Ich kann das Anliegen absolut nachvollziehen. Da wir nicht das eine Leben gegen das andere tauschen wollen, ist es belastend, in Einrichtungen zu arbeiten, wo die einen Tiere geschützt und die anderen für deren Konsum geopfert werden. Das Problem betrifft uns als vegan lebende Menschen überall, beim Einsatz für Tiere und auch beim Einsatz für Menschen, in beiden Fällen liegt typischerweise eine omnivore und tiernutzende Struktur zugrunde, mit der wir dann sofort konfrontiert werden.
Grundsätzlich halte ich für den richtigen Schritt, vegane Alternativen zu schaffen. Früher gab es z.B. vegane Organisationen, die Spenden und Hilfsmöglichkeiten sammeln/koordinierten für Menschen in Not. Meines Wissens gibt es diese nicht mehr/kaum noch, eben weil dies typischerweise von anderen Organisationen umgesetzt wird, die über andere Ressourcen verfügen und sich so schlichtweg durchsetzen. So ähnlich ist das auch im Bereich Tierschutz. Letztlich sind alle Versuche, vegane Alternativen zu schaffen, bisher nicht auf Breitenbasis tragfähig gewesen. So kommen wir als Einzelne in das Dilemma, was tun?
Dabei bewegen wir uns weiterhin im Spannungsfeld "Rückzug, aus eigener Kraft in eigenen Strukturen" versus " Teilnahme und Versuch, auf die vorhandenen Strukturen einzuwirken. Beides ist mit Problemen verbunden. Der erst Weg ist erst einmal psychisch entlastend, aber wenn die eigenen Projekte dann doch keine Breitenwirkung entfalten und überall alles beim alten bleibt, tragen sie auch zu keiner grundsätzlichen Änderung bei. Der Ansatz, sich einfach in nicht vegane Projekte einzubringen, führt umgekehrt aber auch meistens dazu, dass die nicht veganen Praktiken fortbestehen und wir wenig erreichen.
Also sehe ich derzeit nur die Alternative, beides zu tun, sodass wir die Chancen maximieren, sowohl möglichst konsistent mit uns selbst zu sein und an Alternativen zu arbeiten, als auch in die Gesellschaft hineinzuwirken, um doch noch Akzente zu setzen. Dabei wäre gerade die Hundeernährung ein guter Weg, um Akzente zu setzen. Sachlage ist, dass vegane Hundeernährung einfach ist und es keinerlei Hinweise auf Gesundheitsschäden dadurch gibt, eher im Gegenteil. Wenn das Einrichtungen einmal selbst erleben, könnte es die Eingangspforte zu Veränderung sein.
Ich lebe in Kambodscha und wir haben aktuell bei uns 10 Straßenhunde aufgenommen. Deren virulentes Treiben ist das beste Beispiel dafür, dass vegan für Hunde problemlos ist und genau so reagieren auch die Leute, denen das vorher undenkbar war.
Dilemma: Vegan vs Tierschutz; oder: Was tun, wenn ich Hunde liebe?
guido
Hallo Guido,
danke für deinen durchdachten Beitrag – du sprichst vielen von uns aus der Seele. Dieses Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Integrität und der Realität nicht-veganer Strukturen ist wirklich belastend. Gerade wenn man täglich mit Tieren arbeitet, denen man helfen will, während im Hintergrund ein System weiterläuft, das andere Tiere ausbeutet, fühlt sich das wie ein ständiger innerer Konflikt an.
Dein Hinweis auf vegane Hundeernährung als potenziellen Hebel zur Veränderung finde ich sehr spannend. Es ist ein konkreter Ansatzpunkt, bei dem man mit Aufklärung und positiver Erfahrung viel bewirken kann – ohne gleich mit der „moralischen Keule“ zu kommen. Dein Beispiel mit den Straßenhunden in Kambodscha ist beeindruckend – genau solche Erfahrungen öffnen Türen und schaffen Glaubwürdigkeit.
Ich denke auch, dass der hybride Weg – also sowohl alternative Projekte schaffen als auch innerhalb bestehender Strukturen wirken – aktuell der beste Ansatz ist. Vielleicht ist es weniger ein „entweder/oder“ als ein „sowohl als auch“, bei dem jede*r seinen Platz und seine Möglichkeiten findet.
Danke für deine wertvolle Arbeit – und alles Gute dir und deinen Hunden!
Viele Grüße
danke für deinen durchdachten Beitrag – du sprichst vielen von uns aus der Seele. Dieses Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Integrität und der Realität nicht-veganer Strukturen ist wirklich belastend. Gerade wenn man täglich mit Tieren arbeitet, denen man helfen will, während im Hintergrund ein System weiterläuft, das andere Tiere ausbeutet, fühlt sich das wie ein ständiger innerer Konflikt an.
Dein Hinweis auf vegane Hundeernährung als potenziellen Hebel zur Veränderung finde ich sehr spannend. Es ist ein konkreter Ansatzpunkt, bei dem man mit Aufklärung und positiver Erfahrung viel bewirken kann – ohne gleich mit der „moralischen Keule“ zu kommen. Dein Beispiel mit den Straßenhunden in Kambodscha ist beeindruckend – genau solche Erfahrungen öffnen Türen und schaffen Glaubwürdigkeit.
Ich denke auch, dass der hybride Weg – also sowohl alternative Projekte schaffen als auch innerhalb bestehender Strukturen wirken – aktuell der beste Ansatz ist. Vielleicht ist es weniger ein „entweder/oder“ als ein „sowohl als auch“, bei dem jede*r seinen Platz und seine Möglichkeiten findet.
Danke für deine wertvolle Arbeit – und alles Gute dir und deinen Hunden!
Viele Grüße
Danke!!
Ich bewundere Menschen, die etwas selbst organisieren und auch andere für die eigene Idee begeistern können. Ich kann das nicht. Kann überhaupt nicht gut mit Menschen (bin evtl neurodivergent oder einfach unbegabt in diesem Bereich). Arbeite total gerne, eigentlich lieber als alles andere, aber jemanden in etwas zu überzeugen, zu überreden, zu führen - das kann ich nicht. Entweder gehe ich Konflikten aus dem Weg, ziehe mich zurück, oder mir "brennt die Sicherung durch" und ich streite mich so richtig mit dem Opponenten und verlasse die Kommunikation mit dieser Person "mit der Tür knallend" für immer.
Aber jemand muss auch im Hintergrund anpacken, putzen, sortieren, letztendlich spenden, oder? (So beruhige ich mich jedenfalls)
Habe mich gerade mit meiner Hündin bei Malteser für Besucherdienst angemeldet. Immerhin was Gutes, wenn auch nicht für Tiere, sondern für Menschen. Dafür könnte meine Maus mitmachen und daran Spaß haben (sie liebt Menschen und Schmuseeinheiten über alles). Mal sehen, ob wir eingenommen werden... Fragen kostet nichts.
Ich bewundere Menschen, die etwas selbst organisieren und auch andere für die eigene Idee begeistern können. Ich kann das nicht. Kann überhaupt nicht gut mit Menschen (bin evtl neurodivergent oder einfach unbegabt in diesem Bereich). Arbeite total gerne, eigentlich lieber als alles andere, aber jemanden in etwas zu überzeugen, zu überreden, zu führen - das kann ich nicht. Entweder gehe ich Konflikten aus dem Weg, ziehe mich zurück, oder mir "brennt die Sicherung durch" und ich streite mich so richtig mit dem Opponenten und verlasse die Kommunikation mit dieser Person "mit der Tür knallend" für immer.
Aber jemand muss auch im Hintergrund anpacken, putzen, sortieren, letztendlich spenden, oder? (So beruhige ich mich jedenfalls)
Habe mich gerade mit meiner Hündin bei Malteser für Besucherdienst angemeldet. Immerhin was Gutes, wenn auch nicht für Tiere, sondern für Menschen. Dafür könnte meine Maus mitmachen und daran Spaß haben (sie liebt Menschen und Schmuseeinheiten über alles). Mal sehen, ob wir eingenommen werden... Fragen kostet nichts.
Viele kleine Dinge ergeben ein großes Ganzes!Luna_R hat geschrieben: ↑11. Apr 2025 20:26Ich hoffe darauf... Vielleicht hilft mir das Universum damit. Wenn es sein soll.
Letztendlich könnte auch der Handmade-Kram nützlich sein, ein paar Euro bringen. Und Infomaterialien zum Verteilen bestelle ich mir, informiere mich gerade darüber. Mal ab und zu mit Hund in die Natur spazieren gehen und eine Mülltüte mitnehmen zum Müll aufsammeln, könnte man ja auch machen... Nicht jeder kann letztendlich ein Held sein und Leben retten, dafür muss man bestimmte Talente haben...
Wo ist da eigentlich ein ideologisches Problem?
"as far as possible and practicable" ...
Zudem ist es doch vegane Ideologie, dass Tiere nichts Böses tun können, da dies Überlegung und eines Wertesystems bedarf, die nur der Mensch hat. Wenn es also nicht böse ist, dass Tiere andere Tiere fressen, kann doch auch die Beihilfe zur nicht bösen Tat nicht böse sein.
Danach wäre die artgerechte Ernährung von Predatoren veganisch ok, auch das Füttern von Tieren in einem Zoo mit Mäusen etc. .
"as far as possible and practicable" ...
Zudem ist es doch vegane Ideologie, dass Tiere nichts Böses tun können, da dies Überlegung und eines Wertesystems bedarf, die nur der Mensch hat. Wenn es also nicht böse ist, dass Tiere andere Tiere fressen, kann doch auch die Beihilfe zur nicht bösen Tat nicht böse sein.
Danach wäre die artgerechte Ernährung von Predatoren veganisch ok, auch das Füttern von Tieren in einem Zoo mit Mäusen etc. .
Ich bin der Geist, der stets verneint