Wie viel Rind pro Liter MIlch?

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Lee
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Beitrag von Lee » 24. Jun 2019 17:17

Ich finds ganz normal, dass man sich am Anfang noch einreden will, dass der eigene Genuss kein leid verursacht. Gerade wenn's um Käse geht, da ist der Verzicht am Anfang nicht leicht.

Ich weiß noch, dass ich mir selbst damals ne längere Umstiegsphase gegönnt hatte, obwohl ich das schon längst falsch fand. Hab sogar mal n paar Jahre Fleisch gegessen obwohl Ichs falsch fand. Der Punkt ist, dass man sich ändern kann wenn man will und dass das aber bei manchen Leuten n längerer Prozess sein kann.

Deswegen find ich's auch nicht gut hier so drauf zu hauen. Er zieht es ja zumindest schonmal in Betracht. Das tun die meisten Leute nicht. (Bekannte, Verwandte, Freunde... Manche haben sogar nen Omnivoren Lebenspartner)
und die geht man ja auch nicht an im RL, sondern hofft vielleicht nur insgeheim, dass irgendwann mal der Groschen fällt.
Und die pragmatischen Gedanken zu verurteilen find ich auch grenzwertig. Menschen sind verschieden...
MUH!!!

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illith
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Beitrag von illith » 24. Jun 2019 20:27

also ich hab ja meine Zweifel, ob die Rechnung mit den gesättigten Fettsäuren so aufgeht...

und ich mag es, meinen Mitmenschen naiv immer erstmal so viel Empathieempfinden zuzutrauen, ethische Entscheidungen nicht ausschließlich nach ihrem persönlichen Vorteil zu treffen.
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illith
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Beitrag von illith » 24. Jun 2019 20:30

Lee, grundsätzlich gut gesagt, allerdings wurde jetzt nicht soo sehr irgendwie draufgehauen, nach meinem Empfinden.

und dass manche (zB in diesem Fall ua ich) emotional angefasst sind, wenn's um die Opfer geht, liegt halt auch etwas in der Natur der Sache.
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Vampy
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Beitrag von Vampy » 24. Jun 2019 20:48

wieso eigentlich butter? margarine schmeckt auch nicht anders. jedenfalls wenn wir von der normalen industriebutter reden.

ich würde dir empfehlen, dass du dir mal ne doku über milchproduktion ansiehst- die öffentlich-rechtlichen haben da einige gemacht. dann kannst du mal checken, ob du das wirklich mit deinem gewissen vereinbaren kannst.
https://www.youtube.com/watch?v=jAvW7XQ6jfY (ZDF)
zb https://www.youtube.com/watch?v=15mLITIep60 (NDR)
https://www.youtube.com/watch?v=DEME5rmJz3g (spiegeltv)
Für die einen die Signatur - für die anderen der sinnloseste Satz der Welt.

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Beitrag von illith » 24. Jun 2019 21:10

also Butter schmeckt anders als Margarine.
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Rosiel
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Beitrag von Rosiel » 24. Jun 2019 21:26

Aber die Alsan ist doch ziemlich nah, oder?
Zumindest im Vergleich zu Hummus.

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illith
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Beitrag von illith » 24. Jun 2019 21:33

das auf jeden Fall^^
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muesli4life
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Beitrag von muesli4life » 25. Jun 2019 14:26

[EDIT: Neues Ergebnis 1/16 = etwa 0,063 kg/Liter]

Die Haltung "nur ein 100 %iger ist ein guter" ist mir fremd. Wenn
hier jeder, der nicht schon strammer Veganer ist, so empfangen
wird, wird das nichts mit der weltweiten Machtübernahme. :D
Aber zurück zum Thema.

Auch Veganismus kann man versuchen, mit Zahlen zu fassen. Man muss
nicht, aber man kann, und ich will. Leute, mir geht es *in diesem
Thread* nicht um Selbsthilfe ("Wie kann ich mich vegan ernähren,
habt ihr Tipps?") oder Selbstoptimierung (Gesundheit) oder
Tierethik ("No calf left behind", "Leidensminimierung"), sondern
"nur" um Nachhaltigkeit. Das heißt nicht, dass ich keine Antennen
für die anderen Themen habe, bloß, dass ich für die anderen Themen
jetzt und in diesem Thread keine Ratschläge brauche.

Ich habe mehrfach gelesen, dass die Deutschen im Durchschnitt 60 kg
Fleisch pro Jahr verzehren und knapp 90 kg "verbrauchen" (inklusive
Haut, Knochen etc.). (Quelle: Bundesverband der Deutschen
Fleischwarenindustrie e.V. (BVDF), Fleischverbrauch und
Fleischverzehr je Kopf der Bevölkerung:
https://www.bvdf.de/in-zahlen/tab-05 ) Das ist nicht nachhaltig, es
kann nicht jeder Erdbewohner dauerhaft so viel verbrauchen.

Der B.U.N.D. hat eine Postkarte herausgebracht, das stehen Zahlen
drauf, salopp ausgedrückt, wie eine nachhaltige Ernährung aussehen
könnte:
https://www.bund.net/service/publikatio ... -schaffen/
Auf meiner gedruckten Version steht unter anderem drauf "ca. -50 %
Fleisch", "-11 % Milch", "-28 % Käse", sowie entsprechende
Steigerungen bei pflanzlichen Nahrungsmitteln. Die derzeitige
online-Version hat etwas andere Werte, erstaunlicherweise nur
-4,8 % Milch.

Mangels brauchbarer Quellenangaben auf der Karte ist unklar, was
die Werte genau bedeuten. Ich will was Besseres. Aber die
Vorgehensweise "50 % weniger Fleisch" für alle finde ich gut. Noch
besser fände ich 80 % weniger Fleisch für alle.

Die Größe "kg Rinderverbrauch notwendig pro Liter Milch" ist aus
meiner Sicht eine Voraussetzung dafür, herauszufinden, wie viel
Milchverbrauch nachhaltig vertretbar wäre, und wie viel Tier dabei
produziert und gegessen bzw. verwertet werden müsste.

Ja, ich will einen Maßstab, und zwar in kg/Liter: "Konsumierst du x
Liter Milch, musst du auch y kg Tier auf dein Konto buchen
bzw. sicherstellen, dass es dafür einen Bedarf gibt". Den Maßstab
kann dann jede so nutzen, wie sie will. Insbesondere eine
Umrechnung in eine Skala von "OK" bis "nicht OK" wäre sehr
individuell.

Euren bisherigen Beiträgen entnehme ich, dass euch zumindest nicht
bekannt wäre, dass dieser Maßstab schon aufgestellt worden
wäre. OK, also selber machen.

Bisher wurden genannt:

* Kuh wird etwa 3 Jahre genutzt

* pro Jahr ein Kalb

==== Milchleistung

Auf https://de.wikipedia.org/wiki/Milchproduktion#Laktation steht:

Wikipedia: "Die durchschnittliche Milchleistung liegt in Westeuropa
und Nordamerika grob zwischen 7.000 und 11.000 kg pro Kuh und
Jahr. In anderen Regionen werden teilweise deutlich niedrigere
Erträge beobachtet, so lag 2001 die durchschnittliche Milchleistung
in Indien zwischen 2.000 und 5.500 kg."

[EDIT: Ich hatte hier anfangs 6 000 kg/a angesetzt, um einen
"weltweiten Durchschnittswert" anzustreben, aber zum einen war auch
der nur geraten, und zum anderen verwende ich sonst auch fast nur
deutsche Zahlen. Daher verwende ich jetzt lieber auch hier nur
deutsche Zahlen. Das macht die Werte besser überprüfbar und ich
kann das Ergebnis sinnvoll mit anderen deutschen Zahlen
einkreisen. ]

https://www.milchtrends.de/daten/milchp ... hleistung/ :

Rein rechnerisch hat jede Milchkuh in Deutschland im Jahr 2015
7 600 kg Milch produziert.

https://de.statista.com/statistik/daten ... seit-2000/

"... 2018 eine durchschnittliche Milchleistung von rund 8.059 kg"

Ich setze hier 8 000 kg/a an.

Wikipedia: "Die Dichte von Kuhmilch ist von der Temperatur
abhängig; sie beträgt für homogenisierte und pasteurisierte, 3,5 %
Fett enthaltende frische Vollmilch bei einer Temperatur von 20°C
etwa 1,032 g/cm³."

Der Einfachheit halber setze ich 1 kg/Liter an.

==== Anzahl Rinder

Macht pro Kuh 3 mal 8 000 Liter = 24 000 Liter Milch, und drei
Kälber. Im Durchschnitt ist mindestens eines der Kälber ein
Weibchen, aus dem die nächste Kuh wird. Die rechne ich dem nächsten
Zyklus zu.

Die aktuelle Kuh selbst und zwei ihrer Nachkommen müssen verwertet
werden, zum Beispiel gegessen. Das ist das gesuchte Tiergewicht,
entsprechend einer Fleischmenge.

==== Rindergewicht

Wikipedia: "Kühe wiegen etwa 500 bis 800 kg, Bullen 1000 bis
1200 kg". Ich vermute, dass diese Zahlen ausgewachsene Tiere
meinen. Nicht alle Rinder sind aber ausgewachsen, wenn sie
geschlachtet werden ("Kalbfleisch", "Jungrind").

Die englische Seite https://en.wikipedia.org/wiki/Beef_cattle nennt
beispielhaft 450 kg als Schlachtgewicht eines Stiers (und 200 kg
als davon verkäufliche Fleischmenge).

Eine Suche nach "rinder schlachtgewicht" ergibt als ersten Treffer
https://de.statista.com/statistik/daten ... htgewicht/.

Demnach liegt das Schlachtgewicht von Rindern in deutschen
Schlachthöfen bei durchschnittlich etwa 320 kg (allerdings im
Durchschnitt seit 1900). Die angegebenen Werte entsprächen der
produzierten Fleischmenge nach der Schlachtung.

Laut https://de.wikipedia.org/wiki/Schlachtgewicht beträgt die
Ausbeute bei Rindern 50 bis 65 Prozent des Gesamtgewichts (mit
Streuung insbesondere nach unten)." 320 kg Fleisch entsprechen also
in etwa 500 kg Rind.

==== Rechnung

Ich erhalte drei Tiere mal 500 kg gleich 1500 kg geteilt durch
24.000 Liter, macht 1 kg/16 Liter = ca. 0,063 kg/Liter.

Mit Muesli allein habe ich früher etwa 100 Liter Milch pro Jahr
verbraucht.

Verbrauche ich 100 Liter Milch, ist dafür auch gut 6 kg
"Rinderverbrauch" notwendig.

Ich verzehre so gut wie kein Rind (< 1 kg/a), aber verzehre
Milchprodukte. Mein "Rinderverbrauch" aufgrund der Milchprodukte
übersteigt vermutlich meinen Fleischverzehr um ein Vielfaches. Wenn
ich den "Tierverbrauch" weiter senken möchte, muss ich also die
Mühe eher in die Verringerung des Milchverbrauchs investieren. Da
war der Verzicht auf Milch im Muesli nach obiger Rechnung schon mal
ein lohnender Anfang.

Ich bitte um konstruktive Kommentare zur Richtigkeit und
gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge.

Und jetzt zum Käse, aber vielleicht in einem neuen Thread... :-)

PS: Überraschenderweise ist der Faktor nicht von der Anzahl Kälber
pro Kuh und damit der Anzahl der Milchproduktions-Jahre pro Kuh
abhängig, zumindest im Dauerbetrieb eines solchen Systems (Ja, ich
weiß, die Milchleistung ändert sich von Kalb zu Kalb). 1 Kalb pro
Kuh: 500 kg / 8 000 Liter = 1/16 kg/Liter; 2 Kälber pro Kuh:
1 000 kg / 16 000 Liter = 1/16 kg/Liter; 4 Kälber: 2 000 kg /
32 000 Liter = 1/16 kg/Liter. Das liegt wohl daran, dass zur
Milchproduktion ein Kalb pro Jahr nötig ist, egal ob es nun
dieselbe Kuh ist, oder eine neue. Es ändert sich das
durchschnittliche Alter der Kühe, und die Gesamtzahl der Rinder im
System, bei mehr Kälbern pro Kuh sind es insgesamt weniger Rinder.
Zuletzt geändert von muesli4life am 26. Jun 2019 11:01, insgesamt 1-mal geändert.

Tortuga
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Beitrag von Tortuga » 25. Jun 2019 15:30

Okay, I'm game.
Es geht dir offensichtlich nicht um Tierleid, sonst würdest du die Frage nicht stellen, sondern um Zahlen.
Nachhaltig, im Sinne von 'die Menschheit käme mit einer Erde aus', wären 250g Milch pro Tag oder die Produkte daraus, also z.B. 14 Gramm Butter + Buttermilch. Aber, ganz wichtig, diese Rechnung geht nur auf, wenn du pro Tag ansonsten weniger als 100 Gramm Tierprodukte ißt! Ein Ei z.B. wiegt mindestens 50 Gramm...
Deswegen kannst die Milchprodukte eben nicht isoliert betrachten. Das geht nicht auf.
Für diese hypothetischen 250 Gramm Milch pro Tag, bräuchten wir maximal ein Zehntel der Kühe, die es in Deutschland momentan gibt.
So weit die Theorie.
Solange die restliche Bevölkerung der Erde sich aber nicht an die 250 + 100 Regel hält, ist es im Sinne der Nachhaltigkeit moralisch nicht zu verantworten, diese Menge an Tierprodukteen zu essen. Warum?
Nehmen wir Mal an, du stehst mit 100 anderen Leuten am Küchenbuffet. Auf dem Buffet sind 100 Stück Kuchen. Also steht dir ein Stück zu, oder? Was aber, wenn sich die 40 Leute vor dir schon je 2 Stück Kuchen genommen haben? Dann sind für euch 60 nur noch 20 Stück Kuchen da. Also für jeden ein Drittel. Wenn du jetzt mehr nimmst, nimmst du einem hinter dir den Kuchen weg. Wäre unfair, oder? Also gut, dann halt ein Drittel? Was aber, wenn du weißt, dass die 10 Leute hinter dir, sich alle ein ganzes Stück nehmen werden? Nach dem Motto: Sch... auf die Fairness, ich will Kuchen!
Dann wären für euch 50 noch 10 Stück Kuchen da. Also, für jeden nur ein Fünftel.
Und wie so so dastehest und rechnest und überlegst, kommst du irgendwann zu dem Schluss: am besten verzichtest du einfach auf den Kuchen. Oder auf die Moral. Such es dir aus.

muesli4life
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Registriert: 24.06.2019

Beitrag von muesli4life » 25. Jun 2019 15:48

@Tortuga: Ne Antwort im Sinne meiner Frage, Danke! (Ja, es gab auch schon ein paar andere Schreiber, die wenigstens am Rande auf die Fragestellung eingegangen sind.)

Ja, es geht mir um Zahlen, die ich für mich selbst, aber insbesondere auch gegenüber anderen zur Argumentation verwenden kann.
Ich lebe in einem sozialen Umfeld. Veganes verhalten wird (aus meiner Sicht) wesentlich einfacher, wenn das Umfeld am gleichen Strang zieht.
Und mein Umfeld lässt sich eher mit Fakten oder wenigstens Zahlen als mit "Tierleid" überzeugen. :)

Die 250g+100g etc. kannte ich noch nicht, Danke. Hast Du ne Quellenangabe?

Die Überlegung mit dem "Kuchenbuffet" habe ich auch schon angestellt. Ich nehme mir in der Situation ein drittel Stück, damit fühle ich mich gut. Kuchen ist halt lecker. :D

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