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Plausch & Palaver
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Akayi
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Beitrag von Akayi » 20. Sep 2021 10:28

keiki hat geschrieben:
20. Sep 2021 09:40
In Österreich gibt es keine Erbschafts- und Vermögenssteuer.

In Deutschland gibt es beides. Aber die Vermögenssteuer wird nicht erhoben/eingezogen und die Erbschaftssteuer wird als zu gering von vielen eingeschätzt und kann gut umgangen werden.

Damit musste ich mich auch jüngst etwas mehr beschäftigen :D

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https://katapult-magazin.de/en/article/ ... -norwegens
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Curumo
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Beitrag von Curumo » 20. Sep 2021 23:57

keiki hat geschrieben:
20. Sep 2021 09:40
Aber die Vermögenssteuer wird nicht erhoben/eingezogen
Weil es sich so nicht rechnet, selbst bei "Riesenvermögen" nicht, da diese zu selten sind bzw. die meisten Leute eben "Habenichtse" sind bzw. statt Vermögen nur Schulden haben. Der Verwaltungsaufwand in der Summe übersteigt daher die Einnahmen.
und die Erbschaftssteuer wird als zu gering von vielen eingeschätzt und kann gut umgangen werden.
Das einzige was zu gering ist sind die Freibeträge.
So wird mit der Erbschaftssteuer nämlich einfach nur der verbliebene, anständige Teil des ehemaligen Mittelstandes - also jene mit durch Selbständigkeit und freiberuflicher Tätigkeit erwirtschafteten, aber auch einfach generell erspartem und selbst erarbeiteten, Vermögen(oft halt lediglich eigenbewohnter Grundbesitz bzw. (kleine) Familienunternehmen) welches halt nicht im Ausland oder in gestaltungsmissbräuchigen Stiftungen usw. versteckt ist - ausgeblutet. :x

Die richtig Reichen zahlen zum Teil halt einfach, die haben's ja.
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Beitrag von somebody » 23. Sep 2021 21:17

Curumo hat geschrieben:
20. Sep 2021 23:57
und die Erbschaftssteuer wird als zu gering von vielen eingeschätzt und kann gut umgangen werden.
Das einzige was zu gering ist sind die Freibeträge.
So wird mit der Erbschaftssteuer nämlich einfach nur der verbliebene, anständige Teil des ehemaligen Mittelstandes - also jene mit durch Selbständigkeit und freiberuflicher Tätigkeit erwirtschafteten, aber auch einfach generell erspartem und selbst erarbeiteten, Vermögen(oft halt lediglich eigenbewohnter Grundbesitz bzw. (kleine) Familienunternehmen) welches halt nicht im Ausland oder in gestaltungsmissbräuchigen Stiftungen usw. versteckt ist - ausgeblutet. :x
So ist es leider.

Die Freibeträge müssten auf realistisches Niveau angehoben werden, zB für Kinder auf IMO mindestens 2 Mio Euro, Betriebsvermögen IMO mindestens 5 Mio Euro. Schlupflöcher für Grossvermögen müssten geschlossen werden.
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Beitrag von Akayi » 24. Sep 2021 16:57

2 Mio für Kinder also mindestens 4 Mio Steuerfrei? Wer vererbt den "realistisch" solche Summen und warum sollte man diese Menschen nicht besteuern?
recherchiert, was rechtlich so möglich ist

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Beitrag von Nullpositiv » 24. Sep 2021 17:53

Curumo hat geschrieben:
20. Sep 2021 23:57
Vermögen(oft halt lediglich eigenbewohnter Grundbesitz bzw. (kleine) Familienunternehmen)
Wobei selbst bewohnte Immobilien mit den existierenden Freigrenzen normalerweise schon zu halten sind. Und Unternehmen sind zumindest teilweise auch befreit wenn sie weiter geführt werden.
Die Schöpfung ist schon alt und über die Jugendkraft hinaus.

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Beitrag von somebody » 25. Sep 2021 18:07

Akayi, 2 bzw 4 Mio Euro sind heute IMO noch im Rahmen Mittelschicht Vermögen & zB bei Angehörigen klassischer Mittelschicht Berufe nicht selten.

Bereits 1 in den 90er Jahren für 800.000 DM in Kein-/Mittelstädten gebautes/gekauftes Mittelschicht Eigenheim mit Einliegerwohnung hat heute in gutem Zustand je nach Lage in D oft einen Marktwert von über 1 Mio Euro.

Die Mittelschicht in D zahlt heute historisch bereits die höchsten Steuern.
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Beitrag von keiki » 25. Sep 2021 20:30

Sorry, aber mit so einer Immobilie ist man reich. Auch wenn der Reichtum mal aus der Mittelschicht heraus angefangen hat. Der Marktwert einer Immobilie wird oft schlechter, da diese kontinuierlich gewartet werden muss. Bei den meisten Häusern wird eher nur das Nötigste gemacht, da man froh ist überhaupt das Geld für das Haus zusammenbekommen zu haben.

https://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/ar ... 16478.html

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Beitrag von Curumo » 28. Sep 2021 02:10

Nullpositiv hat geschrieben:
24. Sep 2021 17:53
Wobei selbst bewohnte Immobilien mit den existierenden Freigrenzen normalerweise schon zu halten sind.
Kann ich aus der Steuerberatungspraxis nur klar widersprechen. Beim echten Mittelstand ist so wenig finanzielle Luft, da heißt Erbschaftssteuer aufgrund der Immobilienblase oft das Haus verkaufen oder beleihen zu müssen um die Steuer bezahlen zu können.
Und Unternehmen sind zumindest teilweise auch befreit wenn sie weiter geführt werden.
Auf dem Papier. Aber bei mehreren Erben(Erbengemeinschaft) wird's dann schon gleich hadrig.
Die Mittelschicht in D zahlt heute historisch bereits die höchsten Steuern.
Nicht nominal, aber Ihnen bleibt halt weniger. Wenn ich auf 50/60k im Jahr z.B. 10K-12K zahlen muss + die Höchstbeiträge zu Krankenkasse/Vorsorge, dann bleibt da fast nix.
Während bei den Einkommen ab 100K zwar regelmäßig die 42% Spitzensteuersatz fällig werden, aber die Beitragsbemessungsgrenze bei den Vorsorgeaufwendungen greift bzw. billigere Tarife bei den privaten Versicherungen, sodass diese mit deutlich mehr Netto rausgehen.
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Beitrag von Akayi » 30. Sep 2021 10:04

somebody hat geschrieben:
25. Sep 2021 18:07
Akayi, 2 bzw 4 Mio Euro sind heute IMO noch im Rahmen Mittelschicht Vermögen & zB bei Angehörigen klassischer Mittelschicht Berufe nicht selten.
Okay, wenn dem so wäre dann ist das ein Grund dieses Geld umzuverteilen und noch noch mehr Steuergeschenke an Millionäre (!) zu machen.
somebody hat geschrieben:
25. Sep 2021 18:07
Bereits 1 in den 90er Jahren für 800.000 DM in Kein-/Mittelstädten gebautes/gekauftes Mittelschicht Eigenheim mit Einliegerwohnung hat heute in gutem Zustand je nach Lage in D oft einen Marktwert von über 1 Mio Euro.
Okay, ich wohne einfach in der falschen Gegend, bin in die falsche Familie geboren oder kenne die falschen Leute. Aber wir nehmen das Beispiel als real an. 1995 wird also für 400.000 Euro ein Haus gekauft. Bar, denn Schulden scheint es nicht zu geben. Da besaß die Person zu dem Zeitpunkt also bereits eine halbe Millionen Euro mindestens. Wir nehmen jetzt mal ganz unwahrscheinlich an, dass auch diese Summe plus alle Rücklagen (die wir ignorieren) hart und ehrlich selbst verdient wurde. Dieses Haus macht also eine Wertsteigerung von 700.000 Euro in 25 Jahren durch. Dann hätten wir das Vermögen von 1,1 mio Euro. Fehlen noch 2 - 3 Mio Euro die in den Jahren angespart werden. Das macht 6.666 bis 10.000 Euro pro Monat (!) die angespart werden, nach allen Ausgaben wie z.B. die die für das Haus notwendig sind, nach allen Steuern! Natürlich nicht 1 zu 1 denn wer sein Haus derart vergoldet hat sicher auch in gute Aktien investiert und Zinsen hinzuverdient aber auch dann sind das riesige Summen. So zu tun als wäre das praktisch die Normalität der Mittelschicht die dann plötzlich und allein druch harte, ehrliche Arbeit in 25. Jahren zum mehrfachen Millionär wird.

(Die User des Forum aus der Mittelschicht mögen sich bitte bei mir per PN melden. Ich schicke dann jährlich liebevolle Grußkarten zum Geburtstag um in Zeiten der Not etwas von euren Millionen abzubekommen. Für mich leider unerreichbar obwohl ich mich bisher für einen Teil der Mittelschicht hielt)
somebody hat geschrieben:
25. Sep 2021 18:07
Die Mittelschicht in D zahlt heute historisch bereits die höchsten Steuern.
Nullaussage. Diese Mittelschicht hat auch historisch den höchsten Reichtum den man besteuern könnte.
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Beitrag von Curumo » 30. Sep 2021 11:59

Keine Ahnung von welchen Millionen ihr da fantasiert, aber bei der Erbschaftssteuer - darum ging es doch ursprünglich - ist selbst der höchste Freibetrag(Ehepartner) weit von einer Millionen entfernt.

https://www.sparkasse.de/themen/erben-v ... teuer.html

Wenn meine Großmutter sterben würde und die Penthousewohnung/das Büro im selben Gebäude vererbt würde, dann fielen hier 3 mal Erbschaftssteuer an.
Ich allein z.B. wäre zwar Steuerklasse 2 müsste aber wegen der Wertsteigerung seit 1978 und der durch die EZB-Nullzinspolitik verschuldeten Immobilienlase trotz Freibetrag von 200000 selbst auf nur ein Drittel mind. 7% bis 11% wenn nicht inzwischen sogar %15 blechen - das wären etwa dann schon bis zu 90000€. Da bliebe mir als Teilzeit-Angestellter mit 16K/pro Anno dann nur der Verkauf(welcher bei einer Erbengemeinschaft wie in diesem Fall, dann gar nicht so einfach ist bzw. noch weitere Folgen haben kann), Gebäude sind nämlich kein Geld, was man einfach aufteilen kann und so eine Summe da krieg ich keinen Kredit für.

Aber für linke Möchtegern-Maos ist ja alles Vermögen gleich, da wird der rumkrebsende Selbstständige ohne (vollen) Krankenversicherungsschutz(mein Vater z.B. jahrelang, Privatversicherung - er hat die 50 erreicht - und Zack! Beiträge hoch und es hat einfach nicht mehr gereicht. Glücklicherweise konnte er mit viel bürokratischem Aufwand zurück in die gesetzliche) auf eine Stufe mit Elon Musk gestellt, nur weil er Mitarbeiter beschäftigt und damit der Definition nach Kapitalist ist. Und jeder Erbe ist reich wie die Henkels und überhaupt wer was zu vererben hat, hat eh zu viel, egal ob sich das vorher z.B. hart erarbeitet und erspart wurde, durch Verzicht auf Urlaub und Konsum, oder Gehalts(Unternehmerlohn)verzicht im Familienunternehmen im Vergleich zum Arbeitsmarktniveau (also was man als Angestellter anderswo absahnen hätte können).
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