Psychotherapie

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Sphinkter
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Psychotherapie

Beitrag von Sphinkter » 19. Okt 2019 09:15

Hallo, recht Offtopic. Aber beschäftigt sich jemand mit Psychotherapie?

Ich habe jetzt einiges über die Dritte Welle der Verhaltenstherapie gelesen und finde schon, dass Hayes mit seiner ACT sehr überzogen rüberkommt, indem er der KVT bzw. CBT ihre Effektivität abgspricht.
Soviel ich weiss ist KVT immernoch Goldstandard.
Ich persönlich habe zu ACT keinen Zugang, dass auf radikal-behavioristischem Fundament steht und ordentlich beim Buddhismus geplündert hat.

So schreibt Russ Harris(auch ein Vertreter der ACT):

"Die KVT versucht:
- die Fakten zu überprüfen und mentale Fehler zu korrigieren,
- der Geschichte eine positive Note zu verleihen,
-sich eine bessere Geschichte zu erzählen,
-sich abzulenken,
-die Geschichte aus dem Kopf zu vertreiben,
-eine (mentale) Debatte über den Wahrheitsgehalt der Geschichte zu führen.

Doch diese Strategien sind auf lange Sicht nur selten erfolgreich."

Finde ich recht anmaßend, eine etablierte Therapieform mit solch einer Behauptung zu kritisieren. Es gibt ja genügend Studien, welche die Erfolge der KVT stützen.
Erfolge aus der Hypnotherapie liegen ja auch reichlich vor. Die auch diese Methoden verwendet.

Das Thema ist sehr speziell, vielleicht gibt es aber doch einige User die drüber reden wollen.

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Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 19. Okt 2019 11:11

Noch ein paar Gedanken zu ACT:
Man soll die eigenen Gedanken lediglich als Geschichten sehen und nicht ernst nehmen. Durch Defusiontechniken löst man sich, indem man zum Beobachter wird. Letztendlich ist das aber nichts anderes als in der KVT, in der man die Aussagen in Frage stellt. Hier "neutralisiert" man den Gedanken mit einer Alternative, bei ACT neutralisiert man ihn durch ein Anzweifeln der Richtigkeit.
Für mich sind das beides Defusionstechniken. Bei KVT sind es Vorprägungen (Schemata) die man in Frage stellt, bei ACT die Richtigkeit des Verstandes die man grundsätzlich in Frage stellt. Ich finde das aber problematisch, da man sich als Mensch und seine Schemata per se in Frage stellt.
Auch finde ich ACT weniger glaubhaft, da die Gedanken dort nur simple Gedanken sein sollen. Ich erkenne aber, wie schnell Gedanken Emotionen erzeugen können und diese auch körperliche (biochemische) Einflüsse haben.
Daher sind Kognitionen anscheinend doch mehr, als simple Gedanken, die man beobachten kann. So empfinde ich verbale Interventionen (siehe Donald Meichenbaum SIT) als effektive Strategien, die mir im Alltag auch wirklich etwas bringen. Auch dieser Methoden bedient sich ACT, obgleich sie ja angeblich nicht funktionieren.
Zuletzt geändert von Sphinkter am 19. Okt 2019 11:27, insgesamt 1-mal geändert.

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Lee
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Beitrag von Lee » 19. Okt 2019 11:18

Das ist schon wirklich sehr fachbezogen.
Psychotherapie haben/hatten hier schon viele, ob sich hier jemand so eingehend damit beschäftigt hat wie du halte ich für eher unwahrscheinlich.
KVT ist die Verhaltens-Therapie? die ist wirklich sehr anerkannt. Kann man wirklich nicht behaupten, dass das nix bringt.
Was Lee sagt!

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Beitrag von Sphinkter » 19. Okt 2019 11:24

KVT ist eine Form der Verhaltenstherapie, quasi die 2 Welle wie die rational-emotive Verhaltenstherapie von Ellis oder die kognitive Verhaltenstherapie von Beck.
Mittlerweile gibt es eine 3 Welle wie ACT und MBCT, welche Achtsamkeitskonzepte integriert und kognitive Interventionen eher verwirft.

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Beitrag von Lee » 19. Okt 2019 12:00

ok :P
Was Lee sagt!

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