Kritik an Achtsamkeit, Buddhismus und Meditation

Plausch & Palaver
Sphinkter
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Kritik an Achtsamkeit, Buddhismus und Meditation

Beitrag von Sphinkter » 14. Jan 2021 12:23

Ich finde interessant, dass es kaum kritische Seiten zu diesem Thema gibt.
Achtsamkeit ist ja aktuell das Non Plus Ultra.
Aber fundierte Kritik gibt es wenig.
Achtsamkeit kann ja durchaus eine Flucht sein.
Auch finde ich das Ziel mittlerweile sehr Zweifelhaft.

Ich zitiere mal einen Zen Meister:
So ist das Bewußtsein des Menschen, der diese psychische Integration vollzogen hat. Das Glück, die Freude, die Stabilität - alles kommt aus der eigenen stabilen Bewußtseinskraft. Und alle Objekte, alle Ereignisse, denen wir begegnen, fallen in diese Ruhe, in dieses Glück, in diese Freude hinein. Wir benutzen sie nicht, sondern wir sind in unserer Ausstrahlung allen Objekten gegenüber gleichförmig geöffnet.
D.T. Suzuki
Ziel ist demnach, dass alle Objekte "gleichmütig" wahrgenommen werden.
Ich verstehe es so, dass der "Erleuchtete" kein Unterschied zwischen einem Schmetterling und einer Hinrichtung macht.
Alles fällt in ein inneres Glück.
Für mich wäre so ein Zustand hochgradig pathologisch und nicht erstrebenswert. Die kognitive Verhaltenstherapie (ACT) experimentiert mit diesen Dingen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das nicht die nächste Luftnummer ist.

Meinungen willkommen.

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Akayi
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Beitrag von Akayi » 14. Jan 2021 12:41

Aus linker Sicht wird das schon immer mal wieder als kritisiert. V.a. die Individualisierung und Weltabkehr bei gleichzeitiger Nutzung der Ansätze zur Selbstoptimierung im Hinblick auf die eigene Arbeitskraft. Auch dass die ganze Sache wichtige Elemente des Buddhismus quais erntkernt und neu vermarktet habe ich mal aufgeschnappt.

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Sabotagehase
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Beitrag von Sabotagehase » 14. Jan 2021 13:24

Kenne auch viel Kritik insbesondere von Links

wobei das (ich verallgemeinere jetzt mal stark) auch durchaus differenzierter sein kann und ich da auch keine EInheitsmeinung zu kenne

Wenn ich mich auf diesen "non-plus-ultra"-Status den es aktuell hat beziehe (und erstmal nur darauf, weil ich um ehrlich zu sein vieles garnicht im Kern kenne, wie z.B. Buddhismus) lässt sich das denke ich in den allgemeinen Selbstoptimierungs-Kram einordnen: Minimalismus, Tiny-Houses, Hipster-Öko-Kram (polemisch)...

Es ist m.e. immer die Frage was du dir zum Ziel machst. Also wenn diese Praktiken in dem Kontext angewandt werden, den ich kenne, und ich nehme mir jetzt mal heraus eine Aussage treffen zu können weil ich eben nur entkernte Elemente kenne und da dann wohl den gleichen "schlechten" Zugang habe wie die, die das gerade hypen:
Ich sehe Selbstoptimierung im Grunde genommen als nichts schlechtes an, solange es nur darum geht, sich etwas gutes zu tun. Wenn einem Minimalismus etwas gutes tut (mir z.B. tut ordnung ansich besser als unordnung), dann ist das gut so. Für sich alleine.
Wenn aber die Selbstoptimierung dazu dient, einen ansich beschissenen Grundbau zu kaschieren (z.B. weil ich gestresst bin weil [hier Gründe einfügen, z.B. Lohnarbeit, Wohnungsmangel/Mietpreise, Überstunden, Kapitalismus whatever] ist das m.e. Kacke.
Deshalb finde ich es nicht verweflich, diverse Praktiken anzuwenden, ich finde nur man sollte das in dem Bewusstsein tun, dass es, je nach dem warum man es tut, z.B. weil man gestresst ist, wahrscheintlich eine Symptomlinderung darstellt.
Und solange diese Symptomlinderung gesamtgesellschaftlich dazu führt, dass Probleme nicht angepackt werden (z.B. warum Leute latent gestresst sind), dann ist das meines Erachtens unter allen Umständen scheiße. Dann hilft es vlt dem Individuum kurzfristig, allgemen sehe ich da aber ein gaaanz großes Potential, gesellschaftliche (weiter)entwicklungen zu lähmen oder zu unterbinden. Ist ein bisschen wie Konsumkritik. Wobei ich da sogar unter Akteuren ziemlich krasse Schnittmengen sehe.

Wie gesagt, das ist aus meinem Zugang heraus argumentiert und ich kann mir vorstellen dass den Zugang viele Menschen haben, die es mit achtsamkeit etc. probieren und ich hoffe mein Tiny-House-Vergleich hat das jetzt argumentativ nicht gesprengt und ist grob verständlich
Ist wohl acuh eher die Antwendungsebene in meiner Argumentation, weil über irgendwelche Kernthemen des Busshismus kann ich einfach nichts aussagen

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Sappho
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Beitrag von Sappho » 14. Jan 2021 13:54

Lieber Gott,

gib mir die Gelassenheit zu ertragen, was ich nicht ändern kann, die Kraft zu ändern, was ich ändern kann und den Verstand zwischen beidem zutreffend zu unterscheiden.

(oder so ähnlich)

Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 14. Jan 2021 15:31

Das Gebet der Schnappstrosseln.
Kann ich auch nicht mehr hören....genau das ist ja das Problem...und das soll Gott lösen, da danke!

Herr gib mir die Kraft zu unterscheiden bei der Auswahl, den ich heute völlig willkürlich zusammenschlage, dass er es verdient hat.

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Sappho
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Beitrag von Sappho » 14. Jan 2021 15:38

das ist doch das obige Thema in einem Satz zusammen gefaßt ...

Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 14. Jan 2021 15:58

Null komme Null.
Buddhismus, Meditation, Zen etc. versucht einen Ich-bezogenen Geist in einen offenen Geist zu transzendieren, indem alle geisten Objekte auf Gleichmut fallen. Bildlos (animitta), richtungslos (apranihita) und unterscheidungslos (ekalakshana).

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Sabotagehase
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Beitrag von Sabotagehase » 14. Jan 2021 16:11

Dann wären es theoretisch aber 2 Themen

1. Busshismus, Meditation, Zen ansich
2. Das, was gerade das Non-Plus-Ultra ist

wenn du über Thema 1 diskutieren möchtest, ist Thema 2 (also die derzeitige Beliebtheit inkl. potentieller aushöhnungen/entkernungen) überhaupt relevant?

Edit: ich möchte fließende Übergänge natürlich nicht kategorisch ausschließen

Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 14. Jan 2021 17:04

Ich sehe da nur ein Thema. Man nimmt eine Praxis, welche zum Ziel die Ichauflösung hat und verkauft sie als Wellness, Stressabbau, Psychotherapie, Gesundheitsförderung, Persönlichkeitsoptimierung etc...ohne auf mögliche Gefahren zu schauen, wie Erfahrungen von Depersonalisation oder Derealisation.

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Sabotagehase
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Beitrag von Sabotagehase » 14. Jan 2021 17:35

Okay dann bin ich hiermit raus und versteh nicht worauf du hinaus willst

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