Moralisches Dilemma

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ad3x
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Moralisches Dilemma

Beitrag von ad3x » 14. Jan 2014 16:17

Mich beschäftigt in letzer Zeit das Thema Tierrechte sehr.
Ich habe beschlossen, dass Tiere zu töten unethisch ist, weil es keine wirklichen Argumente gibt, die das Töten moralisch vertretbar machen würde.
Jetzt habe ich das mal durchgespielt im Kopf: Was ist, wenn ich in einer Situation bin, wo der einzige Ausweg vor dem Verhungern das Töten eines Tieres wäre. Ich würde sagen, ich würde das Tier töten, um selber zu überleben. Aber das wiederrum würde bedeuten, ich stelle mein Leben über das Leben des Tieres. Oder sagen wir, meine Verwandten sind krank und für das "neue Medikament" müssen Tierversuche durchgeführt werden, und nur durch diese Versuche wäre das Überleben gesichert, bzw. eine Chance auf Überleben wäre erst möglich dadurch. Leider würde ich hier wieder sagen, meine Verwandten sind mir "wichtiger" als das Tier. Und dieser Gedanken verfolgt mich dauernd. Und was ist eigentlich mit Menschen, die im Nordlichen Gebieten leben und schwer pflanzliche Nahrung finden, dürfen die töten, um zu "überleben" ?

Habt ihr einen Rat? :?: Ich fühle mich so schlecht, weil ich vegan leben , aber ich trotzdem, mein Leben über das des Tieres stellen würde, in einer "Notsituation", was wiederrum meiner Ethik wiedersprechen würde, obwohl ich Tieren das Recht auf Leben gewähren will. :(
"Haben sie denn kein Ziel? - " Doch, Leben. Ich mag Leben."

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Kim Sun Woo
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Beitrag von Kim Sun Woo » 14. Jan 2014 16:46

das hat doch aber nicht wirklich (nur) mit Tierrechten zu tun. würde ich vor der Wahl stehen zu verhungern oder einen anderen Menschen zu essen würde ich mit großer Wahrscheinlichkeit Zweiteres tun.
Man hat jeden Tag die Chance die bestmögliche Version von sich selbst zu sein. ♥

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kiara
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Beitrag von kiara » 14. Jan 2014 17:02

Einfache Antwort: In Notfällen ist das Leben von Menschen wichtiger. :) Ich persönlich empfinde das nicht als Dilemma.

Veganismus stellt sich ja gegen das VERMEIDBARE (bemerke hier das Wort: vermeidbar!) Töten von Tieren, und nicht gegen das unvermeidbare.
corn + floor = cloorn?

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kuchenpferd
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Beitrag von kuchenpferd » 14. Jan 2014 17:24

Und was ist eigentlich mit Menschen, die im Nordlichen Gebieten leben und schwer pflanzliche Nahrung finden, dürfen die töten, um zu "überleben" ?
Hallo ad3x, finde ich eine spannende Frage!
Hängt davon ab, wen du fragst bzw. wessen Urteil du als verbindlich empfindest. Viele Argumentationen sind anthropozentrisch, d.h. gehen von einer Höherwertigkeit des Menschen dem Tier gegenüber aus.
Laut Bibel ist es in Ordnung. (Manche) Buddhisten dürfen kein Fleisch essen (und umgehen das Verbot, indem sie sich zum Essen einladen lassen. Da sind Fleischgerichte dann ok.) Philosophische Positionen gibt's auch verschiedene. Ich erinnere mich an den Reclam-Sammelband "Texte zur Tierethik" bei der verschiedene Philosophen versucht haben eine Antwort zu finden. Ich werde das mal nachlesen und posten.
Ich find's nicht verwerflich, Tiere zu töten und zu essen. Allerdings kann ich 1) auf tierische Produkteverzichten ohne an Mangelernährung zu sterben und halte 2) die Art der Erzeugung tierischer Produkte für für unverhältnismäßig leidvoll. Deswegen verzichte ich drauf.
Veganismus stellt sich ja gegen das VERMEIDBARE (bemerke hier das Wort: vermeidbar!) Töten von Tieren, und nicht gegen das unvermeidbare.
@Kiara: da würden dir aber einige VeganerInnen widersprechen. No Rechthaberei intended.
Zuletzt geändert von kuchenpferd am 15. Jan 2014 11:21, insgesamt 1-mal geändert.

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Rena
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Beitrag von Rena » 14. Jan 2014 18:47

Genauso könnte man sagen,das Leben des eigenen Kindes erscheint einem als wichtiger und man würde z.B einen völlig fremden Menschen in Timbuktu dafür opfern.
Ich schätze,das ist menschlich. Vegan leben heisst,für mich,viele moralisch/ethische Bedenken zu haben und ggf dafür zu verzichten und nicht immer und überall die die richtigen Entscheidungen zu fällen und über alle Gefühle erhaben und perfekt zu sein.
Wer garniert ist zu doof zum anrichten.

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martin314
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Beitrag von martin314 » 14. Jan 2014 18:56

Ich hatte auch mal so eine Diskussion. Du fährst Auto und plötzlich steht ein Reh auf der Straße. Fährst du nun das Reh um, oder den Gegenverkehr?
Meine Meinung damals und heute: das Reh. Kam bei der Dame leider nicht so gut an, weil das Reh ja viel unschuldiger wäre als die bösen Menschen.
Diese ganzen Beispiele sind vielleicht spektakulär - sie spielen aber schlicht keine Rolle. Mensch gegen Mensch abzuwägen ist noch viel schwerer. Zum Glück kommt das hier praktisch nie vor.
Womöglich gibt es auch gar kein widerspruchsfreies Handlungssystem und du musst selber sehen...
Die Mathematiker können davon auch ein Lied singen: http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6del ... gkeitssatz

Rolf
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Beitrag von Rolf » 14. Jan 2014 19:02

Hallo Kuchenpferd
kuchenpferd hat geschrieben:
(Manche) Buddhisten dürfen kein Fleisch essen (und umgehen das Verbot, indem sie sich zum Essen einladen lassen. Da sind Fleischgerichte dann ok.)
Kleine Präzisierung:
Es gibt ganz eindeutige Anweisungen des Buddha, kein Fleisch zu essen. Die einzige Ausnahme ist die sogenannte 3-fache Reinheit: Danach "ist es möglich Fleisch zu essen, ohne die Schuld des Schlächters zu teilen wenn man weder gesehen, gehört , noch den geringsten Verdacht hat, dass das betreffende Tier für den ausdrücklichen Zweck geschlachtet wurde, sich selbst mit Nahrung zu versorgen".
Diese Anweisung bezieht sich nur auf spezielle Umstände: auf wandernde Mönche die von Almosen leben. Denen ist verboten die gespendeten Speisen zurückzuweisen.
Und deshalb kann es vorkommen, das sie in ihre Bettelschalen auch Fleisch erhalten.

Das ist die einzige Situation. Alle anderen Begründungen sind (Um-)Interpretationen oder Vereinfachungen, so wie sie auch in anderen Religionen vorkommen.
Leider.

Gruß Rolf

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Vampy
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Beitrag von Vampy » 14. Jan 2014 19:46

in Notfällen ist mein leben bzw. das leben mir naher menschen auch wichtiger, als das anderer menschen. ich glaub ich würde dann durchaus jmd anderes opfern. und das ist sogar (eingeschränkt) zulässig, zb wenn 2 sich an ner Planke festgklammern, sie aber nur einen tragen kann, und man den anderen runterschubst und der dann ertrinkt.
Für die einen die Signatur - für die anderen der sinnloseste Satz der Welt.

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Rosiel
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Beitrag von Rosiel » 14. Jan 2014 21:08

ad3x hat geschrieben:Und was ist eigentlich mit Menschen, die im Nordlichen Gebieten leben und schwer pflanzliche Nahrung finden, dürfen die töten, um zu "überleben" ?
Wenn genau meinst du mit Bewohnern nördlicher Gebiete?
Die meisten, die so in Nordkanada, Nordskandinavien, nördl. Russland leben, gehen auch einfach in nen Laden und kaufen da ein...
martin314 hat geschrieben:Kam bei der Dame leider nicht so gut an, weil das Reh ja viel unschuldiger wäre als die bösen Menschen.
Das stimmt ja auch gar nicht, da zumindest in meinem Auto ICH am Steuer sitze. :mg:

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Kim Sun Woo
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Beitrag von Kim Sun Woo » 14. Jan 2014 21:35

martin314 hat geschrieben: Meine Meinung damals und heute: das Reh. Kam bei der Dame leider nicht so gut an, weil das Reh ja viel unschuldiger wäre als die bösen Menschen.
das lächerliche ist, daß ich selbst Nicht-Vegetarier/-VeganerInnen schon so habe argumentieren hören. ohh, diese bösen Menschen.... tzz.
Man hat jeden Tag die Chance die bestmögliche Version von sich selbst zu sein. ♥

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