Darmprobleme und Maßnahmen

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Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 29. Jul 2019 00:12

Und hier die neuste, heisse Sache

Starch- and sucrose-reduced diet (SSRD)

https://www.mdpi.com/2072-6643/11/7/1662/htm

Eine randomisierte, kontrollierte Interventionsstudie!

"Half of the participants changed from moderate/severe IBS/FGID to no/mild IBS/FGID according to the total IBS-SSS scores."

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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 29. Jul 2019 07:13

Sphinkter, der letzte link ist hochinteressant. Hier die Ernährungsratschläge an die Interventionsgruppe:
Briefly, all forms of sucrose-containing food, e.g., sweets, cakes, jam, and juice, were to be avoided. The content of starch should be reduced with less intake of cereals, but more intake of meat, fish, egg, and dairy products. Lists of suitable fruits and vegetables with less starch content were given (Tables S2 and S3). The content of gluten and lactose in the ingested products were unrestricted. Fiber-rich bread, raw rice, and fiber-rich pasta were preferred instead of white bread and ordinary rice and pasta, to delay the nutrient transport through the GI tract. Adding fat and/or protein to starch-rich foods was also recommended, in order to further delay GI transport and enhance starch tolerance through longer exposure to digestive intestinal enzyme activity in the small intestine. The patients were encouraged to eat slowly and chew their food properly, to increase the secretion of amylase, which can contribute to degradation of starch. Sweets and cakes were to be replaced with nuts in the case of sweet cravings.
Das hört sich in etwa wie Nicolai Worms "LOGI-Kost" an, und könnte eine Erklärung liefern, warum es dir in der Vergangenheit mit vielen tierischen Produkten besser ging. Da du den Verzehr tierischer Produkte momentan aber wenn überhaupt dann nur als allerletzte Option betrachtest, gibt diese Empfehlung eventuell auch viele Hinweise, wie ein ähnlicher Effekt auch vegan erzielt werdden kann. Zwischen den Zeilen klingt heraus, dass die Ursache für die erreichten Verbesserungen in der Reduktion des GI der verzehrten Kost liegen könnte (wie auch in der LOGI-Kost angestrebt). Sollte dem so sein, gibt es einige einfache Interventionen, die du leicht umsetzen kannst:
- Komplettverzicht auf zugesetzten Zucker (auch Glukose!)
- KH-Quellen von vorneherein nach niedrigem GI auswählen
- Zubereitungsart/Verarbeitungsgrad berücksichtigen (Porridge aus kleinblättrigen Haferflocken hat einen viel höhren GI als kalt gegessene grobe HF)
- zu Beginn einer Mahlzeit Gemüse, protein- und fettreiche Speisen, KH erst am Ende (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3882489/)
- viele Gewürze (z. B. Amla, Zimt) und andere Supps dürften ebenfalls hilfreich sein, wenn du diese verträgst

Dann gibt es da zwei Kontroversen, wo ich nicht durchblicke:
- Einerseits geben die Studienautoren den Ratschlag, mit KH-reichen Lebensmitteln zusammen fett- und proteinreiche Produkte (v. a. tierische) zu verzehren, da dies den GI senke. Andererseits gibt es aber auch die genau entgegengesetzte Ansicht einiger veganer Gurus (Barnard, Greger), dass Verzehr zusammen mit tierischem Protein/Fett den GI steigert, und nicht senkt. Quellen für diese kontraintuitive Ansicht:
clip: https://nutritionfacts.org/video/what-c ... esistance/, eigentlich fast alles von hier: https://nutritionfacts.org/video/what-c ... esistance/, https://www.medicalnewstoday.com/articles/323518.php
- Zudem raten die Studienautoren zu MEHR statt zu WENIGER Ballaststoffen - obwohl diese gerade bei FODMAP-verursachtem IBS problematisch sein könnten.

Nach deinen Vorerfahrungen zeichnet sich ab, dass bei deinen individuellen Problemen wohl die verstärkte Inklusion von Protein und Fett, und die Reduktion des Ballaststoffanteils vorteilhaft sein könnte. Andererseits wäre es natürlich mal einen Versuch wert, recht radikal in die andere Richtung zu gehen - wobei du das meines Wissens schon öfter versucht hast, jeweils mit negativen Konsequenzen.

PS: Eien Aktualisierung des LOGI-Buchs ist übrigens in der Mache - hoffe nur, dass es auch vegane Optionen geben wird: https://www.amazon.de/Die-neue-LOGI-Di% ... way&sr=8-7
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Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 29. Jul 2019 08:32

HV, das war jetzt Gedankenübertragung.
Genau das Zitat wollte ich gerade auch, beginnend mit Briefly, posten:)

Die Kontroverse bezieht sich eher auf Protein, weshalb Diabetiker auch Protein und weniger das Fett in die Insulindosis einrechnen müssen. Joghurt hat z. B. wegen dem Milchprotein einen höheren GI als Weizennudeln.

Ich finde die brandneue Studie aus Schweden mega interessant, nach 2 Wochen 50% der Teilnehmer kein oder viel weniger Reizdarm. Kontrollgruppe null Veränderung.
Ich halte meine Euphorie erstmal zurück, da ich mich immer sehr schnell auf sowas einschiesse. Aber deckt sich mit deiner Empfehlung etwas Low Carb zu gehen.
Klingt nach LOGI, auch in den LOGI Gruppen hört man, das Blähungen und Reizdarm besser wurden.
Können die Low Fat Ärzte, vor allem die Starch Solution, der Grund für meine Probleme sein? Gerade auf letztere bin ich immer wieder aus kulinarischen Gründen zurückgekommen...

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Sphinkter
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Beitrag von Sphinkter » 29. Jul 2019 16:26

Interessanterweise gibt es ein Anhang welches Obst und Gemüse gut toleriert werden.
Bei den "Verbotenen" sind wiederum einige Low FODMAP Vertreter dabei. Blicke da einer durch.

Nicht gut vertragen:
Black beans
Black-eyed peas Butternut
Carrots
Cassavas Chickpeas
Corn Yellow wax beans Garlic
Green peas Lentils
Kidney beans Lima beans
Navy beans Onion
Parsnips
Pinto beans Potatoes
Soybeans Split peas
Sweet potatoes Yams

Apple
Apricots Bananas
Cantaloupe Dates
Grapefruits Guava
Honeydew melon Mangos
Nectarines Oranges
Passion fruits Peaches
Pineapples

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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 29. Jul 2019 18:49

Diese Listen sind meiner Erfahrung nach immer nur Startpunkte - genau gepasst hat sowas auf meine Befindlichkeiten nie.
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Beitrag von Sphinkter » 30. Jul 2019 08:24

Schauen wir mal, gestern bin ich bei 313g Carbs gelandet, nicht wirklich Low Carb. Fällt mir schwer fettreiche Lebensmittel zu finden, die nicht Verstopfung verursachen, wie Nüsse. Meine Strategie ist aktuell die Nudeln in Öl zu schwenken, damit die Mahlzeit gehaltvoller wird. Hülsenfrüchte und Hummus sind erstmal raus. Nutze gerade Alsan grün, schmeckt gut, ist aber mit zwei E-Nummern eher ein Frankensteinfood. Olivenöl ist Geschmackssache. Alternativen ohne viel Omega 6? Kokos nehme ich auch nicht, habe schon genug gesättigtes Fett im Programm.
Ziel ist 200g Carbs. Wahrscheinlich ist 230g realistischer.

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human vegetable
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Beitrag von human vegetable » 30. Jul 2019 10:32

Bin sehr gespannt, wo du mit deinen Versuchen hinkommst... KH-lastige Mahlzeiten absichtlich mit Fett anzureichern wäre für mich eine große Überwindung (um nicht zu sagen: absolute Psychofolter), und würde so ziemlich mit allen Dogmen brechen, die meinen Alltag regulieren.

Aber als Experiment ist ja gerade sowas unbezahlbar, du wirst sehr schnell eine Rückmeldung haben ob es sich lohnt, scheinbare Gewissheiten zu überdenken.

Als hin- und hergerissener Beobachter kommt mir der gehässige Spruch in den Kopf: "Dumme Menschen lernen noch nicht mal aus den eigenen Fehlern, weise aus den Fehlern anderer." Bleibt hoffentlich abzuwarten, wie es sich mit meinem Lernverhalten aus den Erfolgen anderer verhält...
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illith
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Beitrag von illith » 30. Jul 2019 13:57

wenn ich nicht Fett und Carbs kombinieren dürfte, wäre mein Leben trostlos und grau. :mg: :mg:

Sphinkter, was spricht denn gegen Rapsöl?
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Beitrag von Sphinkter » 30. Jul 2019 14:48

Rapsöl ballert mir die schöne Omega 3/6 Ratio von 1/2 bzw. 1/3 kaputt. Da komme ich auf 1/7 Ratio und drüber.

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Beitrag von Sphinkter » 30. Jul 2019 14:57

human vegetable hat geschrieben:
30. Jul 2019 10:32
Bin sehr gespannt, wo du mit deinen Versuchen hinkommst... KH-lastige Mahlzeiten absichtlich mit Fett anzureichern wäre für mich eine große Überwindung (um nicht zu sagen: absolute Psychofolter), und würde so ziemlich mit allen Dogmen brechen, die meinen Alltag regulieren.

Aber als Experiment ist ja gerade sowas unbezahlbar, du wirst sehr schnell eine Rückmeldung haben ob es sich lohnt, scheinbare Gewissheiten zu überdenken.
Deine Bedenken verstehe ich nicht. Gerade das Fett bremst die Resorption und stellt einen konstanten Blutzuckerspiegel sicher und hilft bei der Vitaminaufnahme.

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