Starke Blähungen und schlechter Stuhlgang

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krimut
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Starke Blähungen und schlechter Stuhlgang

Beitrag von krimut » 2. Feb 2021 20:42

Hallo,

ich bin seit November 2019 Vegetarierin und seit
Herbst 2020 ernähre ich mich vegan.
Bis dahin hatte ich überhaupt keine Probleme mit meiner Verdauung. Im Gegenteil. I hätte theoretisch kein Toilettenpapier benötigt.
Seitdem ich komplett auf tierische Produkte verzichte, leide ich unter ständigen, stark riechenden Blähungen, und mein Stuhl ist auch nicht mehr so sauber wie vorher. Manchmal bekomme ich auch Bauchkrämpfe und brauche viel länger auf der Toilette.
Früher, nach dem Stuhlgang, hatte ich das Gefühl, dass der Darm jetzt wirklich leer ist, jetzt ist es nicht mehr so.
Allergien bzw Unverträglichkeiten habe ich keine.

Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen?
Bzw weiß jemand was ich tun kann?

Liebe Grüße und Danke

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Lovis
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Beitrag von Lovis » 3. Feb 2021 08:53

Hallo krimut,

das ist ein viel diskutiertes Thema. Vielleicht findest du hier hilfreiche Infos:

Darmprobleme und Maßnahmen

Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 3. Feb 2021 14:28

Ich bin nach über 12 Jahren mit der veganen Ernährung geneigt zu sagen, dass die Schwachstelle der Ernährung die Verdauung ist.
Pflanzliche Lebensmittel sind die Haupt-Quelle
für FODMAP ( „fermentierbare Oligo-, Di-, Monosaccharide und Polyole“) die ordentlich Stress machen können, bis hin zum Reizdarmsyndrom.
FODMAPs werden im Dünndarm nicht oder nur unvollständig resorbiert und gelangen so in den Dickdarm und werden dort von Darmbakterien fermentiert, wobei Gase entstehen, die den Darm aufblähen. Außerdem wirken FODMAP osmotisch und ziehen Wasser in das Darmlumen, wobei Verstopfungen (Obstipations-Typ, IBS-C) begünstigt werden.

Symptome beim Reizdarmsyndrom

- Bauchschmerzen
- Krämpfe
- Blähungen und Flatulenz
- Blähbauch
- Durchfall (Diarrhö-Typ, IBS-D)
- Verstopfung (Obstipations-Typ, IBS-C)
- Durchfall und Verstopfung (Mix-Typ, IBS-M)
- Völlegefühl
- Gefühl der unvollständigen Entleerung
- Kopf- und Rückenschmerzen
- Schlafstörungen
- Angststörungen
- Depressionen
- Vegetative Überreizung
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Innere Unruhe und Nervosität
- Saures Aufstoßen, Sodbrennen
- Schluckbeschwerden
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Konzentrationsstörungen
- Appetitlosigkeit
- Herzstechen, Brustschmerzen
- Rheumatische Probleme
- Entzündungen und Schmerzen in Muskeln und Gelenken
- Dringliches Harnlassen
- Sexuelle Funktionsstörungen
- Kreislaufbeschwerden

Hinzu kommen noch Antinährstoffe wie Lektine, Phytinsäure, Tannin, Oxalsäure, Saponin, Trypsin, Isoflavin, Solanin, die den Verdauungstrakt auch ordentlich belasten können.

Jedes vegane Lebensmittel beinhaltet Ballaststoffe (wenn man mal Öle und Zucker ausklammert).
Die DGE empfiehlt z.B. 30 Gramm am Tag und die wenigsten Mischköstler erreichen dies. Als Veganer ist es schwer "nur" 30g Ballaststoffe zu konsumieren. Mit Hülsenfrüchten, Nüssen, Gemüse und Obst ist man schnell bei 60g, 80g oder gar 100g.
Doch nicht jeder Mensch verträgt diese Mengen an Ballaststoffe, sodass eine Reduzierung auch eine Entlastung für den Darm darstellt.
Interessanterweise hilft eine ballaststoffarme Ernährung auch bei chronischer Verstopfung.
Das Gegenteil wird immer gepredigt...
Stopping or reducing dietary fiber intake reduces constipation and its associated symptoms
Kok-Sun Ho, Charmaine You Mei Tan and Francis Seow-Choen
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3435786/

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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 3. Feb 2021 19:35

krimut, denke auch, dass zuviel oder falsche Ballaststoffe das Problem sind. Wie Sphinkter gesagt hat, solltest du es mal mit (veganer) low FODMAP Kost versuchen. Dabei gibt es drei Phasen:

1) Eliminationsphase. Hierbei werden sämtliche Ballaststoffe stark eingeschränkt, um den Darm zu entlasten und hoffentlich eine deutliche Besserung zu erreichen. Da Ballaststoffe aber allgemein schon gesund sind, sollten sie nicht langfristig so stark begrenzt werden.

2) Provokationsphase. Nun wird für jede FODMAP-Gruppe einzeln durchprobiert, wie hoch das persönliche Limit ist. Denn meistens wird zumindest eine kleine Menge eben doch toleriert. Die Gesamtmenge aller aufgenommenen Ballaststoffe muss natürlich auch im Blick behalten werden.

3) Erhaltungsphase. Nun kennst du deine Grenzen und kannst deine Ballaststoffaufnahme in der Menge einpegeln, wie es für dich akzeptabel ist.

Kurzfristig solltest du alle offensichtlich blähenden Lebensmittel stark begrenzen oder ganz weglassen, selbst wenn du sie durch "weniger gesunde" Produkte austauschen musst (z. B. Weißbrot statt VK-Brot, Fake-Vleisch statt Bohnen, etc.). Auch solltest du den Rohkostanteil deiner Ernährung stark begrenzen und das meiste vorher kochen oder Dünsten. Dann sollte es dir binnen wenigen Tagen wesentlich besser gehen!

Viel Glück!
"The greatest obstacle to discovery is not ignorance - it is the illusion of knowledge." - Daniel J. Boorstin

"If you want to be more successful, double your failure rate. Success lies on the far side of failure." - Thomas J. Watson

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