Gefahren einer veganen Ernährung

Ernährung, Lebenswandel, Supplemente

Gefahren einer veganen Ernährung

Beitragvon Sphinkter am 26. Jul 2018 15:54

Ich habe gerade auf der Seite einer Ärztin, die sehr Paleo begeistert ist, einen Artikel über die Gefahren der veganen Ernährung gelesen. Das wäre nicht weiter tragisch, aber wenn man bei Google "Gefahren vegan" eingibt ist dies der erste Treffer. In der Hoffnung das dieser Eintrag im Forum dann Nr. 1 wird, ein paar Anmerkungen zum Artikel:

Auf der Homepage von Dr. Simone Bendig haben ich einen interessanten Artikel mit der Überschrift "Gefahren einer veganen Ernährung" gefunden.
Da ich Kritik ernst nehmen, habe ich mich mit dem Artikel auseinander gesetzt.
Ich muss leider feststellen, dass Frau Dr. Bendig viele Falschinformationen und Halbwahrheiten verbreitet, die ich an der Stelle korrigieren möchte.

1) Vitamin A
Laut Frau Dr. Bendig besteht die Gefahr eines Vitamin A Mangels, da in der veganen Ernährung nur das Provitamin A verfügbar wäre.
Hier gäbe es sehr schlechte Umwandlungsraten. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Umwandlungsrate wahrscheinlich bei 1:12 liegt.
Unterstellt man nun diese sehr schlechte Umwandlungsrate deckt ein Glas Karottensaft immernoch den Tagesbedarf an Vitamin A.
Durch den Konsum von Fett/Öl und Pfeffer wird die Umwandlungsrate deutlich verbessert.
Dass Vitamin A ein Problem für Veganer darstellt, ist daher falsch. Gute Kombinationen sind Karottensaft mit Nüssen, Süßkartoffeln mit Leinöl und Pfeffer.

2) Vitamin D
Frau Dr. Bendig unterstellt, das ein Vitamin D Mangel nur Veganer betrifft. Die Realität sind anders aus und kann in unterschiedlichen Quellen überprüft werden. Den kompletten Vitamin D Bedarf durch Schmalz, Fisch und Eigelb, Lebertran decken zu wollen ist schwer umsetzbar und gefährlich. So kann Lebertran eine Vitamin A Hypervitaminose erzeugen bzw. starker Fischkonsum mit einer Belastung von PCB, Dioxinen, Pestiziden, Quecksilber, Blei, Cadmium einhergehen.

3) Vitamin K2
Vitamin K2 ist kein lebensnotwendiger Mikronährstoff, eine Versorgung durch K1 ist bei einer pflanzlichen Kost sichergestellt. Es zeigte sich, dass Vitamin K2 das Risiko für Herzerkrankungen verringern kann, aber es besteht im Umkehrschluss keine Gefahr einer Vitamin K Mangelversorgung. Wer etwas grünes Blattgemüse mit etwas Öl konsumiert, bekommt genug Vitamin K.

4) Vitamin B12
Dass Veganer auf eine bioaktive B12 Quelle angewiesen sind, sollte mittlerweile bekannt sein. Zahlreiche angereicherte Lebensmittel machen eine Versorgung mit Vitamin B12 leichter.
Trotzdem gibt es anscheinend Veganer, die dies unterschätzen. Eine B12 Planung ist daher sehr wichtig.
Frau Dr. Bendig führt allerdings an, dass eine Studie zeige, dass 92% der Veganer einen B12-Mangel haben. Schaut man genauer, ist diese Studie von 1982 und jetzt 36 Jahre alt!
Man darf zur Recht erwarten, dass durch die Anreicherung von zahlreichen veganen Lebensmitteln und der umfangreichen Angebote an B12-Supplements und der besseren Informationen eine deutlich bessere Versorgungslage vorherrscht.
Die Zahlen von 1982 sind keine seriöse Grundlage eine heutige vegane Ernährung auf mögliche Mangelerscheinungen zu bewerten.

5) Zink
Auch hier führt Frau Dr. Bendig auf, dass Zink aus pflanzlichen Quellen schwer aufgenommen wird. Dies bedeutet aber nicht, dass eine adäquate Versorgung nicht möglich ist.
Gute vegane Zinkquellen sind Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorn, sodass der Bedarf gedeckt werden kann. Nur weil etwas schwerer zu erreichen ist, bedeutet es nicht, dass es unmöglich ist. Es ist kein verstärkter Zinkmangel unter Veganer bekannt (Foster, 2013)

6) EPA und DHA
Untersuchung zeigen, dass sich die DHA-Level mit einer konstanten Zufuhr von ALA steigern lassen (Ezaki, 1999). Ferner wurden die Umwandlungsversuche mit Fleischessern vorgenommen. Es zeigt sich, dass Vegetarier und Veganer höhere Umwandlungsraten haben (Welch, 2008).
Ausserdem gibt es DHA Öle welche direkt aus der Alge gewonnen werden, die leicht eine Versorgung für Veganer sicherstellen.
Ein Esslöffel Leinöl bringt genug ALA um den Körper zu versorgen.
EPA und DHA sind übrigens keine essentielle Stoffe, sodass keine Gefahr ausgeht, wie die Überschrift des Artikels unterstellt.

7) Arachidonsäure
Arachidonsäure kann aus Linolsäure (Omega-6-Fettsäure) endogen synthetisiert werden. Da eine hohe Zufuhr im Verdacht steht entzündliche Krankheiten zu fördern, sollte sie nicht in großen Mengen konsumiert werden. Da Arachidonsäure nicht essentiell ist und vom Körper selbst gebildet werden kann, besteht auch hier keine Gefahr eines Mangels bei ausgewogener Kost.


8) Cholesterin
Cholesterin wird vom Körper selbst hergestellt, eine externe Zufuhr ist nicht notwendig. Daher keine Gefahr für einen Mangel.
Das Veganer schlechtere Testosteronspiegel im Vergleich zu Fleischessern hätten ist ferner unwahr (Allen, 2000).
"Vegans had higher testosterone levels than vegetarians and meat-eaters".

9) Exzessiver Sojakonsum
Ich selbst esse kein Soja. Es ist daher eine Unterstellung, dass Veganer einen exzessiven Sojakonsum hätten. Ob Soja ungesund ist, wird in der Fachwelt umstritten diskutiert.

10) Aminosäuren und Vegane Ernährung hält wenig hochwertiges Protein
Pflanzenproteine wären keine kompletten Proteine, so Frau Dr. Bendig. Richtig ist aber, dass pflanzliche Lebensmittel alle essentielle Aminosäuren liefern. Eventuell sind sie in keinem guten Verhältniss für den Menschen, dies ist allerdings nicht relevant, da kein Mensch nur ein Lebensmittel am Tag isst. Durch die Kombination von Lebensmittel bekommt der Organismus alle essentiellen Aminosäuren in einem guten Verhältnis. Gute Kombinationen für eine hohe biologische Wertigkeit sind z.B. Bohnen und Reis, Bohnen und Mais, Hülsenfrüchte und Gemüse.
Durch den Konsum von Hülsenfrüchten, Gemüse, Vollkorn und Nüssen sind 100g Protein am Tag keine Herausforderung für einen Mann.

11) Es gibt keine Studie die aufzeigt, dass vegan gesünder wäre
Diese Studien sind vorhanden. So zeigte die Adventist Health Study 2 (Auswertung mit über 60.000
Teilnehmern), dass das Diabetesrisiko der Veganer nur etwa halb so hoch wie das der Fleischesser ist und Veganer ein um 16 % niedrigeres Gesamt-Krebsrisiko gegenüber den Mischköstlern hatten (34 % niedrigeres Risiko für frauenspezifische Krebsarten). Veganer hatten auch im Vergleich zu Fleischessern ein 50 % niedrigeres Risiko für Bluthochdruck.
In der EPIC-Oxford-Studie (Auswertung mit über 11.000 Teilnehmern) hatten Veganer die niedrigste Zahlen für Bluthochdruck. Sie zeigt ferner, dass das Gesamtrisiko für ischämische Herzkrankheiten bei Vegetariern etwa 30 % niedriger als bei Fleischessern liegt. Vegetarier/Veganer hatten gegenüber Nichtvegetariern ein geringeres Gesamtrisiko für alle Krebsarten.

12) Veganismus ist eine Ersatzreleigion
Dies ist eine Unterstellung, indem Einzelfälle verallgemeinert werden.

Fazit: Der Artikel von Frau Dr. Bendig ist schlecht recherchiert, voll fachlicher Fehler und stammt anscheinend aus Paleo-Büchern von Autoren die es auch nicht besser wissen.

Artikel mit Referenzen:
http://veganrobust.blogspot.com/2018/07 ... g.html?m=1
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Beitragvon Akayi am 26. Jul 2018 15:58

Klickbait?
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Beitragvon Sphinkter am 26. Jul 2018 16:02

Mag sein, musst du Frau Doktor fragen.
Ich verlinke die Seite nicht, denn dadurch verbessert sich das Ranking. Kann jeder mit Google selbst finden.
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Beitragvon Sphinkter am 26. Jul 2018 16:44

Wobei Arachidonsäure würde ich gerne diskutieren. Ist ja eine semiessentielle Fettsäure. Mangel sollte ausgeschlossen sein, ganz im Gegenteil scheint sie Entzündungen zu fördern.
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Beitragvon somebody am 26. Jul 2018 18:10

Sphinkter hat geschrieben:Arachidonsäure

https://www.vrg.org/journal/vj2017issue ... arians.php
Politicians are a lot like diapers. They should be changed frequently, and for the same reasons. - Benjamin Franklin
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Beitragvon Sphinkter am 26. Jul 2018 18:57

Aha danke.
Fazit: Wird bei den einen mehr bei dem anderen weniger umgewandelt. Begehrenswert sind sie nicht. Achte auf die Omega 3/6 Ratio.
Ein Mangel ist nicht bekannt, eher das Gegenteil.
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Beitragvon RoadOfBones am 26. Jul 2018 23:05

Es gibt irgendwo offizielle Zahlen zu Vit B12 Mangel in Deutschland. 10%der Bundesbürger haben einen Mangel. Und damit viel mehr Omnis als Veganer... Hmmm
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Beitragvon Akayi am 27. Jul 2018 04:53

Sphinkter hat geschrieben:Mag sein, musst du Frau Doktor fragen.

Das war an dich gerichtet. Zur Erinnerung:
somebody hat geschrieben:Sphinkter, würdest Du bitte dieses Clickbaiting unterlassen & stattdessen aussagefähige Threadtitel wählen. Darüber hinaus ist Eröffnen eines separaten Threads für jeden Veganismus unsachlich behandelnden Presse-/Blogartikel unangebracht.

Du hättest beispielsweise den gestigen taz Artikel & den heutigen Blogartikel in einen Thread mit der Überschrift unsachliche Medienberichte über Veganismus posten können. Künftig könnten dann vergleichbare Artikel von Dir & anderen UserInnen in diesem Thread gepostet werden.


BTW, bei der New York Post handelt es sich um eine konservative Boulevardzeitung, vergleichbar mit der dt Bild.
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Beitragvon Sphinkter am 27. Jul 2018 08:52

@ akayi

Bist du neuerdings Moderator?
Kann ich deinem Profil nicht entnehmen.

Klickköder locken mit reißerischen Überschrift um Klicks bzw. Einnahmen zu generieren, bieten aber kaum Informationen.
Im Thread geht es um die Homepage der Frau Doktor mit dem Titel und Inhalt der Gefahren einer veganen Ernährung. Ich habe dazu meine Sicht und entsprechende Studien gepostet. Dass hier Leser gelockt werden, die dann ohne Informationen "unbefriedigt" zurück bleiben, kann ich nicht erkennen.

Du bist gerne eingeladen auch fachlich etwas beizutragen und nicht schon nach 4 Minuten mir irgendetwas unredliches zu unterstellen.
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Beitragvon Sphinkter am 27. Jul 2018 08:56

RoadOfBones hat geschrieben:Es gibt irgendwo offizielle Zahlen zu Vit B12 Mangel in Deutschland. 10%der Bundesbürger haben einen Mangel. Und damit viel mehr Omnis als Veganer... Hmmm


Ich habe nur diese Studie aus UK
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/146 ... t=Abstract

Dort sind es ca. 10%, aber ältere Menschen Ü60. Das ist ja bekannt, da die Magensäure abnimmt und ältere Menschen, das B12 aus Tierprodukten nicht von den gebundenen R-Protein lösen können.
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