Gesellschaftlicher Impact von Filmen & Kunst an sich

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vegabunt
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Beitrag von vegabunt » 28. Feb 2020 23:21

Shub-Niggurath hat geschrieben:
28. Feb 2020 22:57
Ihr habt genug Arbeit in eurer Gesellschaft vor euch.
Du gehörst da ebenso dazu, warum nimmst gerade du dich davon aus?

Shub-Niggurath hat geschrieben:
28. Feb 2020 22:57
Ach, das waren dann bestimmt die hundertzweiundvierzig anderen Genres, die noch gesäubert werden müssen...Gegenwehr jetzt!
Du redest von Säuberung.

Ich rede davon solche Werke bewusst und freiwillig nicht mehr zu kaufen oder konsumieren. Die Ursachen sind überdies schon länger bekannt und es gibt nicht wenige, die sich jeden Tag damit beschäftigen wie wir die schädlichen Auswirkungen in der Gesellschaft von Beginn an minimieren können. Ich zähle mich diesen zugehörig.

Es geht mir jedoch nicht im Entferntesten darum, Kunst als "die alleinige Schuldige" darzustellen , so wie du das häufiger unterstellst. Überdies, die Medien sind heutzutage ein gut geöltes Rädchen im Spiel, um solche Verhaltensentgleisungen populär zu machen / halten. Aus dem einzigen Grund möglichst viel Geld zu machen, und das unterstelle ich besagten Rappern ebenso.

Nun einfach zu sagen "Kunst darf alles, weil Kunst alles darf", wäre jedoch schon sehr beschränkt.

Kim Sun Woo hat geschrieben:
28. Feb 2020 23:15
nur um dann, siehe oben, festzustellen, daß etliche von denen tatsächlich so ätzend sind, wie sich in ihrer Musik geben - da hat es nie eine bewußte Diskrepanz zwischen "Figur" und "Realität" gegeben)
Alles andere würde mich dann doch sehr erstaunen. Es sei denn, es ginge um eine spezielle Form von (für mich nicht erkennbare) Satire.
On ne voit bien qu'avec le coeur, l’essentiel est invisible pour les yeux. Le petit prince

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Shub-Niggurath
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Beitrag von Shub-Niggurath » 28. Feb 2020 23:34

Das war eben nicht der Punkt, Kim Sun Woo. Es geht hier speziell um den Unterschied zwischen einer kreativen Auseinandersetzung mit Gewalt und der Anwendung von Gewalt im Alltag. Soll heißen: Es ist nicht cool, wenn Bonez seine Freundin schlägt, es ist aber völlig zulässig, dass er einen Song darüber schreibt, wie er seine Freundin schlägt. Das Spiel mit der Authentizität ist leider ein weit verbreiteter Missgriff, den man z.B. schon bei Karl May finden kann, letztlich aber ein Abfallprodukt der Aufklärung, die eine Überlegenheit der vermeintlichen Wirklichkeit (im Gewand der Naturwissenschaften) über die Phantasie postulierte. Der Lösungsansatz liegt nun gerade nicht darin die Vorstellung auf die graue Sackgasse der vermeintlichen Realität zu beschränken, sondern den Unterhaltungs- und Kunstrezipienten darin zu bestärken, sich von Krücken wie "Based on a true story" zu befreien und den Thrill nicht in einer möglichst genau nachempfundenen Pseudo-Wirklichkeit zu suchen, wie du es in den Genres Punk und Rap besonders häufig anzutreffen glaubst.
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.

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Shub-Niggurath
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Beitrag von Shub-Niggurath » 28. Feb 2020 23:43

vegabunt hat geschrieben:
28. Feb 2020 23:21
Shub-Niggurath hat geschrieben:
28. Feb 2020 22:57
Ihr habt genug Arbeit in eurer Gesellschaft vor euch.
Du gehörst da ebenso dazu, warum nimmst gerade du dich davon aus?

Shub-Niggurath hat geschrieben:
28. Feb 2020 22:57
Ach, das waren dann bestimmt die hundertzweiundvierzig anderen Genres, die noch gesäubert werden müssen...Gegenwehr jetzt!
Du redest von Säuberung.

Ich rede davon solche Werke bewusst und freiwillig nicht mehr zu kaufen oder konsumieren. Die Ursachen sind überdies schon länger bekannt und es gibt nicht wenige, die sich jeden Tag damit beschäftigen wie wir die schädlichen Auswirkungen in der Gesellschaft von Beginn an minimieren können. Ich zähle mich diesen zugehörig.

Es geht mir jedoch nicht im Entferntesten darum, Kunst als "die alleinige Schuldige" darzustellen , so wie du das häufiger unterstellst. Überdies, die Medien sind heutzutage ein gut geöltes Rädchen im Spiel, um solche Verhaltensentgleisungen populär zu machen / halten. Aus dem einzigen Grund möglichst viel Geld zu machen, und das unterstelle ich besagten Rappern ebenso.

Nun einfach zu sagen "Kunst darf alles, weil Kunst alles darf", wäre jedoch schon sehr beschränkt.

Kim Sun Woo hat geschrieben:
28. Feb 2020 23:15
nur um dann, siehe oben, festzustellen, daß etliche von denen tatsächlich so ätzend sind, wie sich in ihrer Musik geben - da hat es nie eine bewußte Diskrepanz zwischen "Figur" und "Realität" gegeben)
Alles andere würde mich dann doch sehr erstaunen. Es sei denn, es ginge um eine spezielle Form von (für mich nicht erkennbare) Satire.
Ich spiele nicht eure Spiele. Ich tanze nicht eure Tänze. I'm not human. Somit auch nicht Teil eures Vereins.

Ja, alles was ich von dir zu diesem Thema lese, riecht nach Säuberung. Blütenweiß, von Kernseife in die Besinnungslosigkeit geschrubbt, bis alles nicht mehr Genehme, das Doppelplusungute, das nicht Löbliche ausgemerzt wurde, um dann den Himmel auf Erden zu errichten. Leider wird man dann ziemlich schnell merken (aber es jahrzehnte- oder jahrhundertelang nicht zugeben), dass die Probleme immer noch auf dem Planeten wüten, man aber den einzig zuverlässigen Rückzugsort erst reglementiert und dann zerstört hat. Weint bittere Tränen im Angesicht eurer vertrockneten Welt.
Zuletzt geändert von Shub-Niggurath am 28. Feb 2020 23:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Shub-Niggurath » 28. Feb 2020 23:48

Ah, das kommt doch wie gerufen:

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Beitrag von Kim Sun Woo » 29. Feb 2020 00:09

Shub-Niggurath hat geschrieben:
28. Feb 2020 23:43
Ich spiele nicht eure Spiele. Ich tanze nicht eure Tänze. I'm not human. Somit auch nicht Teil eures Vereins.
:roll:
Shub-Niggurath hat geschrieben:
28. Feb 2020 23:34
[...] wie du es in den Genres Punk und Rap besonders häufig anzutreffen glaubst.
das brauchst du gar nicht so zu formulieren. faktisch wird "Authentizität" gerade in den genannten Bereichen besonders betont bzw. für wichtig gehalten (nochmal: selbst wenn das vielleicht auf dich überhaupt nicht zutrifft).

(und ich halte es auch für wenig sinnvoll, jemanden als "Kunstfigur" zu begreifen, der dies selbst gar nicht tut. sondern vielleicht sogar noch ganz im Gegenteil darauf pocht, wie "echt" er ist)
Man hat jeden Tag die Chance die bestmögliche Version von sich selbst zu sein. ♥

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Beitrag von Shub-Niggurath » 29. Feb 2020 00:20

Kim Sun Woo, "Authentizität" wird in diesen Bereichen nur von Leuten für wichtig gehalten, die nicht an Musik interessiert sind. Erstaunlicherweise ist das nicht die Mehrheit. Ich verweise nur mal auf die Welle an echtem Gangsta Rap, nach dem Erfolg von Aggro Berlin, deren (also Aggro Berlins) Künstler im herkömmlichen Sinne fake waren. Du hattest nun die Dealer, Messerstecher, Straßenjungs, deren Geschichten man sich vorher nur geborgt hatte, aber musikalisch ging da gar nichts. Man hört halt nicht, ob jemand abgestochen oder neun mal von Kugeln getroffen wurde, sondern ob er Musiker ist oder nicht. Das bringt vielleicht zu Beginn ein paar Pluspunkte bei wankelmütigen Modekiddies, letztendlich wollen sie aber einen guten Rap über Gewalt und nicht Gewalt an sich.
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Beitrag von vegabunt » 29. Feb 2020 09:45

Shub-Niggurath hat geschrieben:
28. Feb 2020 23:43
I'm not human. Somit auch nicht Teil eures Vereins.
Sehr aufschlussreiche Schutzbehauptung vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet. 8-)
Ebenso deine hochstilisierten Angstbilder mit einer für mich sehr eingeengten Sicht einer möglichen Realität ohne omnipräsente Gewaltverherrlichung oder würdeloser, verachtender Umgang mit unseren Mitmenschen & Mitwelt.

Deine phantasievollen Befürchtungen auf eine langweilige Welt teile ich überhaupt nicht, wir Menschen haben wahrlich auch ohne Gewalt schon genug anderweitiges (Konflikt-)Potential, wir brauchen keine Waffen, Kriege und Erniedrigungen, um eine "interessante" Kunst und Welt zu gestalten.
Ebenso brauchen wir keine Schlachthäuser für unsere Ernährung, um einen Quervergleich anzustellen.


Zudem könnten wir die Energie, die wir in unsere Intrigen, globale "Auseinadersetzungen", Waffenproduktion, Armeen, usw. stecken, gut gebrauchen, um gemeinsam den Planeten zu retten. Ich weiss, eine Utopie, leider.

Aber so wie du gerne davon träumst, kein Teil der Menschheitsfamilie zu sein, träume ich davon, wie ein mögliche Lösung aussehen könnte und versuche es im Alltag so gut es mir möglich ist umzusetzen. Getreu dem Motto, wenn morgen die Welt untergeht, pflanze ich heute noch einen Baum.

Vielleicht ist unsere Sicht auf die Welt also gar nicht so arg verschieden. :mg:
Nur die daraus resultierenden Schlussfolgerungen sind anders. ;)
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Beitrag von Shub-Niggurath » 29. Feb 2020 11:04

Du verstehst nicht, wovon ich schreibe. Es geht nicht um eine interessante Welt, sondern um die Rodung eines Dschungels mit anschließender Einrichtung einer Monokultur, weil dir bestimmte Formen des Ausdrucks nicht genehm sind. Und zu allen Zeiten hat man vorgeschoben, dies geschehe zum Schutz der Menschheit, der Schwachen oder des Volkes. Mir ist dann auch egal, wer und von welcher Seite da mal wieder die Welt retten will, ob religiöse Eiferer, Faschisten oder Baumschmuser. Ihr hattet eure Gestaltungsmöglichkeiten in der "echten" Welt. Sieh dir halt an, was daraus geworden ist. Kein Bock auf noch mehr Heldentum. Finger weg! Bleibt doch einfach mal ruhig in euren Zimmern und genießt dieses Privileg.
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Beitrag von vegabunt » 29. Feb 2020 11:58

Shub-Niggurath hat geschrieben:
29. Feb 2020 11:04
Du verstehst nicht, wovon ich schreibe.
Doch, ich verstehe sehr wohl deine übergrosse Angst, dass du nicht mehr frei deinen geliebten Kunstsachverstand geniessen kannst, worauf du ja enorm stolz bist und welcher einen sehr grossen Anteil deines Lebensinhaltes zu sein scheint.

Genau dieser Stolz und das Denken, dass Kunst das allerwichtigste auf der Welt sei, scheinen es dir zu verunmöglichen in Ruhe darüber nachzudenken, welches meine wirklichen Anliegen fern der Reglementierung sind (der übliche Jugendschutz ausgenommen).

Das zeigen auch deine abenteuerlichen Unterstellungen, denn ich bin nicht für ein Verbot und will dir auch nichts wegnehmen, sondern plädiere für die innere Erkenntnis, dass menschenverachtende Machwerke grundsätzlich zu hinterfragen sind, vor allem dann wenn sie der Verherrlichung und nicht dem klaren Aufzeigen der darin liegenden Irrationalität dienen, da im höchsten Masse entwicklungshemmend.


Ich schreibe überdies davon, dass wir viel mehr Sorge tragen sollten, wie unsere Kinder aufwachsen, damit sie nicht ständig zu Objekten degradiert werden, sondern sich möglichst frei mit ihren ureigenen Talenten und Kreativität entwickeln können. Ebenso sollten wir ihnen ehrlich und mit aller nötigen Liebe & Geduld aufzeigen, welche Fehler wir als Menschheit gemacht haben (und immer noch machen), wie diese zustanden kamen und dass wir uns tunlichst weiterentwickeln wollen. Und genau weil dies nicht mit sorgfältiger Konsequenz getan wird, haben wir heute die mMn lebensbedrohliche, planetare Situation.

Also ganz genau das Gegenteil von dem, was du da in bizarrer Endlosschleife anlasten willst.

Ich habe auch nichts dagegen, wenn du zB. diese explizit frauenverachtenden Texte mit deinen grösseren Kindern/ Teenagern zusammen anhörst und ihnen erklärst, dass das jenseits von jeglicher Menschen-Würde und daher abzulehnen ist, u.a. weil dadurch nur noch mehr sinnlose Gewalt entsteht.

Mir tut es weh, wenn du diese Texte als grosse Kunsterrungenschaft feierst und es so hinstellst, als sei es jedermanns Freiheit, andere zu erniedrigen. Nur weil die Welt dadurch interessanter sei, ist nun mal kein zu Ende gedachtes Argument für Gewaltverherrlichung.
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Beitrag von Shub-Niggurath » 29. Feb 2020 12:33

Angst, entwicklungshemmend, Gewaltverherrlichung. Immer in Sorge um die Zukunft und die Kinder. Du stellst dich gerade in eine Reihe von Idioten, die man belächeln müsste, versuchten sie nicht, es immer für alle zu verderben. Man denke an US-amerikanische Eltern in den 1980ern, die Ozzy Osbourne (bzw. seine Musik) für den Suizid ihres Sohnes verantwortlich machen wollten. Jedes Mal, wenn Gesellschaft und Eltern versagen, können sie sich ihr Scheitern nicht eingestehen und suchen sich Sündenböcke. In den 50ern waren es Comics und Rock 'n' Roll, in den 60ern Hippies und Rockmusik, in den 70ern und 80ern Horrorvideos und Heavy Metal, in den 90ern "Killer"spiele und Techno/Raves, ab den 2000ern dann das Internet und deutschsprachiger Rap. Und natürlich immer Drogen! (Erinnert sich noch jemand an die Sekten-Hysterie?)
Künstler sind nicht die Nannies irgendwelcher Eltern, die weder Zeit noch Muße erübrigen wollen, um sich ihre Kindern zu widmen. Sterilisiert euch, das hilft vielleicht.
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