Umgang mit Nichtveganern

Allgemeine Fragen & Diskussionen zum Veganismus
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Happyflower_12
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Umgang mit Nichtveganern

Beitrag von Happyflower_12 » 9. Jan 2022 16:31

Liebe Forenmitglieder,
Ich bin aus meiner Familie die Einzige, die vegan lebt. Besonders am Anfang habe ich sie versucht, davon zu überzeugen. Ich habe ihnen erzählt, was ich herausgefunden habe. Ich dachte, dass meine Familie das verstehen würde und auch vegan wird. Doch das ist nicht der Fall. Jeder soll doch essen dürfen was er/sie will. So die Sichtweise meiner Familie. Ich habe ihnen auch gesagt, dass es so einfach nicht ist. Wenn ein Lebewesen dabei zu Schaden kommt, kann man nicht einfach sagen:" Ich entscheide, ob ich Leid verursache oder nicht." Meine Schwester ist die Einzige, die einsieht dass tierische Produkte immer Leid bedeuten. Sie ist 15 Jahre alt. Trotzdem isst sie noch tierische Produkte. Allerdings versteht sie meiner Meinung nach mehr als meine Eltern. Es ist schwierig zu verstehen, dass meine Familie weiterhin tierische Produkte essen wird. Mein Vater meinte auch, dass ich bei ihm nichts mehr erreichen werde. Auf die Frage warum sie unbedingt tierische Produkte essen müssen, weichen sie aus.
Dazu muss ich sagen, dass meine Familie hin und wieder vegane Gerichte isst. Trotzdem kommen 3 mal täglich Tierprodukte auf den Tisch. Ich verstehe es nicht. Natürlich gibt es Essgewohnheiten. Allerdings sind meine Eltern älter als ich. Sie müssten doch intelligenter sein und mehr verstehen als ich. Warum fällt ihnen der Widerspruch zwischen Tiere lieben und sie essen nicht auf?
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder Tipps für mich, wie ich mehr Verständnis für meine Familie zeigen kann? Das fällt mir nämlich unter der Tatsache dass fühlende Lebewesen für ihren Genuss sterben müssen schwer.
Ich danke euch, wenn ihr den ganzen Text gelesen habt.
Laura

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Ryuzaki
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Beitrag von Ryuzaki » 9. Jan 2022 17:35

Hallo,
Besonders zu Anfang ging es mir auch so. So blöd es ist, aber das einzige das da helfen kann ist Zeit und als gutes Beispiel vorangehen. Die sachlichen Infos haben sie jetzt (ob sie wollen oder nicht, so wie sich das liest), jetzt brauchen sie ein paar Erfahrungswerte, das vegan lecker ist und kein Verzicht. Mit militanten Überzeugungsversuchen werden sie wohl höchstens stur und essen erst recht weiter fleisch.
Such dir ein paar einfache, aber leckere Rezepte und koch ab und an für alle, ohne dabei das Thema vegan direkt anzuschneiden (außer jemand stellt von sich aus Fragen). Wenn andere kochen und das Gericht leicht vegan zu machen ist, bitte darum dass das auch vegan gemacht wird ("wir brauchen doch keine zwei Töpfe Soße, wir können einfach einen machen und statt dem Schuss Sahne Sojasahne nehmen"). Solche mentalen Umstellungen brauchen Zeit, immerhin haben deine Eltern ihr ganzes Leben lang erfolgreich verdrängt, was da auf ihrem Teller liegt und es ist schwer sich einzugestehen dass man jahrelang Leid verursacht hat.

Happyflower_12
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Beitrag von Happyflower_12 » 9. Jan 2022 18:30

Danke für die Antwort. Ja ich koche auch vegan. Ich kann mir auch vorstellen, dass es für meine Eltern schwer ist, weil sich niemand gerne so etwas eingesteht. Bei mir war das am Anfang auch so. Eigentlich habe ich auch eingesehen, dass Überzeugungsversuche nicht so viel bringen... Manchmal "überkommt" es mich dann doch, wenn z.B. meine Mutter mir zeigt, dass sie Fleisch aus Haltungsform Stufe 4 gekauft hat. Oder auf ein ansich veganes Gericht noch Käse gestreut werden muss... Ich habe inzwischen einen anderen Blickwinkel auf Tierprodukte. Für mich ist das einfach keine Nahrung mehr. Aber ich werde mich bemühen, die Tipps umzusetzen!

das Berteltier
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Beitrag von das Berteltier » 9. Jan 2022 19:13

Hallo Laura,

ich will jetzt nicht Psychology spielen, aber ich vermute bei Deinen Eltern und bei Deinem Schwesty mal ganz einfach eine kognitive Dissonanz. Das mache ich deshalb, weil das für das gewöhnliche Tieressy normal ist, wenn ich zurückdenke an meine vorvegane Zeit, dann war das nicht anders. Wichtig für Dich: Du bist erstmal nur für das verantwortlich, was Du tust und nicht für die Dinge, welche die Menschys in Deiner Umgebung machen. Also ist es wichtig für Dich, einfach konsequent Deinen Weg zu verfolgen. Es kann sein, dass die anderen meinen, Du hättest nur eine "spinnerte Phase", welche irgendwann schon wieder vergeht. Etliche sind vegan um irgendwie "hip" zu sein, die werden den Weg kaum so konsequent verfolgen. Also lass Dich einfach nicht beirren. Gehe aber zunächst nur den Weg für Dich.
Es ist logisch und auch bei den meisten Veganys normal, dass sie in ihrer veganen Anfangszeit versuchen ihre Umgebung zu missionieren. Das gelingt oft weniger gut, am allerwenigsten, wenn tier mit Vorwürfen oder Belehrungen kommt. Auf Angriffe, das ist eine logische Folge, wird jetier mit Verteidigung reagieren. Die Verteidigungshaltung bildet eine (mentale) Mauer. Je stärker die Angriffe, desto höher und stärker die Mauer und desto schlechter kommst Du mit Argumente durch.

Was Du tun kannst, immer wieder irgend welche Infos aufpoppen zu lassen, also Informationen über die Auswirkungen der Viehwirtschaft auf den Klimawandel, auf die Welternährungssituation, auf die Verschmutzung von Wasser, Böden, Überdüngung etc. Aber bitte nicht vorwurfsvoll. Wenn Du gute Broschüren heran bekommst, wie z. B. das V-Heft aber auch viele andere Beiträge, vielleicht auch ohne Tierrechtsbezug. Du kennst die Menschys, mit denen Du zu tun hast. Sind sie für bestimmte Bereiche empfänglich? Wenn z. B. fairer Handel ein Thema ist, dann Argumente, wie für die Fütterung unserer Nutztiere Regenwälder abgeholzt werden und die indigene Bevölkerung vertrieben und sogar ermordet wird. Aber immer sachlich, lasse bitte Vorwürfe weg. Es ist besser, wenn die Menschys selbst drauf kommen, Du nur kleine Denkhilfen gibst. Versuche auch, ob Du externe Inputs aktivieren kannst.

Dass Du Deine Familie in 2 Wochen veganisierst wünschst Du dir sicher, es ist aber eher unwahrscheinlich. Es dauert seine Zeit. Mit Deinem Vorbild, kleinen Infos, guten veganen Rezepten, gibst Du kleine Tröpfchen in ein Fass. Irgendwann ist es vielleicht voll genug, dass es überläuft und die Wandlung passiert. Das muss auch dann nicht exakt wegen Dir sein.

Es braucht bei Dir viel Nerven damit umzugehen, dass in Deiner Umgebung noch tierisches im Kühlschrank ist und Geduld. Ich wünsch Dir beides.
Ich betrachte die Schoah als das größte jemals begangene Verbrechen in der Menschheitsgeschichte.
Jegliche Leugnung, Verharmlosung oder Relativierung des Holocaust, auch bezogen auf andere Minderheiten wie z. B. die der Sinti und Roma, lehne ich ab.

Happyflower_12
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Beitrag von Happyflower_12 » 9. Jan 2022 20:17

Danke für eure Antworten. Ja es stimmt, dass Vorwürfe nicht gut sind. Es ist wichtig, trotz Empathie für die Tiere auch Empathie für die Menschen zu zeigen. Ich werde weiterhin versuchen, als Vorbild mein veganes Leben zu leben und auf Nachfragen Antworten zu geben.

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loll223
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Beitrag von loll223 » 1. Feb 2022 20:22

Tja, das ist zum einen Gewohnheit und auch eine gewisse Portion Ignoranz (ohne jemandem zu nahe treten zu wollen). Ignoranz, weil man die Informationen auf dem Präsentierteller bekommen hat was für Leid da verursacht wird und man nichts dagegen unternimmt und es nicht mal versucht.
Ich will deiner Familie auch gar nicht zu nahe treten wollen oder so. Ich wohne auch mit meiner Familie zusammen und die ernähren sich alle auch nicht vegan. Wir sind zu viert, ich bin die einzige Veganerin und auch erst seit kurzem. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Ständig sitze ich am Tisch und sehe wie sie totes Tier essen. Ich denke mir: Das war Mord, das ist totes Tier, das hat gelitten. Denen ist das egal. Obwohl sie wissen, dass es anders geht. Besonders .. ich will ihn gar nicht erwähnen.. isst Unmengen an tierischen Produkten und insbesondere Fleisch. Auf Fragen antworten die nur, dass es denen eben egal ist. Tja, dann ist das eben so. Ich ekele mich davor. Nein, auch das ist Ausbeutung. Natürlich mache ich das nicht. Vegan ist eh ethischer, wegen den Tieren. Diese Egalhaltung von denen ....
Jetzt habe ich schon so viel aus dem Nähkästchen geplaudert.
Akzeptier es einfach, du wirst es eh nicht ändern. Missionieren würde ich nicht. Studien haben ergeben, dass dann Omnivore nur schlechter über die Veganerinnen denken, wenn sie sich verurteilt fühlen (und Erfahrung zeigt dasselbe nochmal eindrucksvoll). Ich missioniere auch nicht. Ich erzähle denen nicht wirklich was darüber. Veganismus ist nicht wirklich Thema bei uns. Die akzeptieren, dass ich mich so ernähre. Ich würde nicht missionieren und dieses Thema nicht ständig anschneiden. (Etwas anderes ist es, wenn du von deiner Familie dafür angegriffen wirst, dass du dich vegan ernährst. Dann hast du jedes Recht, dich mit Fakten und Tatsachen zu wehren und sachlich Informationen zu verstreuen. Wie soll man sonst reagieren.. Aber solange du nicht angegriffen wirst, brauchst du dich auch nicht zu wehren.)
Kochen tue ich leider nicht für meine Familie und veganisiert wird auch nicht. Die Sahne kommt rein, ins vegane Gemüse wird dann nochmal nicht vegane Butter getan. Aber egal. Dann esse ich eben etwas anderes. Dann esse ich eben etwas, was doch vegan ist und nicht gerade von meiner Familie zubereitet wurde.
Es macht einen einfach wütend, dass da jemand so viel Fleisch isst. Für so viele Tierqualen und so viel Tierleid verantwortlich ist, und das dann auch noch einfach nur tut, weil diese Person es gerade für "toll" oder "cool" hält, solche Unmengen an Fleisch und tierischen Produkten zu essen. Leid, das vermeidbar ist.
Vielleicht sollte ich meine Selbstzweifel für mich behalten.
Vielleicht werde ich ja irgendwann anfangen die Diskussion über "Fleisch ist Mord" anzufangen. Eine Erinnerung ist, dass mir Fleisch gar nicht schmeckt genausowenig wie gebratener oder gebackener Fisch, ich HASSE Eier vom Geschmack her, und Milchprodukte.. davon wird mir schlecht - geschmacklich, Intoleranzen habe ich gar keine.
Das war jetzt viel Text. Mein Rat an dich ist einfach: Missioniere nicht, sprich das Thema Veganismus nicht von alleine an. Ich würde nicht mal darauf bestehen, dass leicht veganisierbare Gerichte veganisiert werden müssen. Ich würde es einfach so hinnehmen und etwas anderes essen, so wie ich es auch mache. Nicht-veganes Essen ist eh nicht lecker und gesund ist es auch nicht (egal was Leute ohne wissenschaftlichen Hintergrund darüber denken). Ich glaube, man braucht es nicht.
Schlimm ist es, wenn einem schlecht davon wird, was jemand anderes isst, man kann es ja schlecht verhindern (in dem Moment schon mal gar nicht, und missionieren schadet oft mehr als es hilft).

Darf ich fragen wie alt du bist? Ich meine, wenn du noch sehr jung bist, ist das schlimmer, weil du noch viel mehr Jahre hast das aushalten zu müssen.

Naja, fühl dich unterstützt.. und such dir deine Unterstützung (und wenn nötig auch Bestätigung) aus dem Internet. Da gibt es zuhauf Bestätigung für Veganerinnen, die man in der direkten Lebensumgebung oft nicht findet.

Liebe Grüße!
Ich bin loll223, bin weiblich, jung und fröhlich.

Happyflower_12
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Beitrag von Happyflower_12 » 21. Mär 2022 16:37

Danke für eure Antworten. Ich bin 21 und möchte aber nach meiner Ausbildung ausziehen.

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