Darmprobleme und Maßnahmen

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vegabunt
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Beitrag von vegabunt » 24. Jan 2020 10:47

Interessantes Interview mit mir noch neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Darmgesundheit.
All die Hinweise zu den Tierversuchen und Ihre Analogien sind zwar nicht so mein Fall, aber die Infos nehme ich sehr gerne auf.
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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 24. Jan 2020 19:18

vegabunt, dein teaser macht mich neugierig.

Aber Frau Axt-Gadermann schien mir bisher eher eine begnadete Selbstvermarkterin als eine wirkliche Expertin. Habe mir viele ihrer Bücher bei der örtlichen Bibliothek ausgeliehen - schön gelayoutet, einige brauchbare Infos, aber auch viel Spekulatives und Werbung für eigene Nahrungsergänzungen. Da sträube ich mich noch, eine Stunde für diesen clip draufzuhauen.

Kannst du vielleicht etwas konkreter werden - was gibt's neues vom Darm und seinen Bewohnern?
"The greatest obstacle to discovery is not ignorance - it is the illusion of knowledge." - Daniel J. Boorstin

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vegabunt
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Beitrag von vegabunt » 24. Jan 2020 20:00

Ah, für dich vermutlich nichts Neues. :D

Mir war jedoch neu, dass Depressionen & Psychosen mit der Darmflora beginnen können, ich fand die Erklärungen über den Vagus-Nerv aufschlussreich, ebenso die Informationen über die Sättigungshormone, zB Peptid YY, was für mich besonders wichtig ist.
Auch das mit der Toxoplasmose und den Parasiten war mir neu. Die Empfehlung mit der hohen Keimzahl (über 20 Milliarden) bei Probiotika fand ich ebenfalls hilfreich.

Ihre eigenen Nahrungsergänzungsmittel sind mir nicht bekannt, ich wusste bis dato nicht, dass sie welche vertreibt, sie erwähnte nur am Rande, dass sie bei einer Entwicklung eines Präparats mitgearbeitet hat.
Und selbst auf ihrer Seite sind bei mir nur Links zu den Büchern und einem Darmtest ersichtlich. Also, aggressives Marketing sieht für mich dann schon anders aus. ;)
Aber der Vorwurf/ Annahme ist ja nicht ungewöhnlich und ab und an auch berechtigt, dass wenn jemand Bücher schreibt, dass er damit nur Gewinn erzielen will.


Was mir gefallen hat aber nicht neu war, war u.a. der Hinweis auf die sehr nützlichen Eingenschaften von rohem Sauerkraut, Traubensaft, Lauchgewächsen, usw. Werde das vermehrt wieder in meinen Speiseplan einbauen.
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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 24. Jan 2020 23:09

Danke für die näheren Erläuterungen, vegabunt!

Soweit ich weiß, vertreibt sie kombinierte Prä- und Probiotika unter dem Label "Madena Darmkur".
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illith
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Beitrag von illith » 25. Jan 2020 00:49

vegabunt hat geschrieben:
24. Jan 2020 20:00
Was mir gefallen hat aber nicht neu war, war u.a. der Hinweis auf die sehr nützlichen Eingenschaften von rohem Sauerkraut, Traubensaft, Lauchgewächsen, usw.
bezieht sich das "roh" nur auf das Sauerkraut oder alle nachfolgenden Lebensmittel?^^
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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 25. Jan 2020 06:05

Frau Axt-Gadermanns Meinung dazu kenne ich zwar (noch) nicht, aber hier sind meine $ 0.02:

Rohes Sauerkraut enthält noch aktive Milchsäurebakterien, pasteurisiertes/gekochtes tut das nicht. Zwar hatten in Studien auch abgetötete probiotische Keime manchmal noch Wirkungen (paradoxerweise sogar stärkere als die ihrer lebenden Kumpels), aber dennoch lautet die oft gehörte Standardempfehlung, probiotische Lebensmittel unerhitzt zu essen.

Mit den anderen beiden Produkten sieht es etwas anders aus: Die enthalten keine Pro- sondern nur Präbiotika, d. h. Ballaststoffe. Dennoch könnte es einen Unterschied machen, ob präbiotische Produkte roh oder erhitzt verzehrt werden, denn durch die Erhitzung wird die Zellstruktur besser aufgeschlossen, so dass mehr Nährstoffe im Dünndarm resorbiert werden, und weniger im Dickdarm als Bakterienfutter ankommen. Das ist zumindest Gregers These in "How not to diet".

So oder so würde ich Fruchtsaft jetzt aber nicht als Präbiotikum guzzeln, dafür ist er zu zuckerreich. Dann lieber Obst (mit noch enthaltenen Ballaststoffen - Entsaftung extrahiert diese größtenteils) und Gemüse. Und da sind eigentlich alle Sorten gut. Wenn du Rohkost verträgst, gerne zumindest anteilig roh, sonst halt gekocht.
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Beitrag von vegabunt » 25. Jan 2020 06:20

illith hat geschrieben:
25. Jan 2020 00:49
bezieht sich das "roh" nur auf das Sauerkraut oder alle nachfolgenden Lebensmittel?^^
Traubensaft unbedingt nur roh schlabbern, alles andere ginge Richtung Glühwein und es müsste nebst den Gewürzen dem Traubensaft mühsamerweise noch ne Portion Vodka hinzugefügt werden, um es gaumengerecht einnehmen zu können. :mg:

Beim kalten Lauch wäre ich indes vorsichtig, nicht jeder kann mit Läuchen. :D


@human vegetable
Ah, danke.

Sauerkraut mag ich prinzipiell roh, anders macht es auch kaum Sinn. Mein Traubensaft ist zwar pasteurisiert aber ungesüsst.

Vorerst sehe ich von Kuren u.d. ab, ich konzentriere mich lieber auf die pro- & präbiotische Nahrungsmittel. So vieles hat sich bei mir im letzten Jahr schon zum Guten gewendet, alleine nur durch die bewusstere Ernährung und das Weglassen aller tierischen Milchprodukte.

Einzig wenn dann die nächste Zahn-OP ansteht und wieder Antibiotika empfohlen werden, dann sähe ich einen dringend Grund für eine aufbauende Darmkur. Allerdings frage ich mich schon jetzt, ob ich die Antibiotika überhaupt vorbeugend nehmen soll... :?:
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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 25. Jan 2020 11:53

Denke auch, dass die rechte Wahnvorstellung vom "Bevölkerungsaustausch" im Bezug auf das Darmmikrobiom plötzlich Sinn macht - aber eben nicht als Schreckgespenst, sondern als Zielvorstellung.

Wenn man es als Normalo-Esser schafft, hochverarbeitete Fertigprodukte größtenteils gegen vollwertige Lebensmittel auszutauschen, dann hat man schon fast gewonnen. Über wenige Wochen übernimmt dann eine andere crew das Kommando im Bauch, und die Wahrscheinlichkeit steigt sehr, dass es mit Gesundheit und Gewicht allgemein bergauf - bzw. im letzteren Fall bergab - geht. Von einer zusätzlichen "Darmkur" mit konzentrierten Prä- und Probiotika würde ich mir dagegen nicht allzuviel erhoffen*.

Das mag etwas verkürzt sein, und vielleicht ist aufgrund persönlicher Unverträglichkeiten etwas "trial and error" angesagt, aber ich denke, dass Essensqualität die reine Quantität um Längen schlägt, vor allem um nachhaltige Erfolge zu erzielen.

*: Dazu schreibt auch Herr Greger was in HNTD - nämlich, dass die Ballaststoffe in vollwertigen Lebensmitteln ansonsten gut verdauliche Nährstoffe quasi "einkapseln", für den Dünndarm unverdaulich machen, und dadurch den Dickdarmbewohnern zur Fermentation zuführen. Isolierte zugesetzte Ballaststoffe können das seiner Meinung nach nicht im gleichen Maße. Hört sich logisch an...
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Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 25. Jan 2020 13:01

Mein Senf, alles viel Kaffeesatz Leserei. Ob Ballaststoffe vor Darmkrebs schützen ist höchst zweifelhaft, wie eine Metaanalyse der Cochrane Datenbank aufzeigt.

Yao Y, Suo T, Andersson R, Cao Y, Wang C, Lu J, Chui E. Dietary fibre for the prevention of recurrent colorectal adenomas and carcinomas. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Jan 8;1:CD003430.

"AUTHORS' CONCLUSIONS:
There is a lack of evidence from existing RCTs to suggest that increased dietary fibre intake will reduce the recurrence of adenomatous polyps in those with a history of adenomatous polyps within a two to eight year period. However, these results may be unreliable and should be interpreted cautiously, not only because of the high rate of loss to follow-up, but also because adenomatous polyp is a surrogate outcome for the unobserved true endpoint CRC. Longer-term trials with higher dietary fibre levels are needed to enable confident conclusion."

Jeder plappert dem anderen die Geschichten nach. Aber die Datenlage ist höchst zweifelhaft. Gerade unlösliche Ballaststoffe können zu Verstopfung führen.

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