Abnabelung

Schwangerschaft, Kinder & Familienleben

Abnabelung

Beitragvon Lovis am 8. Mär 2018 13:02

Der Abnabelungsprozess schreitet in großen Schritten voran. Der KV zahlt seit Februar d. J. nur noch 111 Euro monatlich. Was okay ist, denn Paula ist 19 und hat nur zwei kleine Jobs, die ihr die Finanzierung ihres Auto ermöglichen. Sie macht im Haushalt so gut wie nichts von sich aus. Sie macht aber ohne zu Murren alles, wenn ich sie darum bitte. Mich nervt, dass ich immer bitten bzw. ihr sagen muss, was zu tun ist. Sie sieht doch den Abwasch, trotzdem macht sie ihn nicht, wenn ich nichts sage. Oder die Waschmaschine, die stundenlang blinkt und piept. Kann man da nicht mal auf die Idee kommen, die Wäsche rauszuholen und aufzuhängen? Offenbar nicht. Naja, darum soll es hier auch nicht gehen …
Wenn Kinder groß werden, übergibt man ihnen ja immer mehr Verantwortung. Auch für sich selbst. Jetzt habe ich (fast) komplett die Verantwortung für ihre Ernährung abgegeben. Es kann zwar noch immer passieren, dass ich ihr Obst schäle und zerteile (damit sie es überhaupt isst, das Kind braucht doch mal ein paar Vitamine!), aber im Großen und Ganzen halte ich mich raus. Letzte Woche hab ich auch noch die Zuständigkeit der Beschaffung abgegeben und das ist ein richtig gutes Gefühl! Ich war immer für die Einkäufe zuständig, klar. Viele Jahre vegetarisch für uns beide, seit 6 Jahren vegan für mich. Das war auch lange kein Thema. Vor ca. 3 Jahren wurde ihr Wunsch nach einer fleischlastigen Ernährung immer größer. Wir mussten einen Kompromiss finden, der sah so aus: Ich wollte es nicht beschaffen und auch nicht zubereiten. Also hab ich ihr Geld gegeben, damit sie für sich einkaufen kann. Die vegetarischen Sachen habe ich weiterhin eingekauft, allerdings in den letzten Jahren zunehmend ungern. Letzte Woche “passierte” es dann wieder: Paula war einkaufen (Mortadella, Schinken, Hackepeter, Salamipizza usw.) und fragte nach Geld dafür. Da hatte ich endlich die glorreiche Idee: Ich überweise ihr monatlich 100 Euro und sie kauft alles, was nicht vegan ist. Non-food wie Waschmittel, Seife, Toilettenpapier usw. und Lebensmittel, die wir beide benutzen wie z. B. Gewürze, Öle, Marmelade, Gemüse, Obst, Nudeln, Mehl usw. kaufe ich weiterhin für uns beide. Für mich ist das eine große Entlastung, nicht mehr im Blick haben zu müssen, ob noch alles da ist, was sie braucht. Ich neigte immer dazu, ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ihre Lieblingspizza nicht vorrätig war. Oder die Milch alle war. Oder die Eier. Oder wenn ich vergessen hatte, für sie Mozzarella zu kaufen. Sie war mit diesem Vorschlag sofort einverstanden. Ich fühle mich regelrecht befreit! Im August fängt sie ihre Ausbildung an, dann hat auch endlich die Rumgammelei ein Ende. Juhu!!
:cheer: :flower:
Zuletzt geändert von Lovis am 8. Mär 2018 14:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon VegSun am 8. Mär 2018 13:26

Also erstmal wollte ich sagen,
dass du dehr schön schreibst und du Kolumnen für online zeitungen/zeitungsblogs schreiben solltest.

Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht wie ich mit dem Thema umgehen sollte, bekomme ich doch schon ein schlechtes gewissen , wenn ich für andere Lebensmittel die vegetarisch sind mitzubringen und keine Ausrede zu haben
lehne es aber trotzdem nicht immer ab und das ist blöd,
je nach dem wo Leute hin gehen, wenn die nachdem ausgehen noch hunger bekommen und ich mit bin/war (was sehr selten vorkommt), ich bin da evtl. dann zu lasch, auch wenn dir leute auch selber bestellen könnten.

Mit dem geld für unveganes wüsste ich auch nicht genau,
ich glaub ich würd wollen das sie es sich selber verdienen, aber wenn man sonst geld zusätzlich gibt, weiß man ja nicht welcher teil für unveganes ausgegeben wird.
Zuletzt geändert von VegSun am 9. Mär 2018 00:03, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Lovis am 8. Mär 2018 15:54

Danke für das Kompliment, VegSun. :blush:
"Eigentlich" möchte ich auch, dass sie ihr unveganes Zeugs selbst bezahlt. Mehrere Tage und Nächte hab ich hin und her überlegt ...
Aber letztendlich geht es eh nur um 5 Monate. Ab August hat sie ein eigenes regelmäßiges Einkommen und dann werden die Karten neu gemischt.
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Beitragvon katjes am 8. Mär 2018 18:58

Das hört sich nach einer guten Lösung an. Ich finde 100€ für Lebensmittel allerdings sehr viel, wenn ich bedenke, dass du fast alle Grundnahrungsmittel weiter kaufst.
Bezüglich Abnabelung: mein Sohn macht gerade Fachabi und bekommt nun 120€ für alles außer Lebensmittel und Schulbücher. Da er eine Übergangszeit zum Studium haben wird, verlangen der KV und ich, dass er in der Zeit mindestens einem 450€ Job nachgeht.
Wird sie etwas abgeben müssen, wenn sie eine Ausbildung anfängt?
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Beitragvon Lovis am 9. Mär 2018 11:15

katjes hat geschrieben:Wird sie etwas abgeben müssen, wenn sie eine Ausbildung anfängt?


Ja, dann auf jeden Fall.
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Beitragvon mashisouk am 11. Mär 2018 11:18

Erstmal möchte ich mich VegSun anschließen: ich liiieeeebe deine Beiträge, du schreibst so toll und ich hefte innerlich deine Beiträge ganz oft ab unter: merken für später.
Vielleicht packt es dich ja eines Tages und du beginnst einen blog. Also, ich wär dein Fan.
Ich merke an deinen Beiträgen, daß das Leben mit Kindern immer eine Herausforderung ist. Wenn ich gefragt werde, wie alt meine Kinder sind, bekomme ich oft zur Antwort: uhh, Pubertät.... schwierig, sehr schwierig.
Und klar, manches ist schwierig und wir sind ja erst am Anfang (Tochter ist 13). Aber vieles ist noch einfach. Essen zB. Ich kaufe ein und ich koche. Find ich manchmal auch ätzend, aber noch ätzender ist, wenn der KV sich alle Schaltjahre einmischt. Ansonsten gibt es einfach das, was ich hinstelle. Noch hat keines meiner Kinder den Antrieb, sich selbst Nahrungsmittel zu besorgen.
Helfen im Haushalt machen beide auch eigentlich nur nach Aufforderung. Kürzlich hab ich so allgemein gesagt: hier ist ja noch einiges zu tun heute. Keine Reaktion.
Ich bin dann in die Küche gegangen und habe gespült, Tochter kam mir nach und erzählt mir von der Schule, ihren Freundinnen, deren Freunden.... Ich spüle, trockne ab, fege die Küche... und musste innerlich ziemlich lachen, weil ich das in dem Moment schon lustig fand, wie sie mir so tapfer beim arbeiten zugeschaut hat. Ohne den geringsten Gedanken daran, man könnte Mama ja mal helfen. Aber als ich gebeten habe, das Wohnzimmer zu saugen, hat sie das gleich gemacht. Allerdings nicht ohne sich darüber auszulassen, daß Bruder ja niiieeeee hilft (was natürlich nicht stimmt).
Ich bin deshalb dabei ziemlich entspannt, weil eine Freundin mir kürzlich eine Geschichte erzählt hat. Ihre Kinder sind schon groß (19,21 und 22 Jahre alt) wohnen aber noch zu Hause. Meine Freundin arbeitet Vollzeit, ist aber abends als erste zu Hause und kocht dann für alle. Letztes Jahr war sie mit ihrem Mann zwei Wochen im Urlaub. Also sie zurückkamen, wurden sie fröhlich begrüßt, es wurde Kaffee getrunken, die Koffer ausgepackt. dann fragte der Sohn: was gibts heute zu essen?
Meine Freundin war etwas konsterniert und erinnerte daran, daß sie eben erst aus dem Urlaub zurückgekommen sei, immerhin hätte die Brut sich die letzten zwei Wochen ja auch selber versorgt.
Ja, sagte die Brut, das sei richtig. Aber jetzt ist doch Mama wieder da....
Ich hab gelernt: vermutlich ist es überall das gleiche.
Und ich sag dir noch was: inzwischen find ist es fast schön, wenn da eine Mama ist, die sich kümmert, auch wenn man schon groß ist. Meine Mama ist auch nett und so. Fürsorglich und liebevoll ist sie eher nicht. Wenn wir ein Familientreffen haben, dann erinnert sie mich immer daran, daß ich mir genug zu essen mitbringe. Für die restliche Familie bestellt sie was oder mein Vater kocht. Und das ist natürlich in Ordnung, es werden ja alle satt.
Aber letztes Jahr hatte meine Tante zum Familienfest eingeladen und mir Bescheid gegeben, daß ich bloß nichts zu essen mitbringen soll. Es gab dann Chili con carne für alle und für mich chili sin carne. Auf zwei Kuchen steckten kleine Vegan-Schildchen und sie hatte vegane Sprühsahne besorgt.
Ich hab selbst heute, wo ich das schreibe, noch Rührungstränchen in den Augen. Ich fühlte mich so verwöhnt und gepampert und umsorgt....
Natürlich will ich nicht, daß meine Kinder unselbstständige, abhängige Erwachsene werden. Aber sich mal von Mama verwöhnen lassen.... was ist schon dabei?
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Beitragvon illith am 11. Mär 2018 13:23

:heart:
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Beitragvon Lovis am 11. Mär 2018 14:13

Danke, liebe Mashi! :blush: Ich habe noch nie darüber nachgedacht, einen eigenen Blog ins Leben zu rufen. Ich wüsste gar nicht, was ich da immer schreiben sollte …

Mir ist jetzt nicht ganz klar, worauf du dich in deinem Beitrag beziehst. Meinst du, ich bin zu streng mit Paula, weil sie für sich selbst einkaufen soll?
Ich denke, sie hat es trotzdem recht gut hier. Ich bin gern für sie da und auch ihre Freundinnen und Freunde waren und sind hier immer willkommen. Einige von ihnen haben hier vorübergehend gewohnt (von einigen Tagen bis zu zwei Monate), wenn sie zu Hause Ärger hatten. Ihre beste Freundin Lilli hat hier jahrelang jedes Wochenende verbracht. Die Eltern waren froh, dass sie ihre Ruhe hatten, die beiden Mädchen fanden es toll und noch heute bin ich für Lilli die “zweite Mama” und sie ist meine “zweite Tochter”. Es gab eine Zeit - kurz nach dem Wechsel aufs Gymnasium - da entstanden neue Kontakte und ihre neuen Freundinnen kamen allesamt aus gut betuchten Familien mit eigenem Haus mit tollem Garten, Swimmingpool, riesigen Autos, mehrmals im Jahr Urlaubsreisen und natürlich immer die teuersten Markenklamotten. Das war eine schwierige Zeit. Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus (3ZKBB), hatten ein klappriges uraltes Auto und fuhren nie in den Urlaub.
Und dann fängt die Mutter auch noch mit vegan an. Und hört mit dem Haare färben auf. Ich bin weit und breit die einzige Mutter mit grauen Haaren!
Tja, sie hat es nicht immer leicht gehabt mit mir. Inzwischen sind das aber keine belastenden Themen mehr. Ich denke, wir wissen, was wir aneinander haben! :heartflag:
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Beitragvon mashisouk am 12. Mär 2018 10:08

Liebste Lovis, nicht eine Sekunde lange dachte ich, daß du zu streng bist. Ganz im Gegenteil bist du in vielerei Hinsicht mein Erziehungs-Vorbild!!!!
Im ersten Teil wollte ich dir nur sagen, daß es anscheinend normal ist, daß unsere Kinder nicht ohne Aufforderung im Haushalt helfen.
Dann kam ich ins schwallern und habe mich auf nichts mehr bezogen, außer auf die Dinge, die mir so in den Sinn kamen. Meine Schwester stand schon mal vor mir, hat mir an die Stirn getippt und gesagt: Da drin mag das ja einen Sinn ergeben - aber ich bin hier draussen.
Tut mir leid, wenn ich den Eindruck erweckt habe, die Strenge unterstellen zu wollen.
Ich bin sehr sicher, daß deine Tochter ein Riesenglück mit dir hat. Trotz grauer Haare. :D
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Beitragvon Lovis am 12. Mär 2018 14:16

mashisouk hat geschrieben:Meine Schwester stand schon mal vor mir, hat mir an die Stirn getippt und gesagt: Da drin mag das ja einen Sinn ergeben - aber ich bin hier draussen.


:laugh: Der ist gut, den merk' ich mir!
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