöhnt hat. Da wird oftmals nix besser, eher schlechter.
Schau dir doch wirklich mal die Bücher auf dem Markt an Wheat Belly, Dumm wie Brot, Böses Gemüse, How not to die, Starch Solution, Fork over Knives, Perfect Health Diet, Primal Blueprint....
Jeder wurstet Beobachtungsstudien um seine Theorien und meint zu wissen, was gesund ist.
Für mich sind das Gesundheitsterroristen.

Professor Gerd Antes vom Deutschen Cochrane-Zentrum, dass die Qualität wissenschaftlicher Studien beurteilt, sagt, dass die Ernährungswissenschaften in einer bemitleidenswerten Lage seien, weil Studien in diesem Bereich von vielen unbekannten oder kaum messbaren Einflüssen abhängig sind.
Für Walter Krämer, Professor für Statistik an der Universität Dortmund, sind die zahlreichen Ernährungserkenntnisse aus Beobachtungsstudien »mit großer Wahrscheinlichkeit nur Artefakte einer schlampig ausgewerteten Statistik«, die mittels schlagzeilenträchtiger Pressemeldungen unters Volk gebracht werden.
Für Krämer lassen die zahlreichen »Lebensmittel-Schutz-Spekulationen«, die aus den epidemiologischen Beobachtungsstudien resultieren, nur einen Schluss zu: »Viel Lärm um so gut wie nichts!«

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Beitrag von human vegetable » 7. Jul 2019 09:15

OK, jetzt sind wir auf einem Nenner.

Was diese Bücher falsch machen, ist, dass sie ein (wenn auch nicht streng wissenschaftsbasiertes) Patentrezept dafür anbieten, was "gesunde Ernährung" angeblich ausmacht.

Für viele Menschen mögen diese Ideen zwar grundsätzlich richtig sein (wenn man davon ausgeht, dass sich der Lebensstil der meisten Erstweltler nicht grundlegend unterscheidet, und ihre daraus resultierenden gesundheitlichen Probleme auch ähnlich sind). Es gibt aber doch hinreichend viele Menschen, für die die jeweiligen Ratschläge nicht hilfreich oder sogar kontraproduktiv sind - weil sie eben spezielle Probleme haben, die aus dem allgemeinen Rahmen fallen.

Wie findet man jetzt den richtigen "Guru"? Als Empiriker würde ich sagen, trial and error. Man probiert einfach Verschiedenes aus und schaut, was einen weiterbringt. Wenn man Glück hat, bekommt man hilfreiche Tipps von anderen Menschen, die ähnliche Probleme hatten wie man selbst, und diese erfolgreich bekämpfen konnten (learning by imitation, da kommt das Internet zu seinen Ehren). Das ist natürlich trotzdem ein zeitraubender und frustrierender Prozess, da man aller Wahrscheinlichkeit nach erstmal in einige Sackgassen rennt, mit ungewissem Ausgang.

Da kommst du rein mit "intuitivem Essen" und der Hoffnung, wenn man nur tief genug in sich selbst hereinhört, wird einem der eigene Körper schon direkt sagen, was man essen soll und was man besser lässt. Dann kann man sich das ganze Brimborium im letzten Abschnitt sparen, kommt gleich zum Ziel und fühlt sich sogar noch gut dabei, weil man auf nichts verzichten muss. Die eierlegende Wollmilchsau, sozusagen.

Zwar denke ich, dass Hören auf die Rückmeldungen des eigenen Körpers unerlässlich ist, um den Prozess des "trial and error" überhaupt ausführen zu können. Wenn man kein gutes Körpergefühl hat, lässt sich nämlich oft kaum feststellen, ob eine Veränderung einen jetzt weitergebracht hat oder nicht (schließlich geht es nicht immer bloß darum, ob die Zahl auf der Waage kleiner oder größer wird).

Aber die Idee, dass das Bauchgefühl einem von sich aus proaktiv mitteilt, welche Ernährungsentscheidungen man treffen solle, finde ich naiv bis gefährlich. Das mag einige Millionen Jahre lang ziemlich gut funktioniert haben, aber eben nur solange wie es keine Überernährung und Bewegungsmangel gab. Für unsere heutige Umwelt sind wir evolutionär nicht vorbereitet, und deswegen führen unsere Instinkte uns oft in die Irre. Wenn wir ihnen blind folgen (eben nicht in einem bewussten Prozess des Versuchs und Irrtums), dann werden wir mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit da ankommen, wo Millionen von chronischen Zivilisationskrankheiten geplagter Menschen schon heute sind.
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Beitrag von Sphinkter » 7. Jul 2019 10:49

human vegetable hat geschrieben:
7. Jul 2019 09:15

Aber die Idee, dass das Bauchgefühl einem von sich aus proaktiv mitteilt, welche Ernährungsentscheidungen man treffen solle, finde ich naiv bis gefährlich.
Interessant, für mich ist es aktuell die Lösung.
Habe mich jetzt Jahre gequält mit der idealen Ernährung. Hatte Ding auf dem Teller wie Brokkoli, nur weil sie als gesund gelten.
Kidneybohnen die mir den Magen eingedreht haben etc...Allein der Gedanke an Brokkoli :urgh:
Jetzt esse ich das von dem ich ein gutes Gefühl von meinem Organismus bekomme, Resultat: Blähungen weg, aufgegast sein weg, mehr Energie.
Und was esse ich? Eine Katastrophe, wenn man den Ernährungsnazis zuhört. Fastfood, Ben & Jerrys Peanutbutter Cookies, Pommes, Weissmehlnudeln, Weissmehl Laugenbrezel, Pfannenkuchen, Erdnüsse, Schokolade, Nougat, Marzipan, Chips. Alles hochverarbeite Lebensmittel, mein Darm scheint es zu lieben.

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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 7. Jul 2019 14:59

Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass es dir Dank dieser Umstellung kurzfristig besser geht, und die von dir genannten "gesunden" Lebensmittel tatsächlich die Auslöser für deine vorigen Beschwerden waren.

Nur denke ich dennoch, dass deine jetzige fastfood-Kost zumindest in der von dir geposteten Menge mittel- und langfristig ebenso zu Einschränkungen führen wird - Übergewicht und die Folgen.

Vielleicht finden sich ja Lebensmittel, die zwar deinen instinktiven Vorlieben minimal weniger entsprechen (weil sie nicht so süß, salzig, energiedicht etc. sind wie Süßkram oder fast food), aber dennoch deine Verdauung nicht reizen. Das wäre die Quadratur des Kreises, und der Instinkt allein wird diese nicht leisten!
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Beitrag von Vampy » 7. Jul 2019 18:00

Als gesund werden Lebensmittel bezeichnet, die ein ausgewogenes Verhältnis der notwendigen Nährstoffe mit sich bringen und Proteine, (komplexe) Kohlenhydrate und gesundes Fett enthalten.

Gesunde Ernährung führt dem Körper über möglichst natürliche Nahrung Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu und sorgt so dafür, dass er aus der täglichen Nahrung mit allem versorgt wird, was er benötigt.
https://definition-online.de/gesunde-ernaehrung/

zumindest sollten sie nicht - bei "üblichen" mengen, gesundheitlich nachteilig sein. und 1 tafel schokolade täglich ist das definitiv, wg zucker und fett, und kaum nährstoffe. darüber, dass zucker+minderwertige fette nicht gesund sind, brauchen wir doch hoffentlich nicht reden? und wenn man 1/3 seines tagsbedarfs mit leeren kalorien deckt, dann ist für die wichtigen nährstoffe halt nur noch weniger restlimit.
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