Plundergebäck (Franzbrötchen, Croissants, ...)

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Kleo
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Plundergebäck (Franzbrötchen, Croissants, ...)

Beitrag von Kleo » 21. Okt 2010 14:38

Da ich danach gefragt wurde, hier ein Rezept für Plunderteig. Diesen kann man sehr universell einsetzen. In der vorliegenden Version eignet er sich prima für Croissants und Plunder in allen Variationen (Mohnschnecken, Apfel-Pudding-Plunder, Schokokissen, etc.). Wenn man den Teig weniger süß macht, also den Zucker weglässt und statt "Milch" Wasser nimmt, kann man auch herzhaftere Sachen backen, also etwa blättrige Sesambrötchen oder Kräuter-Knusperstangen.

Plunderteig ist folgendermaßen aufgebaut: Eine feste Fettplatte wird mit einem Hefeteig ummantelt. Diese Masse wird mehrmals ausgerollt und dann dreilagig oder vierlagig (wie ein Brief) zusammengefaltet. Zuerst hat man erstmal eine Fettschicht und drüber und drunter eine Teigschicht. Faltet man das Ganze dreilagig, hat man natürlich drei übereinanderliegende Fettschichte, die jeweils durch Teigschichten getrennt sind. Rollt man es wieder aus und faltet es wieder dreilagig, hat man 3 mal 3 also 9 Fettschichten. Je öfter man diese Prozedur wiederholt, desto mehr Schichten bekommt man. Diese sorgen später beim Backen für eine feine Blättrung.

Es gibt etliche Varianten, Plunderteig zuzubereiten. Ich bevorzuge eine lange Teigführung mit wenig Hefe. Man muss dabei zwar ein bisschen vorausplanen und hat nicht wie in der "typisch deutschen" Version innerhalb von 2 Stunden den fertigen Teig. Dafür holt man aber das Maximum an Geschmack aus den Zutaten, insbesondere dem Mehl, heraus und bekommt auch ohne Füllung ein sehr aromatisches und bekömmliches Gebäck. Die ganze Prozedur wird für den Gelegenheitsbäcker erstmal extrem aufwendig erscheinen, aber man sollte sich nicht abschrecken lassen und es einfach mal versuchen. Die Netto-Arbeitszeit ist recht gering und die meiste Zeit verbringt man eigentlich nur mit Warten. Hat man es ein paar Mal gemacht, dann kann man problemlos einfach so nebenher erledigen. Man braucht aber ein paar Durchgänge, bis alles schnell und leicht von der Hand geht.
Besonders wichtig ist es beim Plunderteig, dass die eingearbeitete (man sagt "eintourierte") Fettplatte von der Festigkeit her eine ähnliche Konsistenz hat wie der Hefeteig, da zum Beispiel zu festes Fett in einem zu weichen Teig leicht brechen und den Teig durchschneiden kann oder zu weiches Fett von einem zu festen Teig zermatscht wird. Beides sorgt für eine weniger schöne Blättrung und hat ein gewisses Sauerei-Potenzial (Fett auf der Arbeitsfläche ist nicht so schön). Wenn man eine sehr feste Margarine benutzt, fügt man dem Teig am Ende einfach ca. 20-30g weniger Flüssigkeit hinzu, bei sehr weicher und schaumiger Margarine 10-20g mehr.

Hier gibt es ein Video, dass den Prozess der Teigführung sehr anschaulich darstellt. Zwar unterscheiden sich Rezept und Teigführung von meiner Version etwas, indem hier eher die schnelle Variante mit viel Hefe gezeigt wird. Aber man sieht sehr gut die ganzen Handgriffe, also empfehle ich, zuerst das Lehrvideo anzuschauen:



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Die folgende Menge reicht für (mindestens) ein randvoll belegtes großes Backblech, also zum Beispiel 8 mittelgroße Croissants oder Plunder.

Gesamtzutaten
300g Weizenmehl Type 550
180g pflanzliche Milch
155g backfähige Margarine (Vollfett, nicht zu schaumig)
30g Zucker
etwas geriebene Zitronenschale (optional)
5-6g Salz
ca. 6g Frischhefe

Vorteig
100g Weizenmehl Type 550
100g pflanzliche Milch
ca. 0,3g Frischhefe (entspricht einem kleinen Splitter etwa der Größe eines Pinienkerns)

Die Milch in eine Schüssel geben, die Hefe hineingeben und sorgfältig (also ruhig 20-30 Sekunden lang) einrühren, sodass sie sich in der Flüssigkeit auflöst. Nun das Mehl hinzufügen und alles miteinander verrühren, bis die Masse mehr oder weniger frei von großen Klümpchen ist. Die Schüssel mit einem Deckel oder Frischhaltefolie abdecken und bei Zimmertemperatur ca. 16 Stunden ruhen lassen, zum Beispiel über Nacht.
Am Ende dieser Phase sollte der Teig sehr blasig und schaumig sein.

Fettplatte
140g Margarine

Sobald der Vorteig seine Teigruhe beendet hat, nun wie oben in dem Video die Margarine in Stücken zu einem Quadrat auf eine Stück Frischhaltefolie legen, umwickeln und zu einer gleichmäßigen Platte ohne Zwischenräume zusammendrücken. Die Platte dann bis zur Weiterverwendung in den Kühlschrank legen.

Hauptteig
200g Vorteig
200g Weizenmehl Type 550
80g pflanzliche Milch
30g Zucker
15g Margarine in kleinen Flocken
etwas geriebene Zitronenschale (optional)
5-6g Salz
5-6g Frischhefe

Die Zutaten zu einem Teig mischen.
Die Hefe leicht zerbröseln und in die Milch einrühren, das Ganze dann zum Vorteig gießen und grob einrühren. Die Masse mit den anderen Zutaten zusammen zu einem gleichmäßigen Teig vermischen.
Variante 1: In einer Schüssel wie oben in dem Video.
Variante 2: Auf der Arbeitsfläche. Dazu die trockenen Zutaten und die Margarineflocken auf die Arbeitsfläche geben, grob vermischen, einen Brunnen vormen, das Vorteig/Milch/Hefe-Gemisch eingießen und alles zusammenführen. Zu sehen hier in diesem zweiteiligen Video: Teil 1, Teil 2.

Den Teig nun mit den Händen mehrere Minuten kneten, bis ein geschmeidiger und stabiler Teig entsteht. Wenn der Teig nicht lange genug geknetet wird, ist er schwach und rissig, wenn er zu lange geknetet wird, hat er sehr viel Spannung und springt beim Ausrollen immer wieder zurück, lässt sich also schwer verarbeiten. Man kann leicht testen, ob man den richtigen Punkt erwischt hat, indem man ein walnussgroßes Stück Teig absticht und zwischen den Fingern vorsichtig zu einer papierdünnen Ebene ausdehnt und gegen Licht hält. Der Teig sollte sich, ohne zu reißen, so dünn auseinanderziehen lassen, dass er lichtdurchscheinend und glatt ist, aber noch vereinzelt einige dickere "Adern" aufweist, wie in folgendem Bild:

Bild

Den fertig entwickelten Teig zu einer Kugel formen und in eine leicht geölte oder eingemehlte Schüssel geben. Mit Deckel oder Frischhaltefolie abgedeckt mit zur Fettplatte in den Kühlschrank geben und 30-60 Minuten ruhen lassen.

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Teigführung
1. Falten: Arbeitsfläche leicht mit Mehl bestreuen. Den Teig draufgeben. Ein wenig Mehl auf den Teig rieseln und mit einem Rollholz den Teig auf etwa doppelte Größe der Fettplatte ausrollen. Ab und zu den Teig anheben, um sicherzustellen, dass er nicht an der Arbeitsfläche klebt. Gegebenenfalls etwas mehr Mehl drunterstreuen. Mit dem Rollholz leicht auf die noch eingepackte Fettplatte drücken, um sie etwas geschmeidiger zu machen und die ausgepackte Fettplatte dann in die Mitte des Teiges legen und von allen vier Kanten der Fettplatte aus den Teig wie bei einem Briefumschlag über das Fett schlagen. Die Verschlussstellen lückenfrei zusammenkneifen, um so den Teig komplett zu verschließen.
Teig wenden, sodass die Verschlussseite unten liegt. Mit dem Rollholz zuerst vorsichtig den Teig andrücken, sodass die Fettplatte im Innern etwas gedehnt wird, dann in eine Richtung länglich ausrollen. Wie einen Brief dreilagig falten, dabei überschüssiges Mehl vom Teig abpinseln, da sonst trockene Stellen im Teig entstehen.
Den Teig sorgfältig und möglichst luftdicht in Frischhaltefolie oder einer ausreichend große, flache Plastikschüssel verschließen und für mindestens 1 Stunde in den Kühlschrank geben.

2. Falten:
Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und auf die leicht bemehlte Arbeitsfläche geben. Den Teig in Richtung der offenen Seiten (also 90° zur Ausrollrichtung beim ersten Falten) und wieder wie oben beschrieben falten, dieses Mal jedoch vierlagig (beide Enden zur Mitte falten und dann den Teig nochmal zusammenfalten). Wieder gut eingepackt für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank geben.

3. Falten
Wieder dreilagig falten und im Kühlschrank eine Stunde ruhen lassen.

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Formen
Teig auf die bemehlte Arbeitsfläche geben und zu allen vier Kanten hin zu einem etwa 7mm flachen Rechteck ausrollen. Den Teig mit einem Pizzaschneider oder scharfen Messer mit glatten Schnitten in geeignete Stücke schneiden, leicht abgedeckt (einfach die Frischhaltefolge, in der man den Teig immer eingewickelt hatte, drüberlegen) 10 Minuten ruhen lassen.
Die Stücke zu den fertigen Croissants/Plundern formen, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und den Teig leicht mit Wasser einpinseln (bei belegten Plundern die gegebenenfalls noch frei liegenden Teigstellen). Luftdicht abgedeckt an einem nicht zu warmen Ort etwa 2 Stunden gehen lassen (ich packe das Blech einfach in eine große Mülltüte, schlage sie kurz auf, damit Luft reinkommt und sich die Tüte über das Blech wölbt, und klemme die offene Seite der Mülltüte dann unter das Blech, etwa wie hier ab Minute 2:40).

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Backen
Backofen auf 250° Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Plunder, falls gewünscht, mit Wasser oder pflanzlicher (eventuell gesüßter) Milch abpinseln, um mehr Glanz und Bräunung zu erreichen, und in den Ofen schieben. Sofort auf 220° herunterschalten, ca. 10 Minuten bei dieser Temperatur anbacken und dann bei 175-200° weitere 10 Minuten oder bis zur gewünschten Bräunung fertigbacken. Die genauen Temperaturen richten sich nach dem Ofen und dem Belag der Plunder. Da kann die Bräunung dann unterschiedlich schnell und stark eintreten.
WICHTIG: Die Backofentür während der Backzeit nicht öffnen und möglichst nicht deutlich kürzer als 20 Minuten durchbacken (gegebenenfalls bei zu schneller Bräunung niedrigere Temperaturen wählen), sonst fallen die Gebäcke wieder in sich zusammen.

Auf einem Rost vollständig abkühlen lassen, da das Gebäck direkt aus dem Ofen noch sehr weich und im Inneren möglicherweise an einigen Stellen noch leicht teigig ist.
Zuletzt geändert von Kleo am 22. Okt 2010 12:49, insgesamt 3-mal geändert.

Kleo
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Beitrag von Kleo » 21. Okt 2010 14:39

Beispiele für verschiedene Varianten von Plundergebäcken:
Croissants
Den ausgerollten Teig in längliche Dreiecke schneiden und diese an der Kurzen Kante leicht einritzen. Die Dreiecke ein wenig in die Länge dehnen, dann von der eingeritzten Seite beginnend das Teigstück aufrollen. Dabei das Dreieck weiter gedehnt halten, um möglichst mehrere Umrundungen zu schaffen. Mit der Verschlussseite nach unten platzieren und falls gewünscht das Croissant in Halbmondform biegen.

Franzbrötchen
Den ausgerollten Teig mit etwas Wasser bepinseln und dann ordentlich mit Zimt-Zucker-Mischung bestreuen (bei der obigen Teigmenge etwa aus 100-120g Zucker) und dann in Richtung der längeren Seite aufrollen. Die Rolle mit einem scharfen Messer in 4-5cm breite Röllchen schneiden. Vorsichtig schneiden und den Teig nicht zu sehr quetschen. Gegebenenfalls kann man auch den ausgerollten Teig erst in Streifen schneiden und die einzeln aufrollen.
Die Röllchen nun mit der Verschlussseite nach unten platzieren und mit einem dünnen Rollholz (zum Beispiel der Stiel eines Holzlöffels) in der Mitte kräftig runterdrücken, sodass sich die Enden nach oben zur Mitte aufwölben.

Schokokissen
Den ausgerollten Teig in Rechtecke schneiden. An einem der kurzen Enden ein entsprechend langes Stück Schokolade platzieren (außen noch einen kleinen Rand lassen) und den Teig vom Schokoladenende aus gerade so weit aufrollen, dass die Schokolade mit Teig umschlossen ist. Dann direkt an den bereits aufgerollten Teig angrenzend ein weiteres Stück Schokolade platzieren und nun den Teig komplett bis zum Ende aufrollen. Mit der Verschlussseite nach unten gehen lassen.

Apfel-Pudding-Plunder
Vanillepudding mit nur 50-60% der gewohnten Flüssigkeitsmenge herstellen und auskühlen lassen. Äpfel schälen und in dünne Scheiben schneiden, eventuell mit etwas Zitronensaft vermischen, damit sie nicht braun werden. Aus dem ausgerollten Teig Rechtecke schneiden. Einen Klecks Pudding auf dem Rechteck verteilen (noch einen Rand von etwa 1cm lassen), Apfelscheiben überlappend darüberlegen und nach Wunsch mit Zimt/Zucker-Mischung und/oder gehobelte oder gehackten Mandel drüberstreuen.

Troubleshooting
Der Teig klebt an der Arbeitsfläche.
Der Teig wurde möglicherweise nicht lange genug geknetet oder enthält zu viel Flüssigkeit, sodass er nicht sehr stabil ist. Bei der Verarbeitung mehr Mehl auf die Arbeitsfläche geben.

Der Teig springt beim Ausrollen immer wieder in seine Ausgangsform zurück.
Wahrscheinlich wurde der Teig vor dem Eintourieren der Fettplatte zu stark geknetet, sodass er zuviel Spannung aufweist. Nicht auf Biegen und Brechen versuchen, den Teig dünn zu kriegen, sonst reißt er und das Fett läuft aus. Einfach den Teig wieder einwickeln und nochmal mindestens 15 Minuten in den Kühlschrank legen, damit er sich entspannen kann. Dann nochmal versuchen.

Der Teig bekommt beim Ausrollen/Falten Risse und dort läuft Fett aus.
Mögliche Ursachen: Teig wurde zu lange im zu warmen Raum liegen gelassen, sodass das Fett innen geschmolzen ist. Faltvorgänge zügiger durchführen und auf eine kühlere Raumtemperatur achten.
Teig und Fettplatte hatten eine zu stark voneinander abweichende Festigkeit.
Teig wurde zu lange oder zu kurz geknetet und ist entweder zu instabil oder hat zu viel Spannung, sodass er beim Ausrollen leicht reißt.
Teig klebt an der Arbeitsfläche fest und reißt dann. Mehr Mehl nutzen zum Ausrollen.
Teig wurde nicht sorgfältig genug eingewickelt und hat im Kühlschrank eine trockene Oberfläche bekommen, welche aufgerissen ist. Möglichst luftdicht mit Folien, falls nötig in zwei oder drei Lagen, einwickeln, oder in einen verschließbaren ausreichend großen Plastikbehälter.

Generelle Lösung: Falls die Risse nur auf einer Seite des Teiges entstehen, einfach beim Falten des Teiges die unschöne Seite nach innen falten. Ansonsten die gerissenen Stellen mit etwas Mehl einreiben, um den Fettaustritt zu verhindern. So entsteht an der Stelle wieder eine provisorische Teigschicht.

Beim Gehenlassen der fertig geformten Stücke oder beim Backen tritt Fett aus dem Teig.
Entweder war der Teig schon im Vorfeld eingerissen (siehe oben), oder er wurde zum letzten Gehen nicht sorgfältig genug abgedeckt, sodass die Teigoberfläche trocken geworden ist und somit im späteren Verlauf "aufplatzt". Bei jedem Verarbeitungsschritt darauf achten, dass der Teig eine unbeschädigte Oberfläche behält und immer gut und möglichst luftdicht abdecken.

Das Gebäck hat keine sehr blättrige Struktur, sondern ist eher feinporig wie ein Kuchen
Das Fett ist bei der Teigverarbeitung nicht in Schichten geblieben, also bei der Verarbeitung gebrochen. Darauf achten, dass Fett und Teig eine ähnliche Festigkeit haben. Beim Ausrollen zuerst den Teig leicht mit dem Rollholz andrücken und bei sehr harter Margarine möglicherweise den Teig ganz kurz Temperatur annehmen lassen, damit das Fett etwas aufweicht. Ebenso darauf achten, dass die Fettplatte beim Einarbeiten in den Teig gleichmäßig dick und ohne Löcher ist.
Oder das Fett ist geschmolzen und die Teigschichten sind zusammengewachsen. Darauf achten, dass gerade bei sehr weicher Margarine der Teig in de Faltphase nicht zu lange Zimmertemperatur ausgesetzt ist. Gegebenenfalls wieder zurück in den Kühlschrank stellen und erst später weiter ausrollen.

Das Gebäck ist zwar blättrig, aber ich hätte es gerne noch feiner mit mehr Schichten
Einfach eine weitere Faltphase ("Tour") einbauen. So wird die Anzahl der Schichten verdreifacht oder vervierfacht, je nach Art des Faltens. Allerdings lässt sich das Fett nur begrenzt dünn ausrollen, ohne zu brechen. Bei sehr vielen Teigschichten muss also auch mehr Fett im Verhältnis zur Teigmenge verwendet werden.

Ich stehe total unter Zeitdruck, habe noch meinen Teig im Kühlschrank und kann nicht sofort daran weiterarbeiten. Muss ich ihn wegwerfen?
Natürlich nicht. Der Teig kann zwischen oder nach den einzelnen Faltvorgängen problemlos mehrere Stunden im Kühlschrank bleiben beziehungsweise über Nacht. Notfalls kann man die gesamte Teigführung über 24 Stunden oder sogar mehr hinziehen. Er sollte nur gut eingepackt sein, damit er nicht austrocknet.
Zuletzt geändert von Kleo am 23. Okt 2010 10:40, insgesamt 2-mal geändert.

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illith
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Beitrag von illith » 23. Okt 2010 02:03

als ich das gestern abend gelesen hab, hab ich so ne schlimme heißhungerattacke gekriegt! o__O
aber croissants und schokokissen sind nciht aus blätterteig? (letztere hab ich früher immer in der schule gegessen - oh yummy!)

solche vereinfachten herstellungsmethoden wie hier das exil-rezept verachtest du vermutlich, oder? ;D
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Kleo
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Beitrag von Kleo » 23. Okt 2010 10:32

Plunderteig und Blätterteig sind sehr ähnlich. Beide sind so aufgebaut, dass abwechselnd ganz viele Teig- und Fettschichten übereinanderliegen, die beim Backen für viel Ofentrieb und eine schöne Blättrung sorgen.
Plunderteig ist leicht angereichert (etwas Fett, Süße durch Zucker und Milch, eventuell Zitronenschale) und hat dadurch einen etwas kuchenartigeren Geschmack und eine sehr weiche, "softe" Konsistenz. Zudem nutzt Plunderteig Hefe als Triebmittel. Bei Blätterteig hingegen besteht der Teig nur aus Mehl, Wasser und Salz und allein die Fettschichten lassen den Teig beim Backen aufgehen. Blätterteig enthält auch generell deutlich mehr Fett und mehr Schichten. Gebäck aus Blätterteig ist nicht so weich, sondern eher knusprig.

Croissants und Schokokissen und werden für gewöhnlich aus dem etwas süßeren und fluffigeren Plunderteig gemacht. Der neutral schmeckendere und knusprigere Blätterteig wird zum Beispiel für Schweinsohren und Keksgebäcke verwendet oder für herzhafte Speisen wie Spinattaschen oder Gemüsekuchen/-aufläufe.

Dein Rezept ist natürlich völlig in Ordnung. Es ist ein eher schnelles Rezept und nutzt keinen Plunderteig sondern einen normalen Hefeteig. Dadurch werden die Franzbrötchen nicht blättrig und weich wie ein Croissant, mit einzelnen weichen Schichten im Inneren, die man voneinander abziehen kann, sondern eher wie der Boden eines Hefe-Streuselkuchen. Beim lang geführten Plunderteig trägt der Teig (beziehungsweise das Mehl) selbst einen großen Teil zum Geschmack bei, da sehr viele Geschmacksstoffe entwickelt werden. Bei schnellem Hefeteig sind eher der Belag oder die Zusätze im Teig (Zucker, etc.) geschmacksgebend, aber man hat nicht so viel Arbeitsaufwand.

Beide Varianten haben natürlich ihren Sinn. Ich persönlich habe eben Spaß daran, möglichst viel Geschmack aus dem Teig zu holen. Ist genauso bei Pizza. Anstatt sie dick zu belegen und so viel Geschmack zu erreichen, konzentriere ich mich eher darauf, einen leckeren Boden hinzukriegen, der im Prinzip auch mit einer ganz dünnen Schicht Tomatensoße, ein paar Kräutern und sonst nichts gut schmeckt. Aber wenn jemand einfach nur möglichst schnell und einfach was Leckeres auf dem Tisch haben möchte, finde ich das natürlich auch völlig in Ordnung.

Ich würde empfehlen, "meine" Variante einfach mal ausprobieren. Ich habe das Rezept bewusst etwas überausführlich beschrieben, damit jemand beim ersten Versuch typische Fehler vermeidet und direkt Erfolg hat oder zumindest eine Ahnung bekommt, warum es nicht ganz so optimal geworden ist und wie man es beim zweiten Mal besser machen kann. Am Anfang mag es dadurch erstmal total kompliziert erscheinen, aber man bekommt schnell Routine und erledigt das Ganze dann irgendwann einfach so nebenher. Also faltet etwa seinen Plunderteig so, als würde man ins Badezimmer gehen und sich die Hände waschen oder sich die Schuhe binden. Und der Geschmack ist intensiver als beim (deutschen) Bäcker. Zudem lässt sich der Plunderteig sehr universell einsetzen und man kann alle möglichen Gebäcke vegan gestalten, was man sonst kaum zu kaufen kriegt. Also Croissants, Marzipanplunder, Nussschnecken und was man sonst noch mag.
Man kann die fertigen und vollständig abgekühlten Gebäcke auch sehr gut einfrieren und über Nacht bei Zimmertemperatur oder ein paar Minuten im heißen Ofen dann wieder auftauen. Auf diese Weise kann man sich einen schönen Vorrat anlegen.

Nachtrag: Bei deinem Rezept gibt es noch einen weiterführenden Link zu einem anderen Rezept. Das ist ein sehr schnell geführter Plunderteig und bietet einen Kompromiss aus deiner Methode mit einem einfachen Hefeteig und meiner mit einem sehr lang geführten Plunderteig. Diese Variante dürfte ungefähr dem entsprechen, was man beim konventionellen (also nicht slow-baking-zertifizierten) Bäcker bekommt.

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Beitrag von Kleo » 11. Jan 2011 16:20

Ich hab heute mal wieder Plundergebäck gebacken, dieses Mal Marzipanplunder. Sie sind nicht perfekt geworden und wegen des bewölkten Wetters sehen sie auf dem Foto etwas blasser aus als sie sind. Aber es sollte einen groben Eindruck geben, wie das fertige Gebäck dann am Ende in etwa aussehen kann. Am Teigrand kann man erkennen, dass der Teig aus vielen dünnen Schichten besteht.

Für die Plunder habe ich einfach aus dem ausgerollten Plunderteig Quadrate ausgeschnitten. Auf diese Quadrate habe ich diagonal mit Puder- und Hagelzucker verknetetes und geriebenes Marzipan verteilt und dann die unbelegten anderen beiden Ecken des Quadrates über die Füllung übereinandergeschlagen. Vorm Backen wurde das Ganze dann nochmal leicht mit Wasser bepinselt und mit Hagelzucker bestreut.

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Re: Plundergebäck (Franzbrötchen, Croissants, ...)

Beitrag von illith » 12. Jan 2011 00:07

geeeeilll *-*
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Beitrag von PrincessFuture » 12. Jan 2011 02:48

Whoooooa *wasserimmundzusammenläuft*
Das Licht am Ende des Tunnels kann auch nur n Idiot mit ner Kerze sein!

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Re: Plundergebäck (Franzbrötchen, Croissants, ...)

Beitrag von Nerofin » 22. Jan 2011 19:03

Hammer!
Negativ but true.

One life one pain.

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