mögliche Gesundheitsrisiken? Omega 3/ Aminosäuren etc.

Ernährung, Lebenswandel, Supplemente
Daudafaerd
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mögliche Gesundheitsrisiken? Omega 3/ Aminosäuren etc.

Beitrag von Daudafaerd » 1. Dez 2012 12:03

Hallo zusammen,
ich bin seit zwei Tagen in eine heftige Diskussion über Sinn und Unsinn von Veganer Ernährung und Paleoernährung verwickelt.

http://www.triathlon-szene.de/forum/sho ... 1&page=116

Das ganze geht auf S.116 los, mich interessieren weniger die moralischen Standpunkte, die hier diskutiert werden, da diese für mich eindeutig sind. Interessant allerdings finde ich die gesundheitlichen.
Ich bin bis dato immer davon ausgegangen, mich bei einer abwechslungsreichen veganen Ernährung, mit B12 Supplementierung, absolut gesund ernähren kann.

Ich zitiere jetzt mal einen Beitrag, der mich allerdings dann doch stutzig macht.
Zitat:
Zitat von Daudafaerd
Gute Quellen für Omega-3 Fettsäuren stellen Leinsamen, Walnüsse und Sojaprodukte dar, ich habe bisher noch von keinem langjährigen Veganer, der bewusst mit seiner Ernährung umgeht von einem Omega-3 Mangel gehört, anders als bei omnivorer Ernährung.
Natürlich hörst Du da nichts, weil man einen struktuerellen manifesten Omega-3-Mangel auch kaum vernünftig messen kann, weil er zB die Zellwände im neuralen Bereich (Nerven, Gehirn) betrifft, wo Omega-3-Fette als Baustoff in den Zellmembranen verwendet werden. Außerdem blenden die Chefideologen des Vegetarierlagers halt auch sehr gerne die wissenschaftliche Faktenlage aus, wenn sie nicht ins Weltbild passt.... .

Wie sieht die aus?

Alpha-Linolensäure (die pflanzliche Omega-3-Fettsäure) wird nur zu maximal 5% in EPA und zu nur maximal 1% in DHA in der Leber umgewandelt.

Sojaprodukte haben deutlich mehr entzündungsfördernde Omega-6-Fette als entzündungshemmende Omega-3-Fette (Sojaöl zb hat eine Rate von 7:1). Die enthaltene Alpha-Linolensäure wird aber nur marginal in die vom menschlichen Körper nutzbaren EPA/DHA umgebaut, so dass die effektive Quote dadurch dramatisch schlechter wird.

Der Stand der Wissenschaft geht davon aus, dass eine maximale Quote von n6:n3 von 4:1 anzustreben ist, um Low-Level-Entzündungsgeschehen über einen entgleisten Eicosanoidhaushalt zu verhindern. Eine vegetarische Ernährung, die reich an Getreiden, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen, Sojaprodukten und Pflanzenölen (zB Raps-, Sonnenblumen-, Distelöl ist), treibt die Quote mangels tierischer Quellen für EPA/DHA je nach Konsumgewichtung solcher Lebensmittel in schwindelerregende Höhen.

Zusammenwirkend mit dem typischen Mangel an D- und B6 und B12-Vitaminen bei Vegetariern, führt dies zu hohen Homocysteinwerten, die wiederum Die Wahrscheinlichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und die Knochenmineralierung verschlechtern.

Zitat:
Conclusion: Vegetarian subjects presented significantly higher tHcy levels, higher prevalence of hyperhomocysteinemia, and lower serum vitamin B12 levels than controls
Auch Alzheimer, Depressionen, Parkinson, Schlaganfall werden mit hohen Homocysteinwerten und Low-Level-Entzündungen in Verbindung gebracht.

Die Regionen Indiens, in denen sich die Menschen vegetarisch ernähren weisen zB die höchsten Raten an Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit auf. Welcher Vegetarierpapst geht darauf zb offen ein?

Eine österreichische Studie aus dem Jahr 2008 kommt bezüglich n6/n3-Ratio zu folgendem Fazit:

Zitat:
The vegetarian diet, with an average n-6/n-3 ratio of 10/1, promotes biochemical n-3 tissue decline. To ensure physical, mental and neurological health vegetarians have to reduce the n-6/n-3 ratio with an additional intake of direct sources of EPA and DHA, regardless of age and gender.
Eine britische Studie von 2005 meint dazu:

Zitat:
The proportions of plasma long-chain n-3 fatty acids were not significantly affected by the duration of adherence to a vegetarian or vegan diet. This finding suggests that when animal foods are wholly excluded from the diet, the endogenous production of EPA and DHA results in low but stable plasma concentrations of these fatty acids.
Dieser Review zum Thema untermauert meinen Standpunkt zur Notwendigkeit der n3-Supplementation aus tierischen Quellen für Vegetarier.

Dieser Review beschreibt die evolutionsbiologisch abgeleitete Notwendigkeit ausgeglichener n6/n3-Ratios in Richtung Senkung von n6 und Erhöhung von n3 (was durch Vegetarismus zur Illusion wird, wie die anderen Studien gezeigt haben:

Zitat:
A balanced n-6/n-3 ratio in the diet is essential for normal growth and development and should lead to decreases in cardiovascular disease and other chronic diseases and improve mental health.
Unterm Strich: Es führt kein Weg an einer Supplementierung mit den tierischen Omega-3-Fettsäuren EPA/DHA vorbei, wenn man sich im Rahmen einer vegetarischen Ernährung nicht erhöhten Gesundheitsrisiken aussetzen will. Für einen Veganer kommt so etwas aus ideologischen Gründen nicht in Frage. Alleine dieser kleine Ausschnitt (Fettsäuren, B-Vitamine) auf den Mismatch von evolutorisch bedingten Notwendigkeiten und der Ideologie des Vegetarismus muss jedem halbwegs vernunftbegabten Menschen aufzeigen, was für ein Unsinn die Vorstellung darstellt, dass Vegetarismus eine artgerechte Ernährung des Menschen sein soll.

Die WHO definiert den Begriff "Gesundheit" wie folgt:

Zitat:
Gesundheit des Menschen ist laut Weltgesundheitsorganisation „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“
Eine vegetatarische, insbesondere vegane Ernährung kann dem ohne Kunstgriffe nicht gerecht werden, die dem menschen in einem natürlichen Umfeld ("draussen in der Wildniss") nicht zur Verfügung stünden. Insofern sie auch keine natürliche und artgerechte Ernährung sein kann. Wie denn auch, wenn der Mensch über 99,5% seiner Evolutionsgeschichte als Jäger und Sammler an den Konsum von tierischen Nahrungsgrundlagen adaptiert ist, nicht jedoch im gleichen Maße an eine langfristig ausgelegte Ernährung aus ausschließlich pflanzlichen Quellen? Wie kann aber dann ein Leben nach den natürlich evolvierten Grundzusammenhängen sowie der erhobene Anspruch auf eine omnivore Ernährung ein moralisch-ethisch verwerfliches Leben sein?

Zitat:
“Nothing in Biology makes sense, except in the light of evolution.”
Theodosius Dobzhanky

Gruß Robert

P.S. Auch was Deine Meinung zum angeblich nicht zu erwartenden Mangel an bestimmten Aminosäuren angeht, bist Du leider faktisch auf dem Holzweg. Aber da geh ich aus Zeitgründen nicht detailiert drauf ein - kann man locker bei PubMed recherchieren.
Den Beitrag findet ihr auf Seite 122.

Ich kann dem nichts entgegenhalten, dafür fehlen mir schlicht Kenntnisse, aber ich muss gestehen, dass ich ins Zweifeln komme was mein aktuelles Gesundheitsbild anbelangt.
Wer lust und Zeit hat, kann sich ja das ganze ab S. 116 mal durchlesen und zu den gesundheitlichen Aspekten Stellung beziehen.

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Re: mögliche Gesundheitsrisiken? Omega 3/ Aminosäuren etc.

Beitrag von Nullpositiv » 1. Dez 2012 13:09

tl;dr

Omega 3 ist ein Problem, dem kann alerdings mit der richtigen Auswahl an Pflanzlichen Fetten begegnet werden.

Aber Pubmed sagt z.B.:
Substantial differences in intakes and in sources of n-3 PUFAs existed between the dietary-habit groups, but the differences in status were smaller than expected, possibly because the product-precursor ratio [corrected] was greater in non-fish-eaters than in fish-eaters, potentially indicating increased estimated conversion of ALA. If intervention studies were to confirm these findings, it could have implications for fish requirements.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20861171

Bei Pubmed find sich ausserdem Tierstudien und eine reiher weitere Paper zu dem Paper. Einfach Omega 3 vegan eingeben. Kurz zusammengefasst ist der Körper wohl durchaus in der Lage aus Vorläufermolekülen benötigte Fettsäuren herzustellen.

Wenn ich mal etwas mehr Zeit fass ich da mal noch was zusammen.
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Re: mögliche Gesundheitsrisiken? Omega 3/ Aminosäuren etc.

Beitrag von vegansmarties » 1. Dez 2012 17:03

Das wäre super. Gut zu sehen, dass dich der neue Usertitel anspornt :mg:

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Beitrag von illith » 2. Dez 2012 03:54

:mg: :up:

aber tät mich auch interessieren. hatte auch schonmal deswegen nen thread gestartet: http://vegan-forum.de/viewtopic.php?f=10&t=2150
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Beitrag von Daudafaerd » 3. Dez 2012 18:39

interessanter Artikel zum Thema:

http://www.veganhealth.org/articles/omega3

Das Thema scheint nicht so einfach zu sein und ich finde es schade, dass auf veganen Seiten bzw. von veganen Verbänden nicht öfter auf das bestehende Gesundheitsrisiko hingewiesen wird. Dadurch machen sich diese und doch selbst unglaubwürdig. Ist aber klar, da es ja potentielle Veganer abschreckt.

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mögliche Gesundheitsrisiken? Omega 3/ Aminosäuren etc.

Beitrag von umamilicious » 30. Dez 2012 22:59

Hallo,

ich hatte jetzt auch noch nicht die Zeit, alles im Detail zu lesen, aber nur "kurz" ein Zitat aus dem Buch "Vegetarische Ernährung" von Leitzmann und Keller dazu (das wurde auch auf der VegMed heiß diskutiert und die unten stehenden Aussagen stimmten auch mit dem Tenor auf dem VegMed Kongress überein):

"Unklar ist bisher, ob diese niedrigen Plasmaspiegel [von EPA/DHA] bei Vegetariern eine gesundheitliche Bedeutung haben, etwa hinsichtlich des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen. Im Vergleich zu Mischköstlern haben Vegetarier insgesamt ein günstigeres Risikoprofil und somit auch eine geringere Prävalenz sowie niedrigere Sterblichkeitsraten in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ADA 2009). Ob Vegetarier aufgrund des niedrigeren Status an langkettigen Omega-3-Fettsäuren häufiger von neurologischen und entzündlichen Erkrankungen betroffen sind als Mischköstler, wurde bislang nicht untersucht.
Dennoch kann es sinnvoll sein, dass Vegetarier ihre Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren optimieren.[...] Dazu sollte die Zufuhr von alpha-Linolsäuren, bei gleichzeitiger Verringerung der Linolsäureaufnahme, auf etwa 1-2 % der Nahrungsenergie bzw. 2-4g/d gesteigert werden (Davis und Kris-Etherton 2003).
Diese Menge ist beispielsweise in einem halben Teelöffel Leinöl oder 30 g Walnüssen enthalten.
Die alpha-Linolensäure entfaltet zum einen selbst kardioprotektive Wirkungen (Hu et al. 1999a) und dient zum anderen als Ausgangsubstanz für die Umwandlung zu EPA und DHA. Dieser Prozess kann durch eine mäßige Verwendung von Linolsäure-reichen Lebensmitteln sowie ein weitgehendes Meiden von trans-Fettsäuren gesteigert werden."


sowie

"Abschließend soll angemerkt werden, dass die Bedeutung und damit die Empfehlung für die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren wechselvolle Zeiten durchlaufen haben. Die Situation hat sich durch die Erkenntnis entspannt, dass pflanzliche Lebensmittel Vorstufen dieser Öle enthalten, die der Körper nicht vollständig, aber möglicherweise in ausreichendem Maße in die gewünschten Endprodukte umwandeln kann. Die wichtigsten Quellen sind Leinsamen und Walnüsse bzw. deren Öle [...].
Vegetarier und Veganer müssen deshalb keine Fischöle als Nahrungsergänzungsmittel verwenden, solange die genannten pflanzlichen Quellen in ausreichender Menge verzehrt werden.
Bei mehrfach ungesättigten Fettsäuren muss vor einem übermäßigen Konsum, beispielsweise durch Supplementierung, ausdrücklich gewarnt werden, da sie leicht oxidierbar sind und die entstehenden Produkte die Zellen schädigen können."


Von daher würde ich da ganz entspannt sein. 3-4 Walnüsse essen, ein paar geschrotete Leinsamen im Müsli, paar Tropfen Leinöl über den Salat und gut ist.
Du kannst dich mit einer abwechslungsreichen veganen Ernährung (+B12 und VitD) gesund ernähren.
Und generell: mich nervt diese Argumentationslinie der artgerechten/natürlichen Ernährung. Um noch mal Leitzmann frei zu zitieren: Vegetarismus (in welcher Form auch immer) ist kein Phänomenen der Natur, sondern der Kultur. Wir entscheiden mit unserem Wissen und Gewissen.
Wir wissen so viel über eine gesunde und bedarfsgerechte Ernährung heutzutage, wer braucht da schon auf die Sammler/Jäger-Diät zurückgreifen. Das ist albern!



Gruß

umamilicious

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Beitrag von illith » 31. Dez 2012 01:13

sehr interessanter text, danke :up:

wie stehts mit hanfsamen, waren die in der hinsicht nicht auch günstig?
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Lorie
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Beitrag von Lorie » 31. Dez 2012 08:39

*rum-kram-such*

Hanfprotein ähnelt Menschenprotein

Fast 60 Prozent der Hanfproteine bestehen aus einem Eiweiß namens Edestin, welches noch leichter verdaulich ist als Sojaprotein. Der Großteil der restlichen 40 Prozent liegt in Form von Albumin vor. Albumin und Edestin haben eine den menschlichen Proteinen sehr ähnliche Molekularstruktur.

Aus diesem Grunde wird das Hanfprotein sehr schnell aufgenommen und kann beispielsweise leicht in die Immunglobuline unseres Immunsystems verwandelt werden, die bei der Infektionsabwehr eine große Rolle spielen.

Hanf schenkt Omega-3-Fettsäuren

Die meisten Menschen leiden bekanntlich an einem ungünstigen Fettsäure-Verhältnis. Der reichhaltige Fleisch- und Milchkonsum (von Tieren, die mit Getreide statt mit Heu, Gras und Kräutern gefüttert werden), aber auch der unkritische Verzehr von industriell hergestellten pflanzlichen Ölen führt dazu, dass die meisten Menschen sehr viele Omega-6-Fettsäuren und nur wenige Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt ein Verhältnis von 4:1 zwischen den Omega-6- und den Omega-3-Fettsäuren. Die normale westliche Ernährungsweise aber sorgt für ein Verhältnis zwischen 20:1 und 50:1.

Hanf bietet ein optimales Fettsäure-Verhältnis

Ein solch ungünstiges Verhältnis dieser beiden Fettsäuren verursacht, begünstigt und verstärkt entzündliche Prozesse aller Art. Chronische Entzündungen beschleunigen im besten Falle lediglich das Altern, führen meistens jedoch zu den verschiedensten Beschwerden wie z. B. Gelenkentzündungen, Herz-Kreislaufproblemen, chronischen Nervenleiden und vielem mehr.

Hanf enthält als einzige Pflanze das optimale Omega-Fettsäuren-Verhältnis von 3,75:1 (Omega-6 zu Omega-3) und ist daher ein hervorragender Bestandteil einer entzündungshemmenden Ernährungsweise.

http://donotlink.com/http://zentrum-der-gesundheit.de/ha ... z2Gc3od4Dq


....da fällt mir ein, ich hab hier noch ein hanf-protein-pulver rumstehen 8-)

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umamilicious
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Beitrag von umamilicious » 31. Dez 2012 11:05

Hier ist nochmal eine Tabelle zu dem Gehalt sowie Verhältnis zu Linolsäure (omega-6-FS) aus oben erwähnten Buch. Auch mit Hanföl...

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Beitrag von Vampy » 31. Dez 2012 16:01

Für die einen die Signatur - für die anderen der sinnloseste Satz der Welt.

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