Arzneimittelskandale & gefährdete Arzneimittelsicherheit

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Arzneimittelskandale & gefährdete Arzneimittelsicherheit

Beitragvon fucktheflipflop am 11. Aug 2018 20:22

somebody hat geschrieben:
Sphinkter hat geschrieben:Ja klar, sind Medikamente unnatürlich. Ich rede jetzt von den Dingen, die dir ein Arzt verschreibt.

BTW, vor dem Hintergrund der aktuellen, möglicherweise lediglich die Spitze des Eisbergs darstellenden Arzneimittel- & Impfstoffskandale sollte sehr genau aufgepasst werden, dass der Halbgott in Weiß keine potenziell krebserregende Schadstoffe oder anderen Dreck enthaltene oder potenziell unwirksame Medikamente/Impfstoffe verschreibt. Insbesondere Finger weg von Generika dubioser Hersteller.

Medi- und Impfstoffskandale? da war mal was mit Schweinegrippe, aber sonst gibt es eigentlich recht wenig. Wie kommst du darauf, dass Generika vermehrt problematisch wären? DIese müssen ebenso wie die ursprünglichen Medikamente zugelassen werden. https://de.wikipedia.org/wiki/Generikum ... n_Generika Potenziell krebserregend ist so ziemlich alles, von Sonne über Soja, diverse Vitamine... Insofern wirkt die Aussage auf mich zunächst wie Verschwörungstheorie.
Sonst würde man wohl viel öfter von "Krebs durch Ratiopharm" hören.


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Beitragvon somebody am 11. Aug 2018 21:14

Hi fucktheflipflop,

aktuell zB:

Europäische & US Generikahersteller bezogen vermutlich mehrere Jahre hoch mit NDMA belastetes Valsartan (Blutdrucksenker, AT2 Antagonist, Originalmedikament Cordinate von Novartis) von chinesischen & indischen Chemieunternehmen. Alleine in D nahmen vermutlich hunderttausende Menschen kontaminierte Valsartan Generika ein. Seit etwas über 1 Monat bekannt.

Betreffend D zB hier im Detail nachzulesen:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung. ... -rueckrufe

&

Dauerbrenner sind seit Jahren gefälschte Bioäquivalenzstudien indischer Unternehmen.

etc

Möglicherweise sind die aktuellen Fälle lediglich die Spitze eines Eisbergs.

Bei allgemeinem Interesse starte ich morgen Thread aktuelle Arzneimittelskandale.
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Beitragvon Ixodes ricinus am 11. Aug 2018 21:53

somebody hat geschrieben:... Bei allgemeinem Interesse starte ich morgen Thread aktuelle Arzneimittelskandale.

Da ich mangels Einnahme von Blutdrucksenkern nur nebenbei etwas davon mitbekommen habe und der Artikel von "könnte", "vielleicht" und ähnlichen Gewissheiten nur so wimmelt, würde mich das sehr interessieren.

:mg:
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Beitragvon somebody am 12. Aug 2018 14:52

Ixodes ricinus, Bluthochdruck sollte prinzipiell kein Problem sich gesund ernährender & gesunde Lebensweise praktizierender Menschen sein.

Faktum ist, dass im vorliegenden Fall eine relativ große Menge eines bekannten potenziel krebserregenden Schadstoffs in einem häufig eingesetzten pharmazeutischen Wirkstoff mindestens eines Marktführers und mehrerer kleinerer Hersteller von pharmazeutischen Wirkstoffen vorhanden ist & dass dies weder den zuständigen Aufsichtsbehörden in den Herstellerländern & den Marktländern noch den den pharmazeutischen Wirkstoff verarbeitenden Generikaherstellern mindestens in Europa, den USA & China bei Kontrollen der erhaltenen Wirkstofflieferungen & bei Kontrollen während & nach der Verarbeitung auffiel oder dass es dort bewusst übersehen wurde.

Mit anderen Worten, alle Kontrollbehörden versagten & anscheinend alle den betreffenden Wirkstoff verarbeitenden Generikahersteller pfuschten oder übersahen den Schadstoff bewusst & dies möglicherweise während mehrerer Jahre.

Von allgemeiner Bedeutung ist der Fall, da der betreffende Schadstoff auch bei Herstellung vieler anderer pharmazeutischer Wirkstoffe anfallen kann & da die zuständigen Aufsichtsbehörden auch betreffend anderen potenziell in pharmazeutischen Wirkstoffen enthaltenen Schadstoffen versagt haben können & da die betreffenden Generikahersteller mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder allgemein schlampig arbeiten oder schlimmstenfalls von Harry Lime als Vorbild habenden Subjekten geleitet werden.
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Beitragvon fucktheflipflop am 12. Aug 2018 17:19

Der chinesische Hersteller hat zwischenzeitlich die Produktion verändert. dies war schlicht kriminell - zugelassen war eine andere Produktionsart. Es ist also explizit kein Problem der Zulassung gewesen. Ich habe nicht rauslesen können, dass nur Generika betroffen sind, macht aber auch keinen Unterschied, denn das hätte bei dem Originalprodukt auch passieren können. Die Produktion erfolgt selten beim erfindenden Unternehmen, sondern wird ausgelagert.
Von daher sehe ich kein erhöhtes Gefährdungspotential bei Generika.

Btw kann Hypertonie viele Ursachen haben, ungünstige Lebensumstände sind nur einer davon. Es gibt zahlreiche Krankheiten, deren Symptom u.a. Hypertonie ist, außerdem gibt es genetisch bedingte. Insofern ist das Bild vom übergewichtigen saufenden Stubenhocker nur ein (leider weit verbreitetes) Vorurteil.

Bedenkt man, wie viele Arzneimittel auf dem Markt sind, und dass beinahe jeder von uns regelmäßig oder zumindest unregelmäßig mehrere Medikamente zu sich nimmt, dann gibt es erstaunlich wenige Skandale.
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Beitragvon somebody am 12. Aug 2018 17:30

fucktheflipflop, der chinesische Wirkstoffhersteller meldete sein verändertes Herstellungsverfahren bei den zuständigen Behörden an & diese genehmigten es.

Das Originalpräparat Cordinate von Novartis ist von der Schadstoffbelastung nicht betroffen. Novartis stellt den Wirkstoff gemäß dem ursprünglichen Verfahren selbst her.
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Beitragvon somebody am 13. Aug 2018 08:25

Artikel der SZ zum Thema Arzneimittelsicherheit:
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ ... -1.4090522
Vorsicht! Die Seite funktioniert nicht mit den meisten Werbeblockern.
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Beitragvon Ixodes ricinus am 13. Aug 2018 11:03

somebody hat geschrieben:fucktheflipflop, der chinesische Wirkstoffhersteller meldete sein verändertes Herstellungsverfahren bei den zuständigen Behörden an & diese genehmigten es...

Das liest sich jetzt so, als sei nur die Behörde verständigt worden, weder der Lizenzgeber, noch die Käufer der Ware. Und dass chinesische Behörden und Unternehmen "Hand in Hand" arbeiten, gegen den Rest der Welt, hat sich wohl schon längst herumgesprochen.

Bleibt die Tatsache, dass anscheinend 6 Jahre lang keiner der Käufer etwas bemerkt haben will.
Auf was haben die die Ware geprüft? Nur darauf, ob bestimmte Inhaltsstoffe in bestimmten Mengen enthalten sind? Die Füllstoffe waren ihnen egal?

Und wenn ich den Artikel der SZ sehe: "Denn durch das Hin- und Herverschieben sparen deutsche Krankenkassen Geld. Je nach Schätzung zwischen 120 und 240 Millionen Euro im Jahr." dann erscheint mir diese Ersparnis lächerlich angesichts eines Medikamentenmarktes von etwa 42 Milliarden € der GKV (12,2 Milliarden davon Generika, 3,3 Milliarden Importe - die zusätzlichen 7,5 Milliarden der PKV lasse ich mal einfach weg)
Quelle: https://www.bah-bonn.de/de/publikationen/zahlen-fakten/


:wippe:
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Beitragvon somebody am 13. Aug 2018 15:18

Ixodes ricinus, die zuständige europäische Behörde prüfte & genehmigte. Momentan ist unklar, ob diese Behörde nur formal/juristisch oder auch sachlich prüfte & gegebenfalls wie.

Bisher als seriös geltende Genetikahersteller wie zB Ratiopharm/Teva, Hexal, Zentiva bezogen den kontaminierten Wirkstoff & verarbeiteten ihn offenbar nach sehr oberflächlicher Kontrolle & das möglicherweise bis zu 6 Jahre lang.

Situation in den USA & Canada vergleichbar. Auch in China wurde der kontaminierte Wirkstoff in Produkten für den inländischen Markt verarbeitet. China hat übrigens zZ auch einen Skandal mit unwirksamen Tollwut Impfstoff.

Weitere Wirkstoffhersteller in China & Indien lieferten kontaminierte Wirkstoffe an Generikahersteller.

Ratiopharm/Teva, Hexal etc sind für mich verbrannte Unternehmen, sofern sie in den nächsten Tagen keine überzeugenden Erklärungen liefern. Da diese Unternehmen im vorliegendem Fall nachweislich möglicherweise Jahre lang einen kontaminierten Wirkstoff aus China verarbeiteten, könnten sie bei den vielen weiteren Wirkstoffen noch viele weitere Kontaminierungen übersehen haben.
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Beitragvon Ixodes ricinus am 13. Aug 2018 19:19

somebody hat geschrieben:... China hat übrigens zZ auch einen Skandal mit unwirksamen Tollwut Impfstoff...

Seit sie in China vor 10 Jahren ihre Milch mit Melamin streckten, ist die Ecke sowieso verbranntes Gelände für mich - zumal sie es den Presseberichten nach anscheinend immer noch nicht in den Griff bekommen haben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesischer_Milchskandal

https://www.ksta.de/wirtschaft/china-un ... --29661460
Durch einen Katalog von Maßnahmen will Peking das Vertrauen der Verbraucher in die heimische Milch nun wiedergewinnen. „Eine stärkere Regulierung und Überwachung der Branche ist derzeit eine unserer Prioritäten“, sagte Bi Jingquan, der Chef der chinesischen Lebensmittelaufsicht.

In einem ersten Schritt hat die Behörde vielen kleinen Marken in diesem Januar die Lizenz entzogen. Dutzende von Anbietern hatten Tausende von verschiedenen Produkten auf den Markt gebracht: Sie haben die Inhaltsstoffe zum Teil immer wieder neu kombiniert und mit anderen Versprechen beworben.



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