Änderung der Landwirtschaft aufgrund Klimawandel???

Diskussionen pro & contra
mervon
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Beitrag von mervon » 18. Aug 2018 07:41

Wie schon gesagt,kann man auch Kompost aus Bioabfällen die von ausserhalb der Anbaufläche stammen,einbringen.
Und wenn die Tierhaltung aufgegeben würde,stünden ja viel mehr Flächen für veganen Anbau einschließlich Gründüngungsanbau zur Verfügung.Wobei klar ist,dass sich nicht alle Weideflächen zum Anbau eignen.
Fest steht dass die heutige
auf Viehzucht beruhende Landwirtschaft auf einem Raubbau an der Natur beruht.Dieser kann nicht immer weitergehn,wie man schon jetzt bei der Dörre erkennt.
Also kann auch damit die Menschheit nicht dauerhaft ernährt werden.

Ixodes ricinus
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Beitrag von Ixodes ricinus » 18. Aug 2018 13:05

mervon hat geschrieben:Wie schon gesagt,kann man auch Kompost aus Bioabfällen die von ausserhalb der Anbaufläche stammen,einbringen.
Welche Bioabfälle sollen das sein?

- aus deiner Küche? Reicht nicht für einen landwirtschaftlichen Betrieb. Aus den Küchen einer Stadt? Wie sammelst du den? Stinkende Extra-Mülltonnen, die Fliegenschwärme, Mäuse und Ratten anlocken? Bis der dann beim landwirtschaftlichen Betrieb ankommt, ist er so verschimmelt, ob er sich noch gebrauchen lässt?

- aus deiner Toilette? Menschlicher Kot ist als Dünger verboten, da auf dem Misthaufen nicht unbedingt die notwendige Hitze herrscht, um alle Krankheitskeime abzutöten. Führt dann die Kanalisation in einen großen Topf, in dem Urin, Kot und Spülwasser abgekocht werden, bevor sie zum Bauernhof kommen?

mervon hat geschrieben:Und wenn die Tierhaltung aufgegeben würde,stünden ja viel mehr Flächen für veganen Anbau einschließlich Gründüngungsanbau zur Verfügung.Wobei klar ist,dass sich nicht alle Weideflächen zum Anbau eignen.
Die Hälfte der deutschen Gesamtfläche wird landwirtschaftlich genutzt, die Hälfte hiervon wiederum (angeblich) für die Tierhaltung. Also steht nur dieses Viertel für veganen Dünger zur Verfügung.
Wenn es jetzt keine Tierhaltung mehr gibt, müssen die Kalorien und Nährstoffe aus der Tierhaltung ersetzt werden, es müssen also mehr Flächen für die menschliche Ernährung genutzt, mehr Nutzpflanzen angebaut werden? Wie viel Platz bleibt dann noch für Düngerpflanzen?
Und wenn (wie in meinen Beispielen genannt) wirklich das 10- bis 20-fache der Nutzpflanzenfläche als Düngerpflanzenfläche benötigt wird, woher soll diese Fläche kommen? Entvölkern wir mal eben halb Europa um dieses Land als Anbaufläche für deutschen Dünger zu nutzen?

mervon hat geschrieben:Fest steht dass die heutige auf Viehzucht beruhende Landwirtschaft auf einem Raubbau an der Natur beruht.Dieser kann nicht immer weitergehn,wie man schon jetzt bei der Dörre erkennt.
Diese extremen Wetterlagen bewegen sich in etwa in einem 7-Jahres-Rahmen, seht euch die Nachrichten von den Hitzewellen 2003/2004 und 2011 an, diese hier ist ja legendär https://www.youtube.com/watch?v=KzEOvyDcVas .

Zumindest für unsere Breite scheint mir momentan eher das Problem zu sein, dass wir keine wirklich kalten Winter mehr bekommen und deswegen viele Insekten diese warmen Winter überleben und in großer Menge im nächsten Jahr auf die Ernte losgehen können.
Wie wollen wir dieser Gefahr mit bio-veganer Landwirtschaft ohne Insektizide begegnen?


:kk:

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RoadOfBones
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Beitrag von RoadOfBones » 18. Aug 2018 21:38

Selten so viel Satire auf einem Haufen gelesen...
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Ixodes ricinus
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Beitrag von Ixodes ricinus » 19. Aug 2018 13:39

Und wir wollen auch alle Argumente bedenken, die RoB hier (nicht) eingebracht hat.

mervon
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Beitrag von mervon » 19. Aug 2018 14:39

Sicher freuen sich jetzt alle Rinderhalter darüber dass endlich mal wieder ein normaler Sommer gekommen ist...hier in NRW sind Viehweiden und Maisfelder auch weiterhin rappeltrocken.
Und auch weltweit nimmt das
“schöne Wetter“ bekanntlich immer mehr zu.In Afrika verdursten dann gleich ganze Viehherden.
Trotzdem nehmen Viehaltung und Fleischkonsum zumindest weltweit zu.
Darum ist die Diskussion hier über rein vegane Landwirtschaft nur throretisch.Es ist aber wichtig festzustellen dass diese im Ptinzip möglich ist.
Man könnte Bioabfälle aller Art so aufarbeiten dass sie als veganer Dünger brauchbar sind.
Ob es im veganen Anbau vertretbar ist tierischen Dünger einzusetzen,wenn dieser im Überangebot vorhanden ist,darüber lässt sich streiten.

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Vampy
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Beitrag von Vampy » 19. Aug 2018 19:57

wie kann man denn bioabälle aufarbeiten, sodass sie zu dünger werden? und welche bioabfälle meinst du?
Für die einen die Signatur - für die anderen der sinnloseste Satz der Welt.

mervon
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Beitrag von mervon » 20. Aug 2018 05:16

Wie schon gesagt verwenden Biogärtner den Kompost aus Haushaltsabfällen.
Ixodes sagt dieser würde für große Felder natürlich nicht ausreichen.
Aber es gibt imo noch riesige Reserven.
1.was geschieht mit den Inhalten der Biotonnen von Leuten die nicht selbst kompostieren?
Alles könnte nach Reinigung
als Kompost verwertet werden.
2.Grünschnitt an Straßenrändern.Dieser wird meistens liegen gelassen was schädlich ist für die Artenvielfalt.
Man sollte alles auffangen und kompostieren.
3.Selbst Klärschlamm aus der Kanalisation könnte gereinigt und als Dünger verwertet werden.Ich weiß nicht ob diese Reinigung technisch möglich ist.
Auf manchen Biohöfen wird jedenfalls menschlicher “ Mist“ verwertet.

Aber solange noch riesige Mengen an Tiermist zur Verfügung stehen,besteht wohl kein Anreiz, sich auf Alternativen umzustellen.

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RoadOfBones
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Beitrag von RoadOfBones » 20. Aug 2018 10:12

Vor vielen hundert Jahren war Deutschland noch zu einem Großteil bewaldet - wer hätte gedacht, dass man da so intensive Viehzucht drauf betreiben kann?

Vor gut 30 Jahren wurde in Deutschland kaum oder gar kein Soja angebaut, heute gibt es solche Felder (Bioqualität) ein paar hundert Meter von mir.

Es ist einfach ein komplett neuer Zweig, der da erforscht werden muss, aber mit rumjammern, und wiederholen von alten Argumenten wird das nix. Man müsste halt den Focus halt mal ändern, von intensiver Viehwirtschaft auf eben das Szenario ohne Tiere, zumal Retortenfleisch ja hier einiges ändern könnte. Ausführungen dazu auf biovegan.org - habe ich weiter oben schon gepostet.
Oder hier :
https://www.sueddeutsche.de/wissen/erna ... -1.3730360

Bei der Weinbereitung wird zur Konservierung "Schwefel" verwendet - der auch den Geschmack ändert.
Ein Pionier hat in den 80ern begonnen, ungeschwefelten Wein zu produzieren. Er wurde ausgelacht - und hat aber direkt vermarktet. Es gibt ihn heute noch, er bietet auch viel Biowein mittlerweile an - ich bin seit den 90ern bei ihm Kunde und er informiert die Kunden immer über die aktuellen Entwicklungen. Die Industrie und die Behörden arbeiten immer noch dagegen, aber mittlerweile denken auch große traditionelle Winzer über schwefelfreien Wein nach. (habe den Artikel, der irgendwo in einem deutschen Onlinemagazin erschien, aber nicht mehr).
Das zeigt, dass man einfach nur bereit sein muss, neue Wege zu gehen. Nur dann wird das alles Erfolg haben.
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Beitrag von Ixodes ricinus » 20. Aug 2018 11:58

mervon hat geschrieben:...Aber es gibt imo noch riesige Reserven.
1.was geschieht mit den Inhalten der Biotonnen von Leuten die nicht selbst kompostieren? Alles könnte nach Reinigung als Kompost verwertet werden.
Offensichtlich geschieht das bereits und die noch verfügbaren Mengen sind sehr viel kleiner, als die bereits genutzten

https://de.wikipedia.org/wiki/Biotonne
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2006 in Deutschland 12,4 Mio. Tonnen organische Abfälle in 1.742 biologischen Behandlungsanlagen (einschließlich Vergärung) behandelt. 7,6 Mio. Tonnen wurden kompostiert.
Das darüber hinaus erschließbare Potential wird auf 2–4 Mio. Tonnen organischer Abfälle geschätzt.

Mit Stand Dezember 2002 war in etwa 79 % aller abfallwirtschaftlichen Verwaltungseinheiten das System Biotonne eingeführt. Der durchschnittliche Anschlussgrad innerhalb der Verwaltungseinheiten mit Biotonne betrug ca. 56 % der Einwohner. Damit waren ca. 47 % der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland an eine Bioabfallerfassung mit Biotonnen angeschlossen. Rund 15 Mio. Einwohner leben in Gebietskörperschaften, die noch nicht an die Biotonne angeschlossen sind. In Gebieten mit eingeführter Biotonne liegt die mittlere Anschlussquote bei rund 60 %, das heißt, in diesen Gebieten nutzen etwa 36 Mio. Einwohner die Biotonne nicht.
Diese Zahlen sind alt aber du kannst daraus erkennen, wie hoch die Nutzung bereits in den Jahren 2002/2006 war.

Du wirst die großen Lücken bemängeln aber diese Zählung geht nur von einer Biotonne pro Haushalt aus, wer (wie mein Vater) die Biotonne zusammen mit seinem Nachbarn nutzt, wird nicht erfasst.
Ich selber lebe jetzt in einem ländlichen Gebiet, in dem der eigene Komposthaufen im Hausgarten zum Standard gehört, in den Dörfern werden also gar keine Biotonnen aufgestellt, nur in den Städten. Und dort kann man sich von der Biotonne auf Antrag befreien lassen, wenn man z.B. den Biomüll zu einem Verwandten bringt.

Ich würde also nicht darauf wetten, dass du wirklich noch sehr viel Reserven auftreiben kannst - ganz zu schweigen davon, dass 99 % dieses Mülls natürlich Fleisch-/Milch-/Eierreste beinhalten.


mervon hat geschrieben:2.Grünschnitt an Straßenrändern.Dieser wird meistens liegen gelassen was schädlich ist für die Artenvielfalt. Man sollte alles auffangen und kompostieren.
Blei ist beim heutigen Benzin wohl nicht mehr das Hauptproblem aber welche Schadstoffe finden sich noch in Benzin und Diesel? Und natürlich besonders in unmittelbarer Nähe der Straßen?
Soviel ich weiß, werden Obstbäume die direkt an Straßen wachsen, noch nicht mal von der Prepper-Bewegung gerne abgeerntet.


mervon hat geschrieben:3.Selbst Klärschlamm aus der Kanalisation könnte gereinigt und als Dünger verwertet werden.Ich weiß nicht ob diese Reinigung technisch möglich ist.
Sie ist es und wird längst durchgeführt. Auch hier kannst du keine großen Reserven mehr finden.


mervon hat geschrieben:Auf manchen Biohöfen wird jedenfalls menschlicher “ Mist“ verwertet.
Falls das wirklich der Fall sein sollte und die Produkte aus mit menschlichem Dung behandelten Anbauflächen an die Öffentlichkeit verkauft werden sollten, dann melde das doch bitte der Polizei. Die dürfte den Laden ziemlich schnell dichtmachen.


:urgh:

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Beitrag von Ixodes ricinus » 20. Aug 2018 12:38

RoadOfBones hat geschrieben:Vor vielen hundert Jahren war Deutschland noch zu einem Großteil bewaldet - wer hätte gedacht, dass man da so intensive Viehzucht drauf betreiben kann?
Wo vorher Wald war, wächst manchmal nach der Rodung nicht viel mehr als Gras.
Denn die Bäume mit ihrem riesigen Wurzelwerk, ziehen Wasser und Nährstoffe auch aus großen Tiefen und weiter Entfernung. Waldbestand bedeutet nicht automatisch, dass genügend Mutterboden für guten Acker vorhanden ist.


RoadOfBones hat geschrieben:Vor gut 30 Jahren wurde in Deutschland kaum oder gar kein Soja angebaut, heute gibt es solche Felder (Bioqualität) ein paar hundert Meter von mir.
Und nur Bioqualität und die damit zu erzielenden Preise lohnen sich, denn der Ertrag ist so viel geringer als in Asien oder Südamerika, konventionelle Ware hätte keinerlei Chance auf dem Weltmarkt.


RoadOfBones hat geschrieben:Es ist einfach ein komplett neuer Zweig, der da erforscht werden muss, aber mit rumjammern, und wiederholen von alten Argumenten wird das nix...
Im Artikel der SZ wird auch erwähnt, dass sich Pioniere der bio-veganen Landwirtschaft bereits seit 1978 damit beschäftigten - um diese Zeit begann aber auch die Bio-Landwirtschaft mit ihrem Treiben und diese konnte sich durchsetzen.

Warum wohl gelang es dem bio-veganen Landbau nicht?

Es liegt nicht z.B. auch an dem Problem, das man bei Biohof Hausmann so anschaulich erkennen kann?
Einen halben Hektar hat Hausmann für seine Ernte zur Verfügung.
https://www.sueddeutsche.de/wissen/erna ... -1.3730360
Seitdem wirtschaften wir auf unseren 20ha Acker- und Grünland nach den Richtlinien des Gäa Verbandes.
http://bio-hausmann.de/index.php/single ... /ueber-uns


RoadOfBones hat geschrieben:Bei der Weinbereitung wird zur Konservierung "Schwefel" verwendet - der auch den Geschmack ändert.
Ein Pionier hat in den 80ern begonnen, ungeschwefelten Wein zu produzieren. Er wurde ausgelacht - und hat aber direkt vermarktet. Es gibt ihn heute noch, er bietet auch viel Biowein mittlerweile an - ich bin seit den 90ern bei ihm Kunde und er informiert die Kunden immer über die aktuellen Entwicklungen. Die Industrie und die Behörden arbeiten immer noch dagegen, aber mittlerweile denken auch große traditionelle Winzer über schwefelfreien Wein nach. (habe den Artikel, der irgendwo in einem deutschen Onlinemagazin erschien, aber nicht mehr).
Das zeigt, dass man einfach nur bereit sein muss, neue Wege zu gehen. Nur dann wird das alles Erfolg haben.
Nun, wie lange ist sein Wein haltbar? Und wie hoch ist der natürliche Schwefelgehalt seines Weines?

Und nein, nur weil man einen neuen Weg geht, hat man nicht automatisch Erfolg damit.

Die bio-vegane Landwirtschaft ist doch der beste Beweis dafür, sie entstand zeitgleich mit der Bio-Landwirtschaft, hat sich aber nie entwickelt. Und wenn 40 Jahre nicht ein ausreichender Testzeitraum sind, wie viele hundert Jahre soll dieses Prinzip noch erprobt werden?
Warum also hier nicht lieber die bestehende Landwirtschaft von ihren Fehlern befreien, statt einen "neuen" aber falschen Weg zu gehen?


:kk:

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