Der-"What-do-you-people-think"-Faden?

Plausch & Palaver

Der-"What-do-you-people-think"-Faden?

Beitragvon Curumo am 24. Aug 2018 16:56

AKA der Alles-was-keiner-eigenständigen-Diskussion/keinem eigenständigem Faden-würdig-ist-bzw.-(halbgare)-Gedanken-zu-denen-ihr-eine-2.-oder-3.-usw. Meinung/Ansicht einholen wollt-Faden.

Ich fange dann mal an:

Ihr kennt ja sicher dieses (sinngemäße) Zitat/Mahnung "Als sie die X holten, tat ich nichts, denn ich war ja kein X, als sie mich holten, war keiner mehr da" bzw. die damit transportierte Einstellung/Moral bzw. die Werte die damit gefördert, denen gemahnt werden soll (Zivilicourage/Solidarität (mit "Schwächeren"/Diskriminierten). Ich habe dies immer jedoch so verstanden - bitte erläutern, wenn ihr dies anders seht - dass dies eine ziemlich Schwache Botschaft ist, da sie an den Eigennutz appelliert bzw. mit Furcht arbeitet, es geht also weniger darum "das Richtige" zu tun, sondern im Zweifelsfall den eigenen Arsch zu retten("als sie mich holten"). Was ethisch ja so im Allgemeinen bewertet eher ziemlich maue Motive sind bzw. Letzteres (Angst vor Strafe/Schaden) bekanntermaßen ein ziemlich problematischer Modus Operandi ist... :kk:
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Beitragvon Vampy am 24. Aug 2018 17:39

seh ich wie du. ist ähnlich wie das religiöse gutes tun, damit man in den himmel kommt.
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Beitragvon Tortuga am 24. Aug 2018 18:02

Na ja,
Zynikerin die ich bin, sag ich mal: Altruismus wär ja eine schöne Sache, existiert aber praktisch nicht.

Also, wie kriegt man Menschen dazu anderen zu helfen?
1. Androhung von Strafe (unterlassene Hilfeleistung)
2. Denk dran, dass du vielleicht auch mal Hilfe brauchen könntest!
3. Wenn du anderen nicht hilfst, hilft dir auch keiner!
4. Wär das nicht nett von dir, wenn du anderen Menschen helfen würdest?

Am Ende bleibt vermutlich nur: Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht.
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Beitragvon Vampy am 24. Aug 2018 18:34

wieso soll es altruismus nicht geben? ich helfe öfter menschen einfach so. auch wenns nur min-sachen sind, wie zb tür aufhalten. ich seh die leute doch nie wieder, ob die mir wiederum die tür aufhalten oder sonstwie helfen ist mir total schnuppe. und nett bin ich beileibe wirklich nicht.
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Beitragvon illith am 24. Aug 2018 19:31

das kann als erwiesen angesehen werden. :geek:
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Beitragvon Tortuga am 24. Aug 2018 20:01

Tür aufhalten, okay...

Kommen wir noch Mal auf den Ursprungsbeitrag zurück. Du siehst, wie Polizisten deinen Nachbarn aus dem Haus zerren, während er immer wieder seine Unschuld beteuert. Als er sich wehrt, fangen sie an auf ihn einzuprügeln. Gehst du dazwischen?

Anderes Szenario: du bist auf dem Weg zur Bushaltestelle, weil du mit deinem neuen Schwarm ins Kino gehen willst. Es spricht dich eine Frau in sehr schlechtem Deutsch an und fragt dich nach dem Weg zum Supermarkt. Leider versteht sie deine Erklärung nicht. Du kannst sie an die Hand nehmen und sie zur nächsten Ecke bringen, dann findet sie den Supermarkt. Aber dann ist dein Bus weg und der nächste kommt erst in 20 Minuten.

Nein, du musst mir das nicht beantworten. Aber ob wir anderen helfen, hängt auch immer davon ab was es uns kostet. Und umso höher der Preis ist, desto größer muss die Motivation sein. Oder die Angst vor möglichen Konsequenzen.
In dem Eingangsbeispiel ging es darum, das eigene Leben zu riskieren um andere zu retten. Das ist von 'Tür aufhalten' ziemlich weit weg.
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Beitragvon illith am 24. Aug 2018 20:09

ich hatte Curus Post eher so verstanden, dass es ihm um das Prinzip geht, nicht um dieses konkrete Beispiel an sich.
und zu sagen, es gibt (fast) keinen echten Altruismus, weil nicht jedeR auf der Stelle bereit ist, Leib und Leben für eineN FremdeN zu riskieren, find ich schon etwas weithergholt.
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Beitragvon Sabotagehase am 24. Aug 2018 21:21

Ich denke ab einen bestimmten Preis ist jeder Käuflich....
Ansonsten hat Illith denk ich recht.
Da passt Das Nachbarn-Beispiel garnicht so schlecht finde ich: ich würde nicht dazwischen gehen weil ich weiß, dass es nicht helfen wird, dass ich genauso zusammengeknüppel würde, etc. und ich wäre sowiso die nächste... Trotzdem könnte ich der Pderson in meinem Maße helfen, ihm zurufen wie er mit der Polizei umzugehen hat, ihn versuchen mit den existierenden Mitteln zu unterstützen... Wäre acuh in meinem Interesse weil ich sowas einfach ein unding finde.
Und weiter gedacht, wenn davon auszugehen ist dass Sowas wie dein Beispiel einfach so passiert, warum nicht allgemeiner ansetzen? Klingt jetzt ein bisschen verschwurbelt aber bezogen auf das Zugrundeliegende Zitat gehts ja nicht nur darum, jede möglicherweise ungerechte Festname zu verhindern sondern den Zustand, dass sowas möglich ist. Wie auch immer man das anstellen will.
Ist das dann alstruismus weil ich für alle anderen eine welt will in der niemand mehr von der Polizei verkloppt wird oder möchte ich das Risiko selber in so eine Situation zu geraten durch mein Handeln einfach nur minimieren? Ich denke Beides....
Warum sollte ich vegan leben? Weil ich nicht will dass andere Lebewesen gegen ihren Willen für mich leben und sterben sollen und nicht, weil mir das irgendwas brächte, ich für das gegenteil betraft würde oder sonstwas..
Ist das nun Altruismus (ggü. anderen Arten) oder nicht? Wieso sollte ich andern Menschen wehtun, sie ausnutzen oder sonstwas wenn jemand für 5min das Strafrecht abschaffen würde? Ich denke die zugrundeligenden Umstände für etwas wie beispielsweise Gier und Rachsucht sind Komplexer als "die Natur des Menschen",
Der Grat ist denke ich recht schmal.
Dass des Zitat ein wenig nach "den eigenen arsch retten" klingt finde ich richtig, allerdings frage ich mich, was an dem gedanken, dass eine welt in der es allen anderen wirklich gut geht auch mir möglicherweise besser gehen könnte nicht unrealistisch. Der Mensch ist halt immernoch iwo ein Herdentier, so sollten kollektive und individuelle freiheit/wohlergehen/sonstwas ja nicht zwangsläufig gegeneiander stehen.

Grundsätze die daran appelieren, seine eigene Verantwortung in jedem System dessen Teil man is warzunehmen, wesentlich sinvoller, weil man sich dei frage nach dem Eigennnutz erst als zweites stellt. Fällt mir leider grad kein schlaues Zitat ein.
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Beitragvon somebody am 25. Aug 2018 10:34

Abwägung fremden Nutzens gegen eigene Kosten/Nachteile in Verbindung mit Auswahl aus eigener Perspektive geeigneter Mittel halte ich für entscheidend.

Praktische Beispiele aus meiner Perspektive eines nonkonformistischen, im Alltag vermutlich als nicht nett wahrgenommenen Menschen im Deutschland der Gegenwart:

zB offensichtlich körperlich gebrechlichen/behinderten/kranken oder mit Kleinkind/Tier/Gepäck beladenen Menschen Tür offen halten oder ähnliches = klar ja, da effektiver fremder Nutzen meiner Massnahme ohne eigene Kosten/Nachteile

zB in offensichtliche Abschiebungen sozial integrierter Menschen mit Migrationshintergrund
-> aktiv körperlich einmischen = klar nein, da kein fremder Nutzen, jedoch eigene Nachteile (Festnahme/Anzeige) zu erwarten
-> Beweise sichern, geeignete Medien einschalten = prinzipiell ja, in Abwägung potenziellen fremden Nutzens gegen eigene Nachteile (Zeitaufwand, juristische Implikationen)

zB Erhalt von Kenntnis von die Allgemeinheit schädigenden Aktivitäten Dritter = klar ja, Beweismaterial sichern & geeigneten Behörden/Medien zur Verfügung stellen, erforderlichenfalls anonym

zB 1te Hilfe am Unfallort = klar ja, falls erforderlich & falls aussichsreich & sofern eigene Risiken kalkulierbar, sonst geeignete Hilfe suchen bzw potenziell zuständige Behörden einschalten

zB Mobbing/Belästigung/Angriff/Vergewaltigung fremder Menschen aktiv unterbinden = prinzipiell ja, sofern aussichtsreich & sofern eigene Risiken kalkulierbar, sonst geeignete Hilfe suchen bzw potenziell zuständige Behörden einschalten

zB nach Machtübernahme durch rechtes Regime aktiv einer Widerstandsbewegung anschließen
-> sofern Alternative Auswanderung zur Verfügung steht -> klar nein
-> sofern keine Alternative Auswanderung zur Verfügung steht -> prinzipiell ja, bei Abwägung potenziellen fremden Nutzens gegen eigene Risiken

...
Politicians are a lot like diapers. They should be changed frequently, and for the same reasons. - Benjamin Franklin
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