Vegan und Magersucht?

Ernährung, Lebenswandel, Supplemente
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Sam
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Beitrag von Sam » 16. Nov 2019 15:11

@Lee: lieber sterbe ich als mehrere Tiere...

@Vampy: Ich habe in ner veganen fb-Gruppe gestern ein paar Tipps für Kliniken bekommen die anscheinend vegan anbieten und Essstörungen behandeln. Habe die mal alle angeschrieben und bin gespannt was die antworten... :)
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illith
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Beitrag von illith » 16. Nov 2019 15:11

ich bin da ganz bei Vampy. (und das will was heißen)

es klingt für mich jetzt auch nicht, dass es bei Sam akut um Leben und Tod geht.

was ist eigentlich mit muslimischen oder jüdischen PatientInnen? müssen die auch alles essen?

ich persönlich(!) würde es btw auch nicht machen, wenn meine Anxiety Disorder durch ein Hühnerei die Woche geheilt werden könnte. (Medis sind nochmal was anderes)
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Lee
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Beitrag von Lee » 16. Nov 2019 15:16

Bei Magersucht geht es um Leben und Tod, da widerspreche ich.
Natürlich wär's besser, wenn's ne Klinik gäbe die darauf Rücksicht nehmen kann, dass sie vegan lebt.
Wenn's das aber nicht gibt, ist es keine Alternative auf Therapie zu verzichten.
War vielleicht generell daneben von mir nen persönlichen Vergleich zu machen.
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Sabotagehase
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Beitrag von Sabotagehase » 16. Nov 2019 15:53

Iwie bin ich ein bisschen schockiert... ich kann alle Gründe verstehen warum man sich da nicht übermäßig mit Essen auseinandersetzen muss...
Hab das gestern mit meinem Freund diskutiert und der kam auch mit der Frage kosher/halal usw. oder allergien? Ich meine man kann doch jemandem mit ner harten Laktoseintolleranz nicht iwas reinzwingen von der die Person harte Verdauungsprobleme bekommt (oder nicht?)
Ich weiß aus verschiednen Erfahrungsberichten von Menschen aus Psychologischen (auch geschlossenen) Einrichtungen, dass auf ihre Bedürfnisse dahingehend absolut keine Rücksicht genommen wurde. Und dass genau das für sie eine sehr große psychische wie auch körperliche Belastung wurde.
Zumindest haben sie einer depressiven Bekannten auch die Wahl gelassen, beim Filzen (wolle) nicht mitmachen zu müssen.... also ist auch sehr variabel.

Was ich nicht daran verstehe: warum kann man denn keine Optionen anbieten, die einfach exakt die gleiche Kalorienzahl/dichte haben? Wenn mir jeden Tag jemand eine vollwertige Vegane Mahlzeit auf den Tisch stellen würde würde ich mich vermutlich sehr wenig mit Essen auseinandersetzen. Solange ich meinen Veganismus ethisch begründe liegt doch die auseinandersetzung mit Essen ansich nur darin, es anders zu machen als der Durchschnitt, was eben schwierig ist, weil man immer darauf achten muss. Wenn die Welt vegan wäre würde ich vermutlich in den Supermarkt gehen und einkaufen worauf ich gerade Bock hätte, und das wäre vermutlich auch keine Diätkost. Denke genauso geht es Menschen, die sich Kosher oder Halal ernähren...
Ich weiß nicht ob ich das komplett falsch verstehe aber ich bezweifle dass man eine gesunde beziehung zum Essen bekommt wenn man mit soch moralisch so dermaßen im unreinen ist wie Sam es wäre

Aber das mit der fb-Gruppe klingt doch schonmal ganz gut, ich hoffe für dich dass das was wird :-)

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Vampy
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Beitrag von Vampy » 16. Nov 2019 16:55

magersucht KANN tödlich sein, muss es aber nicht. wir wissen nicht, wie es um sam steht. von daher sollte man da jetzt nicht unnötig panikmache betreiben und zu irgendwas drängen.
ne blasenentzündung kann auch tödlich sein, alkohol kann tödlich sein, b12-mangel kann tödlich sein, sogar ne einfache erkältung. deswegen sagt man doch nicht jedem der rumhustet, er soll sofort in die notaufnahme und muss da 2 wochen auf der intensivstation bei strikter bettruhe ausharren.

ein guter text zu dem thema: https://tageswoche.ch/form/interview/an ... samkeiten/
«Mit veganer Ernährung ist es schwieriger, aus der Magersucht heraus ein normales Gewicht zu erreichen.»

Wenn jetzt eine Ihrer Patientinnen sagt: «Ich will mich vegan ernähren» – kein Problem?

Sie macht es sich einfach schwerer, mit veganer Ernährung zuzunehmen. Und Anorektikerinnen haben es dabei sowieso schon schwer.

Und es stellt sich die Frage: Will sich jemand wirklich gesund ernähren oder bloss sein Hungern verschleiern?

Das muss man in der Therapie herausarbeiten, inwiefern diese Krankheitskräfte noch mitspielen.
und hier ein toller bericht von einer veganerin, die es geschafft hat: https://www.vegan-athletes.com/von-der- ... rnaehrung/
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illith
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Beitrag von illith » 16. Nov 2019 19:02

ich bin ja (laienhaft) immer eeetwas skeptisch, wenn eine Frau auf SocialMedia den Triumph über ihre Magersucht oder Bulimie zelebriert - aber immer noch einen echt niedrigen KFA hat, nur jetzt mit einem Haufen Muskeln drunter...
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Vampy
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Beitrag von Vampy » 16. Nov 2019 19:37

ich dagegen bin eher skeptisch wenn ich einen "erfolgsbericht" sehe und dann n bild von ner pummeligen mutti sehe, die schildert wie glücklich sie ist, nur für die familie dazusein.
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Lee
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Beitrag von Lee » 16. Nov 2019 19:43

da geb ich dir recht, wenn man nicht schlank ist, ist es auch quasi technisch unmöglich glücklich und zufrieden zu sein.
Muh!

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Beitrag von Vampy » 16. Nov 2019 19:55

nein, das meinte ich nicht. sondern dass man in einer therapie lernen sollte, ein gesundes verhälftnis zu seinem körper zu kriegen, und nicht dass der körper einem egal sein kann. idealerweise also ein sportliches aktives leben mit ausgewogener ernährung.
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Gruftmoggele
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Beitrag von Gruftmoggele » 17. Nov 2019 09:17

Nicht immer ist der super sportliche Weg der Richtige. Ebenso ist es nicht für jeden das Richtige, sich Hals über Kopf in ne abgeschwächte Form des Binge Eating und Mama sein zu stürzen.

Jeder Mensch ist anders und als Betroffene von einer Essstörung gilt es rauszufinden, was für ein Mensch man ist und was man sich für sein Leben vorstellen kann.
Und manchmal muss man auch einen Kompromiss aus gesundem Leben und der Essstörung machen. So wars zumindest bei mir. Ich bin auch heute noch nicht ganz normal im Kopf und es fällt mir schwer, die Kontrolle immer komplett aufzugeben.

Thema Selbstakzeptanz, Selbst- und Nächstenliebe, Ehrlichkeit und Vertrauen ins Leben (wieder-) finden waren bei mir so die Themen.

Aber das kann wieder bei jemand anderes total anders sein. Mir hat auch der Kanal Mut im Bauch und die Selbsthilfegruppe geholfen.
Es gibt auch recht gute Bücher, die man begleitend nebenbei lesen kann. Es gibt wirklich viel Infomaterial und Lebensgeschichten, die man sich durchlesen kann, sobald man nicht mehr akut in einer krassen Essstörungsphase oder Depressionsphase drinsteckt.
Find z.B. die Genesungsgeschichte von Marya Hornbacher echt beeindruckend. Die ist jetzt Schriftstellerin. Und das Buch Alice im Hungerland ist echt krass.

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