Mainstream Hype ökolifestyle? Gut oder Falsch?

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Rosiel
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Beitrag von Rosiel » 24. Jun 2015 12:45

Das extrem unpraktische ist heutzutage das Dinge nicht mehr darauf ausgelegt werden, dass sie auseinander gebaut werden können. Der Akku eines neuen Smartphones lässt sich viel schlechter auswechseln, als der eines alten Handys - bei Laptops das Gleiche.
Bei Autos ist es schon nicht viel anders. An alten Autos kann jemand mit etwas Ahnung noch relativ viel machen, bei neuen eher nicht mehr.
anguz hat geschrieben:Naja ob rentabel oder nicht kann ich nicht entscheiden.
Schau mal, ob du an ein paar nicht mehr funktionierende Smartphones kommst und versuch sie auseinander zu bauen. Das dauert ewig.
Innen ist dann recht viel verklebt oder verlötet. Für ein Seminar haben wir mal 200 Handys/Smartphones zerlegt. Zum Zerlegen haben wir ewig gebraucht und am Schluss hatten wir z.T. nur 1g Magnet/Mobilgerät, davon dann 1/3 Neodym - also so gut wie nix.
Ne andere Möglichkeit ist im Endeffekt das ganze zu schreddern und die magnetischen Bestandteile zu extrahieren.

anphie
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Beitrag von anphie » 24. Jun 2015 13:28

Zum Elektroauto sehe ich ein paar Kritikpunkte an deiner Berechnung.

1. Der angenommene Verbrauch von 37kWh/100km ist deutlich zu hoch. Der von dir genannte i3 hat eine Nennreichweite von ca. 150km bei einer entnehmbaren Kapazität von 18kWh. Klar, die Nennreichweite erreichst du normal nicht, aber nach deiner Berechnung dürfte er im Durchschnitt nur 50 km weit kommen. Das ist Unsinn, 100 schafft man selbst unter ungünstigen Bedingungen normalerweise.

2. Deine Annahme dass Elektroautos mit dem durchschnittlichen Strommix geladen werden halte ich ebenfalls für sehr gewagt. Wer sich aus ökologischen Gründen ein eAuto kauft bezieht normalerweise auch Ökostrom. Auch viele der öffentlichen Ladestationen (welche weniger als 10% der gesamten Ladeleistung ausmachen) arbeiten mit Ökostrom. Der Footprint der Autos ist hier also sehr viel besser als in deiner Annahme (außerdem kannst du den Verbrauch eines Teslas wohl kaum mit deinem Golf vergleichen - eher mit einer S-Klasse, und die ist eher im Bereich 10+ l/100km).

3. Zweifle ich deine Obergrenze von 5% Lebensdauerverlust pro Jahr an. Praktisch alle Hersteller von eAutos garantieren 8 Jahre bis End of Life (standardmäßig 20% Verlust, 25% ist eher unüblich als Definition). Die garantieren das nicht aus reiner Herzensgüte sondern gehen davon aus, dass der Garantiefall sehr selten eintritt. Dass bei einem 16 Jahre alten Auto nochmal jemand einige 1000€ in die Hand nimmt und eine neue Batterie einbaut zweifle ich ebenfalls an. Standardmäßig von 3 Batterien auszugehen halte ich demzufolge für deutlich zu hoch gegriffen.

4. Batterien werden besser. Unsere Stromerzeugung wird ökologischer. Verbrenner verbessern sich bezüglich ihres Verbrauchs schon lange nicht mehr nennenswert.

5. Du gehst davon aus dass eine Batterie mit 75% Restkapazität tot ist. Das stimmt so nicht. Zum einen ist Battery second life stark im kommen. Zum anderen werden alte Batterien recycelt, so dass der Verbrauch von seltenen Erden etc. geringer ist.

Fazit: Bezüglich Elektroautos hast du dir deinen Golf m.E. schon arg schöngerechnet.

Edit: Handy-Tippfehler entfernt.

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Rosiel
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Beitrag von Rosiel » 24. Jun 2015 15:01

Was halt noch nicht eingerechnet ist, ist die Energie und die Ressourcen, die für die Herstellung eines Neuwagens anfallen unabhängig davon, womit die Karre läuft.
Ein Nachbar fährt seit 1974 das selbe Auto, ich hab seit 2006 fünf verschiedene Autos gefahren/verbraucht. Nach meinem Gefühl würde ich sagen, je kleiner der Hubraum desto schneller ist die Karre im Eimer. Während die alten Gebbel mit Hubraum ohne Ende zwar ordentlich Benzin brauchen, aber eben seit Jahrzehnten fahren.

So und jetzt mal mein ganz persönlicher Senf: das mit dem 2°C Kipppunkt schaffen wir eh nicht mehr und dann ist es quasi auch schon egal.

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VegSun
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Beitrag von VegSun » 24. Jun 2015 16:32

Könnte es nicht sein, das die alten Karren in viel höherer Qualität gefertigt wurden als heute.
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schwarz
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Beitrag von schwarz » 24. Jun 2015 17:18

Der Grund dafür, dass man viel weniger selbst reparieren kann, ist eher der, dass in neueren Autos viel mehr Elektronik verbaut wird, als wirkliche "Teile", die man einfach so ausbauen kann.
Es ist kein Anzeichen von seelischer Gesundheit, sich an eine zutiefst gestörte Gesellschaft anpassen zu können.
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VegSun
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Beitrag von VegSun » 24. Jun 2015 19:53

Ja, zu viele Elektronik die nur noch mit Messgeräten die an einen Computer angeschlossen und über spezielle Hersteller Software ausgelesen werden kann und daher nur von erfahrenen Automechatronikern repariert werden können. Aber keine Ahnung wie lange diese das Auto dann noch reparieren können und wann sie sagen es geht nicht mehr oder es zu teuer für den Kunden wird oder er auf Dauer zu oft in die Reparatur geben muss und zu viel Geld reinstecken muss.
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Rosiel
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Beitrag von Rosiel » 24. Jun 2015 20:00

Dem Konsumenten wird halt keine Wahl gelassen, wenn er ein neues Auto kaufen will. Hätte ich die Wahl hätte ich gerne ein Auto von 1970 quasi neu hergestellt. Das kann ich dann fahren bis ich ins Gras beiße. Prinzipiell gibt's die ja auch noch, allerdings kosten die halt bis zu doppelt so viel wie ein Neuwagen gleicher Klasse (mal ein Beispiel, ein fabrikneuer T1, nicht gefahren, pupstrocken aufbewahrt, alle Gummiteile neu, kostet ganz gerne seine 70.000€)

Mein 1. Auto war ein 3er Golf Kombi damals 18 Jahre alt. Ist noch Jahre gefahren, nie liegen geblieben - wir sind zusammen geblieben, bis der TÜV uns schied. Den Keilriemen, Lämpchen, Zündkerzen etc. konnte ich alles selber problemlos wechseln. Etwaige Teile hab ich oft genug auf dem Schrottplatz für umme holen können, Fabrikat war dabei oft zweitrangig, die Teile haben einfach gepasst.
2. Auto: Fiat Cinquecento - hat sich eigentlich wacker geschlagen bis auf die Tatsache, das die Elektronik halt voll im Eimer war, aber prinzipiell fuhr die Karre.
3. Auto: Opel Tigra - joa, Teile dafür bekommen war immer richtiger Mist, weil jede Schraube ganz individuell für das Auto war und sonst gar nichts gepasst hat. Außerdem brauchte man für eigentlich alles einen Spezialschlüssel. Zündkerzen hätte man mal wechseln müssen, allerdings lagen die so unter dem Motor verbaut, das man den mit einem Kran hätte ausbauen müssen(!!!). Wer macht den sowas?!?
Um Birnlein zu wechseln musste man auch den halben Motor ausbauen
4. Auto: Fiat Punto - die totale Katastrophe. Der Boardcomputer hat mehr Saft gebraucht als die Lichtmaschine liefern konnte, was zur Folge hatte, dass so gut wie ALLE Teile, die IRGENDWAS mit Elektronik zu tun hatten, entweder gesponnen haben oder - zumeist - ganz im Arsch waren. Um das Auto anzulassen hatte ich eine separate Batterie, die ich immer über Nacht aufgeladen hab und tagsüber dabei hatte, um bei mir selbst zu überbrücken. Bei Regen hab ich eher die Fenster runter gekurbelt und den Kopf aus dem Fenster gehalten, als zu riskieren, dass sich die Scheibenwischer aushängen und einfach wegfliegen. Von diesen Heizdingern in der Heckcheibe ging EINS. Die Servolenkung funktionierte nur 10 Sekunden nach dem Anlassen (toll, ein Auto ohne Servo fahren, dass aber für eine Servo konzipiert ist). Das Radio ging bei der Fahrt auch einmal spontan in Flammen auf. Der Blinker ging schon mal an, wenn ich gebremst hab. Alternativ ging im Auto das Licht an, dafür haben die Bremslichter schon mal geblinkt. Die Symbologie des Armaturenbretts hatte was von einer Disko-Lightshow, manche Warnleuchten hatten Dauerbetrieb, warum konnte mir aber nicht mal die Markenwerkstatt erklären. Der Schaltknüppel ging auch mal ab und lies sich nicht mehr montieren (ich hatte also nur noch diese dünne Getriebestange da). Im Winter ging beim Fahren schon mal spontan der Motor aus, dann musste man schnell sein, beim auf die Kupplung treten.
Den Rest hab ich wahrscheinlich schon erfolgreich verdrängt.
5. Auto: Skoda Fabia. Mein neuestes Auto. Mit Abstand. Ich hab noch nie so ein neues Auto besessen. Er fährt auch im Großen und Ganzen recht zuverlässig. Allerdings leuchten echt häufig irgendwelche Lämpchen, weswegen die Karre verhältnismäßig oft in der Werkstatt ist, weil sich meine früheren "Reparaturkumpel" nicht erklären können, was er schon wieder hat. Also wieder Werkstatt. Außerdem bin ich mir 100% sicher, dass die Karre niemals so alt werden wird, wie der Golf.

Ich weiß, dass das nur eine persönliche Erfahrung ist. Ein Autobauer hat zu mir allerdings auch mal gesagt, dass es schon immer noch möglich wäre, Autos so zu bauen, dass sie 40 Jahre lang fahren. Aber das ist eben nicht gewünscht. Und ja ich bin von gewünschter Obsoleszenz mehr als überzeugt. Wir haben mal spaßeshalber in einem Seminar "Fälle" gesammelt und die Liste war endlos und betraf so gut wie alle möglichen Gegenstände des täglichen Lebens.

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Beitrag von Rosiel » 24. Jun 2015 20:06

Noch ein Nachtrag zum Fabia, der Heckscheibenwischer, das Radio und die elektrischen Fensterheber funktionieren nicht mehr - veranschlagter Kostenpunkt ca 1000€, ich dachte ich fall um… Jetzt hätte ich gerne wieder so Kurbeldinger, die waren bei mir noch nie kaputt… :grumpf:

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Beitrag von anguz » 24. Jun 2015 21:21

Erstmal vielen Dank für die vielen Antworten.
Wie gesagt bin ja kein Experte oder so, nur ein Typ der sich manchmal Fragen stellt.
Hey, also kann jetzt nur vom i3 meines Chefs ausgehen, aber der schafft nie mehr als 75 km pro voller Batterie. Daher hat er sich extra zwei Zapfstellen bauen lassen, weil sein Pendelweg bei rund 90 km liegt und die schafft er quasi nie.
Wie gesagt bezieht sich halt auf normalen Verkehr, also speziell bei uns halt Stadtverkehr. Im Dorf oder Landstraße gebe ich dir recht, aber niemals im urbanen Alltagsverbrauch. Wenn ich den Jahresschnitt rechne sollte das schon hinkommen, sprich ständiges beschleunigen und abbremsen, Stau, dauernde Ampelphasen, öfters mal anhalten und von 0 wieder auf 50 beschleunigen, Nutzung von Zusatzleistung wie Heizung, Klima etc. Da sollte der Wert schon hinhauen. Gut ich selbst kenne nur drei Personen die ein eAuto fahren und einen mit einem i8,aber den lass ich aussen vor und deren Werte kommen meinem schon sehr nahe bzw. übertreffen diese sogar. Gerade ein i3 verleitet zu einer rasanten Fahrweise. 0-100 in 7 sek, das verbraucht schon wenn man es wissen will. SelbSt diverse ADAC Tests
bestätigen einen Mehrverbrauch von bis zu 50%. Und
die Herstellerangaben sind ja auf Prüfstand gemacht
worden, also ohne FahrtWind, mit minimalem Rollwiderstand, ohne Beladung und ohne Heizung oder Kühlungefähr. Kann aber auCh nur von den dreien reden, aber keiner war annähernd gleich den Herstellerangaben.
Das mit der Lebensdauer hab ich mir nicht ausgedacht, sondern vw und bmw empfehlen den TausCh bereits bei nur noch 75% Leistung. Nicht umsonst sind die Akkus gemietet und gehören einem nicht selbst und 5% Verlust ist auch kein Wunder pro Jahr. Auf Nachfrage wurden mir 2-5% bei 10000 Kilometer LaufLeistung im Jahr bestätigt. Glaube kaum, dass sie selbst ihre Produkte schlechter machen als sie sind. Das mit den Ladestationen habe ich nur als Richtwert genommen, aber ob das ökoStrom ist der da raus kommt, wage ich zu bezweifeln. Kann aber die Tage mal bei rwe anhalten und fragen, liegt aufm weg bei mir.
Daher glaube ich schon, dass eAutos schlechter sind als ihr Ruf. Und den Tesla habe ich nur genommen um die Bandbreite abzudecken, der smart ist ja auch nicht mit nem Golf zu vergleichen.
Wie gesagt vielen Dank für eure Antworten, und ich will ja auch niemanden schlecht reden oder diffamieren. Ich schaue nur gern hinter die Kulissen und freue mich immer über kompetente GesprächsPartner wie hier, damit ich was dazu lernen kann. Danke dafür.


Ach ja noch zu deinem skoda fabia: Sind vermutlich nur die Plastenasen die die Scheibe auf den Scheren halten. Musst mal testen wenn beim betätigen des Hebers noch das Geräusch des kleinen Motors zu hören ist, dann sind es die Nasen. Bekanntes vw Problem, läßt sich problemlos mit nem Büroklammer
beheben, wenn das Geräusch nicht vorhanden ist, ist
es der Motor. Paar Euro aufm Schrott und halbe Stunde Einbau. Vermute mal Fahrerseite?
Scheibenwischer sollte ein durchgebrannter Steller sein? Manchmal dringt da gerne Nässe rein und die gehen kaputt. Wechsel ist nun Witz nur die Verkleidung muss man vorsichtig abmachen. In selteneren Fällen ist auch die Sicherung hin, aber hast du bestimmt schon geprüft. Müsste die Nr 15 sein, glaube 10A. Aber meist der Motor. Radio kann vieles sein. Geht Warnblinker und Zigarettenanzunder?
na sind bekannte vw bzw skoda Probleme. Manchmal reicht da schon ne Büroklammer für 1 Cent, also erstmal 1000 Euro sparen und probieren. Liegt meist daran. Hatte ich beim Golf zweimal schon.
Liebe grüße anguz

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Beitrag von Rosiel » 24. Jun 2015 22:18

Leider sind es bei mir die Motoren von den Fensterhebern bzw. vielleicht auch die Verbindung zu den kleinen Motörchen. Naja, demnächst wird er noch zu einem Freund gebracht, der sich nochmal etwas besser auskennt...

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