staatliches Gewaltmonopol, Polizei, Alternativen?

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Lee
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staatliches Gewaltmonopol, Polizei, Alternativen?

Beitrag von Lee » 20. Mär 2020 17:47

abgetrennt aus dem Corona-Thread

Slightly offtopic:
na immerhin haben sie sich zurückgehalten.
Der Hass vieler Menschen auf die Polizei an sich ist gerade bei vielen Linken ziemlich groß.
Fand das als 14 Jähriger Punk schon Panne. mit dem Polizistenhass und ruf nach Anarchie.
Wenn der Staat das Gewaltmonopol nicht mehr ausüben würde, würds wer anders machen. Da sind mir demokratische Strukturen mit Staatsapparat wesentlich lieber.
Da find ich lässt sich gern drüber Streiten WIE die Polizei sein sollte, aber nicht OB es sie überhaupt geben solle.

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Kim Sun Woo
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Beitrag von Kim Sun Woo » 20. Mär 2020 17:55

abtrennen?

jein. es kommt darauf an, wovon wir überhaupt reden. eine Abschaffung der Polizei (oder, noch weiter, gefaßt: dem Rechtsstaat als solchen) unter den aktuellen gesellschaftlichen Umständen würde ich aber für fatal halten.
Man hat jeden Tag die Chance die bestmögliche Version von sich selbst zu sein. ♥

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Sabotagehase
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Beitrag von Sabotagehase » 20. Mär 2020 18:02

@Lee sowas wie deine Argumentation kommt dabei raus, wenn man als einzige Alternative eine Modifikation des Systems sieht. Im Nächsten Satz kommt dann Somalia vor? Ist jetzt nicht böse gemeint, ich seh nur genügend Beispiele aus anderen Kulturen wo sowas wie nicht-Staatlichkeit im kleinen auch echt funktioniert. Wenn man bei uns mit einem Schnipsen die Polizei abschaffen würde gäbe es sicher MOrd und Totschlag, keine frage. Nur keine Alternative denken zu können ist fast schon symptomatisch für unsere Zeit. Zudem ist Anarchie eh unmöglich. Man kann nur versuchen möglichst nahe ran zu kommen. Wird leider von diversen "Vertretern", v.a. aber den Medien häufig falsch verstanden.
wäre da also eher bei Kim

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Lee
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Beitrag von Lee » 20. Mär 2020 18:06

wo funktioniert ein Land ohne Staat?
ich glaub du sagst es selbst. Im Kleinen geht das. die Welt ist halt nicht klein.

und was das schnippen angeht wenn das staatliche gewaltmonopol so zack zack verschwinden könnte.
Kriminielle Organisationen würden die Lücke tatsächlich mit Freuden füllen.

Wenn du sagst man solle möglichst nah rankommen an Anarchie, frag ich mich halt auch was du konkret meinst, wie das zusammenleben geregelt sein sollte.

ich widerspreche Kim übrigens nicht.

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Shub-Niggurath
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Beitrag von Shub-Niggurath » 20. Mär 2020 18:16

"und was das schnippen angeht wenn das staatliche gewaltmonopol so zack zack verschwinden könnte.
Kriminielle Organisationen würden die Lücke tatsächlich mit Freuden füllen." (Lee)

Wenn man es einfach niemandem sagt, hätte man vielleicht ein paar schöne Tage. :mg:
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Lee
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Beitrag von Lee » 20. Mär 2020 18:27

lol shub. Da ist schon was dran :P

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Sabotagehase
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Beitrag von Sabotagehase » 20. Mär 2020 20:16

@lee ich habe nie von einem Land gesprochen. Zugegeben, ich bin in einem Europa der EU aufgewachsen und ich vergesse z.T. sogar dass Österreich nicht Deutschland ist, einfach weil keine Sprachbarriere. Ich habe krasse Grenzen nie wirklich erlebt. Mir sind Nationalstaaten, ob jetzt in einer WM oder sonstwo eigentlich ziemlich egal.
Als organisationsstruktur die weniger Hierarchisch ist als ein Staat taugt ein Land absolut nicht. Viel zu Groß. Je nach Belang kann es ja sogar vorkommen, dass eine Stadt oder Gemeine in der Entscheidungsfindung zu groß ist und irgendwer hinten runterfällt, der es eigentlich nciht müsste.
Ich habe zugegeben an sowas wie Patriotismus allein schon nie verstanden, wie man Menschen innerhalb einer bestimmten Grenze so zusammenfassen kann, dabei hab ich vlt mit jemand anderem ganz woanders in meiner Identität viel mehr gemein als mit einem vermeintlich "deutschem"... einfach "zu viel". Vieles hat mit vielem nichts zu tun. Warum muss man alles auf biegen und brechen so zusammenfassen?


Ich hab natürlich auch keine Ahnung wie eine Welt ohne Geld, Staat, Privateigentum (nicht zu verwechseln mit Besitz) u.ä. konkret aussähe. Ich finde es sogar ein bisschen anmaßend dass dann immer die Forderung gestellt wird, wenn man doch Kritik habe, solle man doch bitte etwas besseres wissen. Nein, weiß ich nicht, woher denn auch. Dazu wird man in anderen Themenbereichen ja auch nicht befragt.
Das einzige wo ich mir wirklich sicher bin ist dass irgendwelche "revolutionsartigen" Umsturzfantasien allein deshalb nicht funktionieren werden, weil es ein reiner umsturz wäre, den die Leute nicht verstünden und was absolut nix an ihrem Bewusstsein ändern würde. Wie ich schon betont hatte, ich bin kein Pazifist und halte Physische Gewalt leider manchmal für Notwendig (Notwehr bleibt halt auslegungssache), trotzdem muss eine alternative Gesellschaft zumindest in Teilen von einer ausreichenden Menge an Menschen eingeführt werden, bzw. sich eine ausreichend große Menge zumindest in manchen Ideen durch irgendwas inspiriert sehen. Ob das jetzt die Verteidigung irgendeines Grundrechtes ist, FFF, was konkreter Politisches, Emanzipation ansich usw. Ob man das jetzt als "die Massen" bezeichnet, wie einige Kommis es tun, oder einfach damit meint, dass ein alternatives System erstmal Stützen braucht ist doch egal, nur wird es garantiert nicht durch ein reines Machtvakuum erreicht, was dann diverse Kräfte versuchen zu füllen, von denen manche vlt ganz passable Ansichten haben.
Nein danke. Ich muss auch zugeben dass ich akut tatsächich eher angst vor einem Zusammenbruch des Staates habe, ich glaube zwar nicht dass mein Name auf irgendeiner Liste steht (bzw halte es für unwahrscheinlich) aber die deutsche Rechte ist bewaffnet genug um ein Machtvakuum durchaus gekonnt auszunutzen. Die deutsche Linke, und selbst wenn man sich aus bürgerlicher Perspektive für die garnicht interessiert und rein von der Bekämpfung der rechten profitieren würde, ist im europäischen Vergleich einfach nur lame. Also: akut bitte nicht weil das wird eh nix. Sehr traurig eigentlich.

Kp ob man versteht worauf ich hinaus will. Vermutlich nicht^^

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Kim Sun Woo
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Beitrag von Kim Sun Woo » 20. Mär 2020 20:30

Sabotagehase hat geschrieben:
20. Mär 2020 20:16
@lee ich habe nie von einem Land gesprochen. Zugegeben, ich bin in einem Europa der EU aufgewachsen und ich vergesse z.T. sogar dass Österreich nicht Deutschland ist, einfach weil keine Sprachbarriere. Ich habe krasse Grenzen nie wirklich erlebt.
das ist übrigens interessant. weil ich als Enddreißigjähriger mich daran z.b. noch erinnern kann. Urlaubsfahrt ins benachbarte Frankreich? klar, aber nicht ohne Grenzkontrollen.

Sabotagehase hat geschrieben:
20. Mär 2020 20:16
Ich hab natürlich auch keine Ahnung wie eine Welt ohne Geld, Staat, Privateigentum (nicht zu verwechseln mit Besitz) u.ä. konkret aussähe. Ich finde es sogar ein bisschen anmaßend dass dann immer die Forderung gestellt wird, wenn man doch Kritik habe, solle man doch bitte etwas besseres wissen. Nein, weiß ich nicht, woher denn auch. Dazu wird man in anderen Themenbereichen ja auch nicht befragt.
vor vielen Jahren hat mal jemand *räusper* diesbzgl. in einem Lied "Nur weil ich nicht weiß, was ich will heißt das nicht, daß ich nicht weiß, was ich nicht will." gesungen
Zuletzt geändert von Kim Sun Woo am 20. Mär 2020 20:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Shub-Niggurath
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Beitrag von Shub-Niggurath » 20. Mär 2020 20:34

Für wen wollt ihr eigentlich Revolution machen? Für die Leute, die euch jetzt gerade mit ihrer Unvernunft töten wollen und euch sonst auf den Sack gehen? Sollen doch alle in Dystopia leben, wo der Smog dicht genug ist, um nicht mehr die Hand zum Höckegruß heben zu können. :|
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.

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Beitrag von Sabotagehase » 20. Mär 2020 20:47

@shub aus der position einer person heraus, die allein aufgrund von Frisur und Verhalten von jeder Streife angehalten wird und von irgendwelchen Bulleb beleidigt und begrabscht wird, die zusehen muss wie jeder schöne Fleck Land hier zubetoniert wird und eigentlich alles was man irgendwie schön findet definitiv von irgendwem kaputt gemacht wird, der daraus profit schlägt...
...finde eine Welt in der ich druaf warte bis den anderen auch ihr Verhalten auf die Füße fällt und nicht nur ich die Person bin, die sich einfach nur ärgert oder die Menschen sieht, deren Existenz daran zugrunde geht...
ja, es ist egoismus. ich habe wahrscheinlich einfach nur ein anderes verständnis vom zusammenhang der individuellen und kollektiven Freiheit bzw. dem, was man im Leben als "Mehrwert" (Glück, Zufriedenheit blabla) versteht, als irgendwelche SUV-Fahre oder Banker, um mal Klischees zu bedienen. Letztenendes ist es immer die Macht des Stärkeren. Ist halt die Frage ob sich der der sich durchsetzen kann als Kollektiv versteht oder sich Solidarität auf irgendwelche Fahnen schreibt oder eben nicht. So wie es jetzt ist macht es zumindest definitiv "keinen Spaß".

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